Rasenaustausch im Stade Pierre Mauroy | AP

Fußball-WM 2022 Kein Rasen für Katar

Stand: 12.03.2021 16:50 Uhr

Die niederländische Gärtnerei Hendriks Graszoden boykottiert die WM in Katar. Eigentlich hätte das Unternehmen den Rasen für die Stadien liefern sollen. Wegen Tausender toter Arbeiter lehnte die Firma den Auftrag aber ab.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Studio Den Haag

Dem regionalen Nachrichtensender "1Limburg" war die Nachricht einen Aufmacher wert. Der Rasen-Produzent Hendriks Graszoden aus dem grenznahen Heythuysen wird - anders als geplant - keinen Rasen für die WM-Stadien in Katar liefern. Die Entscheidung traf das Unternehmen, nachdem die britische Zeitung "The Guardian" Ende Februar berichtet hatte, dass beim Bau der Stadien in den vergangenen zehn Jahren etwa 6.500 Arbeiter ums Leben gekommen waren.

Ludger Kazmierczak ARD-Studio Den Haag

Wenigstens einer, der die WM boykottiert, sagt der Sportjournalist und Ex-Fußballprofi Johan Derksen. Dass die Fußballweltmeisterschaft 2022 im Wüstensstaat am Persischen Golf stattfindet, hält er ohnehin für einen Skandal. "Wenn ich zu einem Fest muss, bei dem 6.500 Menschen ums Leben gekommen sind, dann gehe ich da nicht hin", sagt Derksen. "Und ich bin sehr gespannt, ob nicht irgendein Fußballer endlich mal sagt: Mit mir nicht, ich fahre da nicht hin. Dann erschrecken sie sich da zu Tode."

Bislang hat weder ein Profi, noch eine Nationalmannschaft, geschweige denn ein nationaler Verband seine Zusage für die Weltmeisterschaft zurückgezogen. Doch je näher die WM rückt, desto größer wird der Druck - auch auf die Politik. So hat das niederländische Außenhandelsministerium eine für Ende dieses Monats geplante Reise großer Unternehmen nach Katar kurzfristig abgesagt. Und bereits im Februar hatte das Parlament entschieden, dass der König und der Ministerpräsident dem Turnier fernbleiben sollen.

"Ein Betrieb mit Rückgrat"

Dass nun der renommierte Rasen-Produzent aus der Nähe von Roermond ein Zeichen setzt, lässt aufhorchen. Die Entscheidung, den WM-Auftrag zurückzugeben, begründete Hendriks in einem kurzen Presse-Statement. "Wir haben gesehen, was da vor sich geht", heißt es darin. Und weiter: "Wir wussten, dass bei den Arbeiten Menschen ums Leben gekommen sind, aber die Zahl von 6.500 hat uns enorm erschrocken."

In den sozialen Medien überschlagen sich die Kommentatoren mit Lob und Zustimmung für den Familienbetrieb, der auch für Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland und für die vergangenen drei Europameisterschaften den Rasen geliefert hat. "Ein Betrieb für Gras und mit Rückgrat!", heißt es bei Twitter unter anderem. Oder: "Applaus für Hendriks, für die Geld nicht das einzige ist, was zählt!" Ein weiter Nutzer schreibt: "Chapeau, Hendriks! Eine Firma mit gutem moralischen Kompass!"

Es ist gute PR für die Firma. Sie mag gerade auf einen lukrativen Auftrag verzichtet haben. Aber die Symbolkraft dieser Entscheidung dürfte vielleicht für reichlich neue Anfragen sorgen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. März 2021 um 22:52 Uhr.