Ein Obdachloser nimmt in Berlin einen Teller Suppe entgegen. | Bildquelle: dpa

Eurostat-Erhebung Jeder Fünfte in EU von Armut bedroht

Stand: 16.10.2018 16:20 Uhr

Zwar geht das Armutsrisiko in der EU insgesamt leicht zurück - doch noch immer ist jeder Fünfte von Existenzsorgen bedroht. Gestiegen ist das Risiko laut einer EU-Statistik vor allem in Griechenland und Italien.

Im Jahr 2017 sind 22,5 Prozent aller EU-Bürger von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht gewesen. Das geht aus aktuellen Daten hervor, die das europäische Statistikamt Eurostat veröffentlichte. Europaweit ist seit 2008 demnach ein leichter Rückgang des Armutsrisikos zu beobachten.

Es gibt jedoch deutliche regionale Unterschiede. In Deutschland waren 2017 rund 15,5 Millionen Menschen und somit fast jeder fünfte Einwohner von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Damit liegt das Armutsrisiko mit 19 Prozent knapp unter dem EU-Durchschnitt.

Seit 2008 hat sich die Lage damit leicht gebessert. Damals waren in Deutschland noch 20,1 Prozent der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, in der gesamten EU 23,7 Prozent.

Italien am stärksten von Armut bedroht

In Bulgarien, Rumänien und Griechenland war 2017 laut Eurostat mehr als ein Drittel der Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Für Bulgarien und Rumänien bedeutet dies im Vergleich zu 2008 eine deutliche Verbesserung, während Griechenland den europaweit höchsten Anstieg des Armutsrisikos verzeichnete.

Merkliche Anstiege des Armutsrisikos gab es laut Eurostat neben Griechenland auch in Italien, Luxemburg, Spanien und den Niederlanden. In Italien waren in 2017 demnach 17,4 Millionen Menschen von Armut oder Ausgrenzung bedroht - mehr als in jedem anderen EU-Land.

Flaggen der EU und Italiens | Bildquelle: picture alliance / John Heeneman
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In Italien sind mehr Menschen als in jedem anderen EU-Land von Armut und Ausgrenzung bedroht.

Lage in Polen verbesserte sich

Am wenigsten bedroht sind die Menschen in Tschechien (12,2 Prozent), Finnland (15,7 Prozent) und der Slowakei (16,3 Prozent). Am meisten gebessert hat sich die Lage in Polen, wo sich der Anteil von knapp über 30 Prozent in 2008 auf knapp unter 20 Prozent in 2017 verringerte.

Die Gefahr von Armut oder sozialer Ausgrenzung wird in der Auswertung anhand von drei Kriterien bestimmt. Von Armut bedroht gelten demnach Menschen, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen müssen. Hinzu kommen Haushalte, die von materieller Entbehrung betroffen sind. Der dritte Faktor ist Arbeitslosigkeit beziehungsweise eine sehr geringe Erwerbsintensität.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Oktober 2018 um 10:00 Uhr und 11:00 Uhr in den Nachrichten.

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