Demonstranten in Berlin | CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX

"Extinction Rebellion"-Protest Blockaden, Festnahmen und Kritik

Stand: 07.10.2019 14:38 Uhr

Blockierte Straßen in Berlin, Festnahmen in London und Amsterdam. Zum Auftakt des Protests von "Extinction Rebellion" beschäftigten die Klimaaktivisten die Polizei. Bei der Bundesregierung blitzten die Aktivisten ab.

Eine Woche voller Proteste haben die Umweltaktivisten von "Extinction Rebellion" angekündigt. Zum Auftakt versammelten sich Tausende Demonstranten in mehreren Städten weltweit - in Melbourne, London, Amsterdam oder Berlin. Mit Aktionen des zivilen Ungehorsams wollen die Aktivisten den Druck auf die Regierungen erhöhen, mehr gegen den Klimawandel zu tun. Die Bewegung setzt auf gewaltfreien Protest, weil "friedliche Bewegungen in der Geschichte wesentlich erfolgreicher waren als gewalttätiger Widerstand".

Blockade an der Siegessäule

In Berlin legten Aktivisten den Autoverkehr rund um die Siegessäule lahm. Die Polizei sprach von rund 1300 Menschen vor Ort. Sie wollte die Fläche nach eigenen Angaben vorerst nicht räumen. Der Protest verlaufe friedlich. Kanzleramtschef Helge Braun kritisierte die Blockade als "gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr".

Bei einer Kundgebung an der Siegessäule forderte die frühere Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete die Bundesregierung auf, mehr für den Klimaschutz zu tun. Dazu gehöre auch, den Klimanotstand auszurufen. Im Gegensatz zu früheren regionalen Klimaveränderungen handele es sich heute um eine existenzielle ökologische Krise, die alle auf der Erde betreffe.

Mehrere Hundert Personen blockierten außerdem am Potsdamer Platz seit Mittag im Rahmen einer angemeldeten Veranstaltung eine Kreuzung. Zu einer Kurzzeitblockade durch 70 bis 80 Personen kam es in der Ebertstraße am Holocaust-Mahnmal. Eine Radtour von bis zu 70 Klimaaktivisten sei laut Polizei nicht angemeldet gewesen.

Festnahmen in London und Amsterdam

In London eskalierte der Protest: Dort nahm die Polizei nach eigenen Angaben 135 Aktivisten fest. Sie blockierten Straßen, Brücken und Plätze im Londoner Regierungsviertel Westminster. Einige ketteten sich an Straßenlaternen oder Autos, die mitten auf der Straße geparkt waren. "Extinction Rebellion" hofft, in London 10.000 Menschen für den zweiwöchigen Protest rund um das Parlament und Regierungsgebäude zu mobilisieren.

Festgenommener Aktivist in London | REUTERS

Festgenommener "Extinction Rebellion"-Aktivist in London Bild: REUTERS

Festnahmen gab es auch in Amsterdam. Die Polizei nahm etwa 50 Demonstranten bei einer Blockade-Aktion vorläufig fest. Die Aktivisten hatten eine wichtige Durchgangsstraße in Höhe des Reichsmuseums blockiert und dort unter anderem Zelte errichtet. Mit zivilem Ungehorsam solle die Regierung gezwungen werden, mehr für den Klimaschutz zu tun, sagte ein Sprecher der Demonstranten im niederländischen Radio. Die Stadt hatte die Protestaktion an der Stelle verboten. Die Polizei rief die Demonstranten auf, die Aktion abzubrechen.

Auch in Australien und Neuseeland starteten Anhänger des weltweiten Klimabündnisses erste Aktionen. In Melbourne trafen sich Demonstranten am frühen Morgen zu einer Mahnwache auf den Stufen des Parlaments. In Sydney hielten Hunderte Aktivisten einen Sitzstreik auf einer stark befahrenen Straße in der Innenstadt ab, während sich in Brisbane eine kleine Gruppe von Aktivisten an eine Brücke kettete. Im neuseeländischen Wellington sorgten Aktivisten für Verkehrsstörungen, indem sie sich an ein Auto ketteten.

In mehr als 50 Ländern aktiv

"Extinction Rebellion", auf deutsch "Aufstand gegen das Aussterben", ist ein in mehreren Staaten aktiver Zusammenschluss von Klimaaktivisten. Sie sehen den Klimawandel und das wachsende Artensterben als existenzielle ökologische Krise an, auf den mit einem radikalen Wandel des Wirtschaftens und des Konsums reagiert werden muss.

Sie fordert unter anderem, dass die nationalen Regierungen sofort den Klimanotstand ausrufen. Alle politischen Entscheidungen, die der Bewältigung der Klimakrise entgegenstünden, müssten revidiert werden. Schon bis 2025 müssten die vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen auf netto null senken, verlangt die Gruppe.

Das Bündnis entstand nach eigenen Angaben in England und machte erstmals im Oktober 2018 mit Aktionen auf sich aufmerksam. Im April 2019 kam es in London zu tagelangen Straßen- und Brückenblockaden in der Londoner Innenstadt. Mittlerweile sind die Aktivisten in mehr als 50 Ländern weltweit aktiv. In Deutschland gibt es rund 100 Ortsgruppen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Oktober 2019 um 12:00 Uhr.