Rettungskräfte bringen Menschen in ein Krankenhaus in Kabul. | AFP

Explosionen in Kabul Mehrere Tote nach Anschlag vor Flughafen

Stand: 26.08.2021 21:20 Uhr

Bei einem Anschlag vor dem Flughafen in Kabul inmitten von dort wartenden Menschen hat es mehrere Tote gegeben - darunter auch zwölf US-Soldaten. Offenbar löste ein Selbstmordattentäter die Explosion aus. Eine zweite Explosion ereignete sich vor einem Hotel in der Nähe.

Kurz vor dem Ende der internationalen Evakuierungsmission in Afghanistan hat sich die Lage in Kabul dramatisch zugespitzt: An einem der Flughafentore gab es eine Explosion und Schusswechsel - ausgelöst offenbar durch einen Selbstmordattentäter. Das US-Verteidigungsministerium sprach von einem "komplexen Angriff". Wie viele Menschen insgesamt getötet wurden, ist unklar. Das russische Außenministerium sowie ein Sprecher der radikalislamischen Taliban sprachen von mindestens 13 Toten, darunter auch Kinder. Andere Quellen, etwa die Nichtregierungsorganisation Emergency, sprachen von mindestens sechs Toten. Zahlreiche Menschen wurden verletzt.

Bestätigt sind bislang die Opfer unter den US-Soldaten: US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando CENTCOM führt, teilte mit, zwölf US-Soldaten seien getötet worden. Pentagon-Sprecher John Kirby bestätigte zudem, dass es zu einer weiteren Explosion in einem nahe gelegenen Hotel gekommen sei. Dort werden britische Bürger und gefährdete Afghaninnen und Afghanen auf ihre Evakuierung nach Großbritannien vorbereitet.

Der afghanische Journalist Bilal Sarwari schrieb auf Twitter, ein Selbstmordattentäter habe sich in einer großen Menschenmenge an einem der Flughafentore in die Luft gesprengt. Mindestens ein weiterer Angreifer habe danach das Feuer eröffnet. Sarwari berief sich auf mehrere Augenzeugen in dem Gebiet.

Nach der Explosion hätten US-Soldaten an einem anderen Flughafengate Tränengas eingesetzt, um die Menschen auseinanderzutreiben, sagte ein Bewohner Kabuls, der an diesem Gate war. Er schätzte, zu dem Zeitpunkt hätten dort 2000 bis 4000 Menschen gestanden. Mehrere Frauen und Mädchen seien durch das Tränengas verletzt worden.

Bundeswehr nicht involviert

Nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr sind keine Einsatzkräfte der Bundeswehr betroffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einem "absolut niederträchtigen Anschlag". Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer verurteilte die Attacke und sprach den Familien der Opfer ihre Anteilnahme aus.

Warnungen vor Anschlägen

Hinter dem Anschlag wurde der afghanische Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" vermutet, der unabhängig von den Taliban agiert und für eine noch extremere Auslegung des Islam eintritt. In den vergangenen Tagen hatte es zunehmend Warnungen vor Terroranschlägen des IS rund um den Flughafen in Kabul gegeben. Die US-Botschaft hatte US-Bürger, die sich am Abbey Gate, East Gate oder North Gate aufhielten, in der Nacht zu Donnerstag dazu aufgerufen, das Gebiet "sofort" zu verlassen. Großbritanniens Staatssekretär im Verteidigungsministerium, James Heappey, sprach noch am Morgen von der Drohung eines "ernsthaften, unmittelbaren, tödlichen Angriffs" binnen Stunden auf den Flughafen oder die von westlichen Truppen genutzten Zentren.

Deutscher Einsatz beendet

Dennoch drängten sich Tausende Menschen trotz aller Warnungen an den Toren und versuchten, in eine der mutmaßlich letzten Maschinen zu gelangen. Viele westliche Staaten haben ihren Evakuierungseinsatz inzwischen beendet - auch die Bundeswehr. Am Abend (Ortszeit) starteten die letzten Maschinen mit dem Ziel Taschkent in Usbekistan. Kramp-Karrenbauer sagte, auch alle beteiligten Bundeswehrsoldaten, Mitarbeiter des Auswärtigen Amts sowie Bundespolizisten hätten Afghanistan verlassen.

Seit der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban vor rund zwei Wochen hat die Bundeswehr nach Angaben der Verteidigungsministerin 5347 Menschen aus 45 Nationen aus Kabul evakuiert - darunter etwa 5000 Afghaninnen und Afghanen.

Die US-Streitkräfte flogen bis gestern rund 13.400 Personen aus Afghanistan aus. Damit steigt die Zahl der von den USA und ihren Alliierten seit dem 14. August evakuierten Menschen auf rund 95.700, teilt die US-Regierung mit. Den noch in Kabul ausharrenden Menschen - darunter Tausende Ortskräfte, die für die Bundeswehr gearbeitet haben - läuft jedoch die Zeit davon. Am 31. August ist der US-Truppenabzug aus Kabul beendet. Ohne die US-Unterstützung ist eine Fortsetzung der Evakuierungsflüge aber undenkbar.

Bundesaußenminister Heiko Maas sagte, die Bundesregierung plane schon länger für die Zeit nach der Luftbrücke. Sie arbeite mit Hochdruck daran, Ausreisemöglichkeiten für die noch verbliebenen Ortskräfte und besonders gefährdeten Afghaninnen und Afghanen zu schaffen. Er werde in den kommenden Tagen in die Region reisen, unter anderem in die Türkei, nach Usbekistan und Pakistan. Dabei solle sichergestellt werden, dass die Menschen schnell und sicher von der Grenze zu den deutschen Botschaften in Afghanistans Nachbarländern gelangen können.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. August 2021 um 17:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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weingasi1 26.08.2021 • 21:51 Uhr

Am 26. August 2021 um 21:35 von MargaretaK.

. Sie wissen offenbar sehr viel. So hätten Sie aber auch wissen können, dass ein Burnus in nordafrikanischen Ländern getragen wird. In Afghanistan, Pakistan, Indien und Bangladesch trägt Mann/Frau Shalwar Kamiz. Das ist eine lockere Hose und ein langes Hemd. Den Mantel, den z.B. Herr Karzai trägt, nennt sich Chapan. __ Heute wieder etwas gelernt. Danke