Zypern-Gespräche in Genf | EPA

Konflikt auf Mittelmeerinsel Zypern-Gespräche erneut gescheitert

Stand: 29.04.2021 19:06 Uhr

Für Zypern ist weiter keine politische Lösung in Sicht. Die Gespräche über eine Wiedervereinigung der geteilten Mittelmeerinsel seien erneut gescheitert, sagte UN-Generalsekretär Guterres. Aufgeben will er aber nicht.

Von Kathrin Hondl, ARD-Studio Zürich

"Es war kein einfaches Meeting", sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres - und im Klartext heißt das: Die Gespräche sind wieder einmal gescheitert. Seit Dienstag hatten in Genf die politischen Führer der griechisch- und türkischsprachigen Zyprer und Vertreter der drei Garantiemächte Türkei, Griechenland und Großbritannien mit Guterres getagt.

Kathrin Hondl

"Die Wahrheit ist, am Ende unserer Bemühungen haben wir noch keine ausreichende gemeinsame Basis gefunden, um wieder formelle Verhandlungen für die Lösung des Zypern-Problems aufzunehmen", sagte Guterres.

Denn die Vorstellungen von der Zukunft Zyperns liegen zu weit auseinander. Die türkischsprachigen Zyprer und die Türkei wollen eine Zwei-Staaten-Lösung für die geteilte Insel. Eine Wiedervereinigung, wie sie Resolutionen des Weltsicherheitsrats fordern, wäre damit ausgeschlossen.

Die Vertreter des griechischsprachigen Teils sehen eine Föderation mit zwei Bundesstaaten und starker Zentralregierung als Lösung. Das war auch das Ziel früherer UN-Resolutionen.

"Zyprer haben Frieden verdient"

Seine Agenda sei sehr einfach, sagte Guterres in Genf. "Es geht ausschließlich darum, für die Sicherheit und das Wohlergehen der Zyprer zu kämpfen, der griechischen und der türkischen Zyprer. Sie verdienen es, in Frieden und Wohlstand zusammen zu leben."

Zypern ist seit 1974 geteilt. Damals wurde der nördliche Teil der Mittelmeerinsel von der Türkei besetzt. Zwischen den beiden Teilen Zyperns gibt es eine Pufferzone, die von UN-Friedenstruppen überwacht wird. Nordzypern wird als Staat nur von der Türkei anerkannt. Die EU nahm ganz Zypern 2004 als Mitglied auf. EU-Recht gilt aber - solange es keine einvernehmliche Lösung gibt - nur im Süden.

Neue Gespräche bereits geplant

Schon vor vier Jahren waren Friedensgespräche unter der Schirmherrschaft der UNO gescheitert. Doch er gebe nicht auf, versicherte Guterres. Man hat sich darauf geeinigt, "dass ich in naher Zukunft ein weiteres Treffen der fünf Parteien und der Vereinten Nationen einberufen werde - wieder mit dem Ziel, uns in Richtung einer gemeinsamen Basis zu bewegen, damit formelle Verhandlungen beginnen können".

Bereits in den kommenden zwei bis drei Monaten sei dieser neue Anlauf geplant, sagte er und gab sich dabei Mühe, Zuversicht zu verbreiten: "Die Quadratur des Kreises", so der UN-Generalsekretär, "ist in der Geometrie unmöglich, in der Politik aber sehr verbreitet."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in der Sendung "Informationen am Abend" am 29. April 2021 um 18:26 Uhr.