Ein ausgebranntes Auto in den Straßen Londonderrys | Bildquelle: AP

Anschlag in Nordirland Polizei verdächtigt "New IRA"

Stand: 20.01.2019 15:22 Uhr

Die Polizei vermutet Mitglieder der militanten Untergrundorganisation "New IRA" hinter der Explosion einer Autobombe in Nordirland. Vier junge Männer wurden festgenommen.

Der Autobombenanschlag im nordirischen Londonderry geht nach Einschätzung der Polizei vermutlich auf das Konto einer Splittergruppe der militanten Untergrundorganisation IRA. Die Ermittlungen richteten sich in erster Linie gegen die sogenannte "New IRA", sagte der stellvertretende Polizeichef Mark Hamilton. Vier Männer um die 20 Jahre seien festgenommen worden.

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Die Explosion ereignete sich am Samstagabend vor einem Gerichtsgebäude im Zentrum der zweitgrößten Stadt Nordirlands. Die Polizei veröffentlichte auf Twitter ein Foto, das die Explosion im Stadtzentrum von Londonderry zeigt. Nach Behördenangaben wurde aber niemand verletzt.

Hamilton sagte, er sehe in dem Anschlag keine Eskalation. Allerdings fällt dieser in eine Phase, in der vor einem möglichen Wiederaufflammen des Nordirland-Konflikts gewarnt wird, sollte im Zuge des Brexit wieder eine harte Grenze zwischen dem zu Großbritannien gehörenden Nordirland und dem EU-Mitglied Irland eingerichtet werden.

Politiker sprechen von Terrorakt

Politiker aller Parteien verurteilten den Vorfall. Die ehemalige Regierungschefin der Provinz Nordirland, Arlene Foster, sprach von einem "sinnlosen Terrorakt". Die Leidtragenden seien die Bewohner der Stadt, so die Vorsitzende der ultrakonservativen protestantischen Democratic Unionist Party (DUP). Es sei der schnellen Reaktion der Einsatzkräfte zu verdanken, dass es keine Toten oder Verletzten gegeben habe.

Auch die Abgeordnete Elisha McCallion, die für die katholisch-republikanische Sinn Fein im britischen Parlament sitzt, verurteilte den Vorfall. Dieser habe die Bevölkerung der Stadt "schockiert", sagte die Politikerin aus Londonderry. Londonderry sei eine Stadt, die Fortschritte mache, und niemand wolle solche Vorfälle.

Irlands Außenminister Simon Coveney ging ebenfalls von einem "terroristischen Autobombenanschlag" aus. Er verurteile den Vorfall "auf das Schärfste". Coveney, der auch Vize-Premierminister ist, sagte zudem: "Es gibt keinen Platz und keine Rechtfertigung für solche Terrorakte, mit denen Nordirland wieder in Gewalt und Konflikte hinabgezogen werden soll."

Londonderrys Polizeichef Marc Hamilton gibt ein Intervew | Bildquelle: AFP
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Der stellvertretende Polizeichef Mark Hamiltom sieht in dem Anschlag keine Eskalation.

"New IRA" lehnt Friedensabkommen ab

Während des jahrzehntelangen blutigen Nordirland-Konflikts hatten Autobomben viele Menschen in den Tod gerissen. Irisch-katholische Nationalisten und protestantische Loyalisten hatten sich ab den 60er-Jahren bekämpft. 3500 Menschen starben. 1998 endete der Nordirland-Konflikt durch das Karfreitagsabkommen. Es sichert unter anderem eine Aufteilung der Macht zwischen Protestanten und Katholiken zu.

Die "New IRA" lehnte das Karfreitagsabkommen allerdings ab. Die Gruppe verübte in den vergangenen Jahren immer wieder sporadisch Anschläge.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Januar 2019 um 15:00 Uhr.

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