Ein Foto zeigt Shamima Begum | AFP

Ehemalige IS-Anhängerin In Großbritannien unerwünscht

Stand: 26.02.2021 15:44 Uhr

Der Oberste Gerichtshof in London hat endgültig entschieden: Eine ehemalige IS-Anhängerin darf nicht nach Großbritannien zurück. Als 15-Jährige war Shamima Begum nach Syrien gereist. 2019 wollte sie zurück.

Eine ehemalige Anhängerin der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) darf aus Syrien nicht wieder nach Großbritannien einreisen, um den Entzug ihrer Staatsbürgerschaft dort anzufechten. Das entschied das Oberste Gericht in Großbritannien, der Supreme Court.

Auch einen Antrag, ihr die britische Staatsbürgerschaft direkt wieder zu verleihen, lehnten die Richter ab. Das Urteil gilt als wegweisend für viele ähnliche Fälle.

Shamima Begum war 2015 als 15-Jährige mit zwei weiteren Schülerinnen aus London nach Syrien in die damalige IS-Hochburg Al-Rakka gereist und hatte dort einen Dschihadisten geheiratet. Im Jahr 2019 bat sie von einem syrischen Flüchtlingslager aus darum, wieder nach Großbritannien zurückkehren zu dürfen.

Fall löste politische Debatte aus

Die junge Frau war damals hochschwanger. Sie hoffte, ihr Baby werde in Großbritannien größere Überlebenschancen haben, argumentierte die heute 21-Jährige. Zwei Kinder Begums waren nach ihren eigenen Angaben bereits gestorben.

Der damalige Innenminister Sajid Javid entschied jedoch, ihr die Staatsbürgerschaft unter Berufung auf Sicherheitsgründe zu entziehen. Staatenlos werde sie dadurch nicht, argumentierte die Regierung, weil sie Anspruch auf die Staatsbürgerschaft Bangladeschs habe, das Land in dem ihre Eltern geboren worden waren.

Der Fall wurde in Großbritannien kontrovers diskutiert. Vor allem nachdem bekannt wurde, dass auch das dritte Kind der jungen Frau starb. Begum selbst war in Großbritannien geboren worden und hatte die britische Staatsbürgerschaft von Geburt an - in Bangladesch hatte sie nie gelebt.

Anwälte: Kein Zugang zu einem Telefon

Die Frage in der Debatte war auch: Sind ihre Entschuldigungen, die sie vor über zwei Jahren in Interviews geäußert hatte, glaubwürdig oder ist die junge Frau weiterhin eine Anhängerin der Terrormiliz Islamischer Staat?

Ihren Anwälten zufolge hat Begum von Syrien aus keine Möglichkeit, von ihrem Einspruchsrecht Gebrauch zu machen. Sie habe beispielsweise keinen Zugang zu einem Telefon. Sie ist derzeit Gefangene in einem Lager in Syrien, in dem nach UN-Angaben unmenschliche Bedingungen herrschen.

Die Regierung argumentierte dagegen, ihre Rückkehr stelle eine Gefahr für die Allgemeinheit dar und das wiege schwerer als ihr Recht auf Anfechtung des Entzugs der Staatsbürgerschaft. Das Oberste Gericht schloss sich dieser Argumentation nun an.

Mit Informationen von ARD-Korrespondent Udo Schmidt

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Februar 2019 um 05:05 Uhr in der Sendung Information am Morgen.