Traktor pflügt in Kalifornien ein Feld um, das wegen Wassermangels nicht bestellt werden kann | AP
Hintergrund

Neuer Bericht des Weltklimarats Die Prognose wird nicht schöner, aber genauer

Stand: 26.07.2021 06:41 Uhr

Heute beginnt der Weltklimarat IPCC mit der abschließenden Sitzung zum neuen Sachstandsbericht. Vertreter aus fast 200 Staaten fassen gemeinsam mit Wissenschaftlern den Stand der Forschung zusammen.

Von Werner Eckert, SWR

Die Berichte des Weltklimarats sind wie Brühwürfel: Man kann sie pur nicht essen, aber es werden viele Suppen draus gekocht. Alle paar Jahre fasst der IPCC den aktuellen Stand der Wissenschaft zusammen. 230 führende Forscher sind für den aktuellen Band Hauptautoren - und ihr erster Entwurf wird von der gesamten wissenschaftlichen Welt mit Anmerkungen versehen und in mehreren Runden überarbeitet.

Werner Eckert

Die Arbeitsgruppe I, die in den kommenden beiden Wochen ihre Arbeit abschließt, beschäftigt sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen. Was wissen wir, wo steht der Klimawandel und wo führt das noch hin in diesem Jahrhundert? Die banalsten Antworten sind schon länger klar: Der Klimawandel ist da. In Deutschland misst der Deutsche Wetterdienst 1,6 Grad über der vorindustriellen Zeit.

Eine Kurzfassung für Politiker

Er ist menschengemacht - alle natürlichen Schwankungen können diesen Effekt nicht erklären - und er führt uns, wenn es so weitergeht, global in Richtung drei Grad Temperaturerhöhung. Der IPCC schafft kein neues Wissen, er fasst bestehendes zusammen und kommentiert die Zusammenschau. Die Details füllen Tausende Seiten. Diese wissenschaftliche Fassung des Berichts ist bereits fertig und wird auch nicht mehr angetastet.

Aber für die praktische Politik ist das zu kompliziert. Die Politiker wollen klar verständliche Grundlagen für ihre Entscheidungen. Deshalb haben sie den Klimarat 1988 als zwischenstaatliche Vereinigung gegründet. Und deshalb wird jetzt noch aus diesem wissenschaftlichen Werk die "Summary for the Policymakers" - die Zusammenfassung für die Politiker gemacht.

Der Weltklimarat IPCC

Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) wurde 1988 von der UN-Umweltorganisation (Unep) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gegründet. Seine Aufgabe ist, die Politik neutral über wissenschaftliche Erkenntnisse zur Klimaveränderung und über mögliche Gegenmaßnahmen zu informieren. Dem IPCC gehören 195 Staaten an.

Auch wenn der IPCC die meiste Zeit still vor sich hin arbeitet, um aus einer Vielzahl von Studien und Statistiken die neuesten Erkenntnisse zum Klimawandel zusammenzutragen, gibt er mit seinen Berichten immer wieder wichtige Impulse in der Klima-Debatte. Die IPCC-Berichte werden von tausenden Wissenschaftlern zusammengestellt, darunter neben Klima- und Meeresforschern auch Statistiker, Ökonomen und Gesundheitsexperten. Der IPCC betreibt keine eigene Forschung zum Klimawandel, sondern wertet tausende Studien aus und fasst die zentralen Erkenntnisse daraus zusammen. Die verwendeten Studien haben im Regelfall das sogenannte Peer-Review-Verfahren durchlaufen - sind also von anderen Wissenschaftlern begutachtet worden.
 
Der Weltklimarat setzt sich aus drei Arbeitsgruppen zusammen: Eine legt die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel dar, die zweite beleuchtet die Folgen der Erderwärmung und die dritte zeigt Handlungsoptionen auf. Seine umfassenden Überblicke über den aktuellen Stand der Klimaforschung veröffentlicht der IPCC alle fünf bis sechs Jahre.

Bisherige Berichte bewahrheiteten sich

Und weil der Weltklimarat eben so auf der Kante zwischen Wissenschaft und Politik angesiedelt ist, wird diese Kurzfassung von beiden Gruppen gemeinsam gemacht. Die Wissenschaftler schlagen vor, die Regierungsvertreter fragen nach und regen an. Der Einfluss von staatlichen Interessen ist in diesem Punkt unstrittig - aber er ist via Internet mittlerweile auch öffentlich nachvollziehbar. Wer will, kann im Nachgang genau sehen, warum was geändert wurde.

Auch wenn viele Botschaften aus diesen Berichten wohlvertraut - oder schlicht "alt" - klingen: Die Daten dahinter werden immer genauer. Und: Bislang sind die Prognosen dadurch nicht schöner geworden. Eine Tatsache, die nicht gegen den Weltklimarat spricht - eher gegen die, die ihn berufen haben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Juni 2021 um 16:50 Uhr.