Auf dem Arktischen Ozean am Nordpol schwimmen Eisplatten | dpa

Menschengemachter Klimawandel "Beweislage erdrückend"

Stand: 09.08.2021 04:08 Uhr

2013 haben Forschende zuletzt den wissenschaftlichen Stand beim Klimawandel für den Weltklimarat zusammengefasst. Seitdem ist vieles klarer geworden: unter anderem die Rolle des Menschen. Heute legt der Weltklimarat einen neuen Bericht vor.

Der Weltklimarat will am Vormittag neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Menschen gemachten Klimaerwärmung vorlegen. Der Bericht soll klarer als je zuvor aufzeigen, wie genau sich der Treibhausgasausstoß auf den Temperaturanstieg auswirkt.

234 Expertinnen und Experten aus 66 Ländern haben alle Erkenntnisse zum Klimawandel aus Studien gesichtet und bewertet, die seit dem letzten Bericht 2013 erschienen sind. Sie zeigen unter anderem die Gefahr von mehr Extremereignissen auf, wie etwa die jüngsten Hitzeperioden in Griechenland und der Türkei oder die Überschwemmungen in Deutschland. Die Forschenden äußern sich auch zur Gletscher- und Poleisschmelze und zum Anstieg des Meeresspiegels.

Schärfere Maßnahmen gefordert

Der Weltklimarat (IPCC) legt nun eine Zusammenfassung der Erkenntnisse für politische Entscheidungsträger vor, die von den 195 Mitgliedsländern abgesegnet worden ist. Das ist eine Grundlage für die geplante Weltklimakonferenz Anfang November in Glasgow. "Wir erwarten, dass der neue Bericht des Weltklimarates auch die allerletzten Zweifel ausräumt, dass der Mensch Hauptverursacher des Klimawandels seit Beginn der Industrialisierung ist", sagte Forschungsministerin Anja Karliczek der Deutschen Presse-Agentur.

Die Menschen müssten sich dem Klimawandel "noch entschiedener entgegenzustellen". Sie schließt nicht aus, dass der CO2-Preis für Emissionen heraufgesetzt wird. Das würde unter anderem Benzin und Diesel verteuern. Auch der Flugverkehr im Inland könnte womöglich zu Gunsten anderer öffentlicher Verkehrsmittel zurückgefahren werden.

"Risiko für Extreme steigt"

Klar sei bereits, dass mit zunehmender Erwärmung die Anzahl und Intensität von Extremereignissen steige, sagte Astrid Kiendler-Scharr, Leiterin des Instituts für Energie- und Klimaforschung am Forschungszentrum Jülich, der "dpa". Die Anzahl heißer Tage sei in Deutschland seit 1951 um fast 200 Prozent gestiegen, ebenso die Anzahl der Tage mit Starkregen. "Mit jedem Zehntel Grad Erwärmung steigt das Risiko für Extreme und die Häufigkeit und Intensität der Extreme nimmt zu", sagte sie.

Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze sagte der "Rheinischen Post" mit Blick auf den IPCC-Bericht und Extremwetterereignisse: "Die gehen nicht mehr weg, denn wir können den bereits erfolgten Klimawandel nicht zurückdrehen. Wir können die Erderhitzung aber verlangsamen."

"Weltweiter Green Deal"

Entwicklungsminister Gerd Müller forderte mehr Unterstützung der EU für ärmere Länder beim Klimaschutz. Nur acht von 191 Staaten erreichten derzeit die Ziele des Pariser Klimaabkommens, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Wir brauchen einen weltweiten Green Deal: mit gewaltigen privaten Investitionen zum Ausbau erneuerbarer Energien sowie Technologietransfers und einer Investitionsoffensive der Industrieländer in Schwellen- und Entwicklungsländern."

Der Bericht werde die Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen verdeutlichen, erklärte der Meteorologe Peter Knippertz vom Karlsruher Institut für Technologie. "Jedes klimaschädliche Molekül, das wir emittieren, ist eines zu viel, egal, ob es als Methan aus einem Schaf-Hintern in Neuseeland, oder als Kohlendioxid aus einem Auspuff in den USA oder einem Kraftwerk westlich von Köln kommt." Das Thema Klimaschutz sei ernst. "Wir sollten gemeinsam in das Projekt nachhaltige und lebenswerte Zukunft aufbrechen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. August 2021 um 08:00 Uhr.