In Nikosia auf Zypern sitzen Menschen in einem Café. | EPA

Zypern berät Konsequenzen Das Zittern der russischen Oligarchen

Stand: 03.03.2022 12:53 Uhr

Auf Zypern leben rund 40.000 Russen - einige von ihnen pflegen Verbindungen zum russischen Präsidenten Putin. Droht ihnen jetzt die Ausweisung? Der Ukraine-Krieg stellt die Regierung nicht nur deswegen vor große Herausforderungen.

Von Isabel Gotovac, ARD-Studio Istanbul

Auf Russisch begrüßt der Moderator der 105,7 seine Zuhörer am Radio - nein, wir sind nicht irgendwo in Russland. Wir sind auf Zypern. Hier im Süden des Inselstaats, in Limassol, ist die russische Präsenz nicht zu überhören - und nicht zu übersehen. Es gibt russische Lebensmittelgeschäfte, russische Schulen, Zeitungen und eben auch russische Radiosender.

Der Inselstaat ist zur zweiten Heimat vieler aus Russland geworden. Die meisten der rund 40.000 Russinnen und Russen auf Zypern leben hier in der Hafenstadt - inzwischen wird die Stadt auch Limassolgrad genannt. Ihren Aufenthalt haben sie sich durch einen "Goldenen Pass" gesichert.

Staatsbürgerschaft für Millioneninvestition

Für die Regierung in Nikosia waren die "Goldenen Pässe" lange ein lukratives Geschäft: Wer zweieinhalb Millionen Euro investierte - etwa in eine Luxusimmobilie - bekam die Staatsbürgerschaft gratis dazu. Nach einem Korruptionsskandal wurde das Programm vor zwei Jahren eingestellt. Im Internet finden sich noch immer Werbespots dazu:

Frei Leben und Arbeiten in jedem EU-Land, ein Weltbürger werden und ohne ein Visum - in 158 Länder der Welt reisen, um kultiviert Geschäfte in Europa zu machen und von Steuervorteilen zu profitieren, um Bildung an europäischen Universitäten zu Vorzugskonditionen zu erlangen - das alles ist für Sie möglich - innerhalb eines halben Jahres. Willkommen auf Zypern!

Zypern muss seitdem auf diesen gewinnbringenden Wirtschaftszweig verzichten. Geblieben ist das Geld derer, die sich zuvor auf der Insel niederlassen konnten: Fast fünf Prozent der Bewohner des Inselstaates sind aus Russland, darunter sollen auch einige gute Verbindungen zum russischen Präsidenten Putin pflegen.

Einer der zyprischen Russen ist Viktor Vekselberg. Er steht auf einer Sanktionsliste der USA. Sein Unternehmen ist größter Aktionär der Bank of Cyprus. Ein weiterer prominenter eingebürgerter Zyprer mit engen Kreml-Verbindungen ist der russische Industrielle Alexander Ponomarenko. Sollte Russen wie ihnen in einem weiteren Schritt der zyprische Pass entzogen werden, könnte es für die Regierung in Nikosia unangenehm werden.

Luftraum geschlossen - Probleme für Tourismusbranche

Russlands Krieg gegen die Ukraine bringt Zypern zunehmend in eine schwierige Lage. Der Luftraum über der Insel ist für russische Flugzeuge gesperrt. Wenn es länger bei der Sperre bleibt, stehen auch der zyprischen Tourismusbranche schwierige Tage bevor. Filokypros Rousounidis, Chef des zyprischen Hotelverbands, erklärt:

Russland ist tatsächlich unser zweitgrößter Markt, auch die Ukraine war ein vielversprechender Markt, der nennenswerte Summen in unser Land gebracht hatte.

Wie hart eine mögliche Tourismusflaute den Inselstaat treffen könnte, weiß auch Finanzminister Konstantinos Petridis zu prognostizieren:

“Russland macht 25 Prozent des Tourismus auf Zypern aus. Und wenn wir davon ausgehen, das alles zu verlieren, dann wird uns das bis zu zwei Prozent unseres Brutto-Inlandsprodukts kosten.

Dies sagte Petridis Zyperns der größten Tageszeitung "Fileleftheros" wenige Tage nach der Verhängung der Sanktionen gegen Russland - und trotzdem hatte sich Zypern den Beschlüssen der EU angeschlossen.

Ein Ladenbesitzer klagt:

“Wir sind sehr besorgt. Nicht nur wegen des Kriegs, sondern auch ökonomisch. Die Touristen aus Russland und der Ukraine werden nicht nach Zypern kommen, die sind weg... Wir hier in Nikosia sind ein für alle Mal fertig. Es ist ausgeschlossen, dass wir wieder auf die Beine kommen werden. Die Touristen sind weg - dieser Krieg hat uns den Rest gegeben.

Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades muss jetzt schauen, wie weit er die Sanktionen der EU gegen Russland mitträgt, denn dann müssten in einem nächsten Schritt auch die Bankkonten seiner russischen Neu-Bürger durchleuchtet werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. März 2022 um 06:50 Uhr.