Das Logo der WHO am Hauptsitz der Organisation in Genf. | AFP

Kampf gegen Corona-Pandemie WHO prangert Impfkampagne der EU an

Stand: 01.04.2021 11:31 Uhr

Die meisten Länder der Europäischen Union haben die Impfziele der EU-Kommission verfehlt. Der WHO passt das gar nicht. Sie prangert die europäische Impfkampagne als "inakzeptabel langsam" an.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Corona-Impfkampagne in Europa als "inakzeptabel langsam" angeprangert. "Impfstoffe sind gegenwärtig unser bester Weg, um aus dieser Pandemie herauszukommen", betonte WHO-Europa-Direktor Hans Kluge. Die langsame Verteilung der Vakzine in Europa führe zu einer "Verlängerung" der Pandemie. 

Die Impfstoff-Verteilung müsse durch eine Ankurbelung der Produktion und den Abbau bürokratischer Hürden beschleunigt werden, forderte Kluge. "Jede einzelne Ampulle, die wir vorrätig haben, muss genutzt werden - jetzt." Die Infektionslage in Europa bezeichnete die WHO als so besorgniserregend wie seit Monaten nicht mehr.

Zahl der Todesfälle bewegt sich auf die Million zu

Während die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen in Europa vor vier Wochen noch bei weniger als einer Million gelegen habe, habe dieser Wert in der vergangenen Woche bereits bei 1,6 Millionen gelegen. Die Zahl der Todesfälle durch das Coronavirus in Europa "bewegt sich schnell auf die Million zu", warnte die Organisation. Die Zahl der in der Region registrierten Corona-Infektionen werde bald die 45-Millionen-Marke überschreiten. 

Die WHO-Notfallkoordinatorin für Europa, Dorit Nitzan, warnte vor der Entstehung neuer Mutanten, sollte die Geschwindigkeit, in der sich das Coronavirus derzeit ausbreite, nicht gedrosselt werden. "Die Wahrscheinlichkeit neuer besorgniserregender Varianten steigt mit der Rate, in der das Virus sich repliziert und ausbreitet", erklärte sie. "Entscheidend" sei deshalb, die Virusübertragung "durch grundlegende Maßnahmen zur Krankheitskontrolle einzudämmen". Die Europa-Direktion der WHO ist für 53 Staaten zuständig, darunter auch für Russland und mehrere ehemalige Sowjetnationen in Zentralasien.

EU verfehlt Impfziele deutlich

Die EU-Kommission hatte sich zum Ziel gesetzt, dass die Mitgliedsstaaten bis März mindestens 80 Prozent des Personals in Gesundheits- und Sozialberufen und der über 80-Jährigen geimpft haben sollen. Dieses Ziel haben Deutschland und viele andere Länder teilweise deutlich verfehlt.

Wie das RKI auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mitteilte, lag der Wert für die Erstimpfung bei Menschen über 80 Jahre in Deutschland zwischen 59 Prozent für die Region Nordrhein in Nordrhein-Westfalen und 79,5 Prozent für Schleswig-Holstein. Vollständig mit zwei Impfdosen geschützt sind in dieser Gruppe noch viel weniger Menschen - zwischen 26 Prozent in Schleswig-Holstein und 47 Prozent in Niedersachsen. Eine bundesweite Impfquote gebe es bei dieser Altersgruppe nicht, da die Daten nur aus neun Bundesländern vorlägen, hieß es.

Impfquote im Gesundheitsbereich nicht erreicht

Auch in andern EU-Ländern wurde die angepeilte Quote nach Angaben der Gesundheitsbehörde ECDC bei weitem nicht erreicht. Demnach haben bis Ende März EU-weit knapp 60 Prozent der über 80-Jährigen die erste Impfdosis bekommen. Mit Blick auf den gesamten Impfschutz mit zwei Spritzen wurde das EU-Ziel den Daten zufolge in keinem Mitgliedsland erreicht. Vollständig geimpft wurde nur jeder Dritte.

Vom Personal in Gesundheitsberufen wurden im Schnitt 61 Prozent zumindest einmal geimpft. Allerdings werden diese Daten nur von 13 EU-Staaten ans ECDC gemeldet. Die EU-Behörde betonte, dass die Daten der aktuellen Woche stets mit Vorsicht zu betrachten seien und nachträglich noch verändert werden könnten. Auch dem RKI liegen für Deutschland keine Daten für das Personal in Gesundheits- und Sozialberufen vor.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. April 2021 um 11:50 Uhr.