Ein Holzhaus in Schweden. | picture alliance / CHROMORANGE

Weltfrauentag Schwedinnen sind Homeoffice-Fans

Stand: 08.03.2022 12:47 Uhr

Das Homeoffice ist bei vielen Beschäftigten beliebt - in einigen Firmen wird es sogar ausgeweitet. In Schweden zeigte eine Umfrage: Vor allem Frauen arbeiten lieber von zu Hause aus. Das birgt aber auch Risiken.

Von Arne Bartram, ARD-Studio Stockholm

Auch nach der Corona-Pandemie weiter im Homeoffice bleiben? Für Lina Kihlmark wäre das perfekt. Die junge Mutter arbeitet im öffentlichen Dienst in der schwedischen Region Dalarna. "Ich bin alleinerziehend mit meiner Tochter, und alles muss irgendwie erledigt werden", erzählt sie. "Ich spare Zeit, und mein Arbeitstag ist viel effektiver, als wenn ich im Büro bin, weil ich nicht ständig unterbrochen werde."

Mehr als 80 Prozent wollen Homeoffice

So sehen das in Schweden viele Angestellte. Der Gewerkschafts-Dachverband TCO hat eine Studie in Auftrag gegeben, die zeigt: Über 80 Prozent wollen auch nach der Pandemie zumindest teilweise von zu Hause aus arbeiten. Vor allem bei den Frauen ist das Homeoffice beliebt.

In Schweden hat, wie in Deutschland, die Pandemie das Thema befeuert. Seit einem Monat wird das Arbeiten im Homeoffice nicht mehr von der schwedischen Regierung empfohlen. Trotzdem wollen einige Firmen es weiter möglich machen, wie die Stockholmer Hörspielproduktionsfirma Storytel. Das Unternehmen hat rund 700 Mitarbeiter weltweit, davon 400 in Schweden. Homeoffice gab es hier auch schon vor der Pandemie - aber in deutlich kleinerem Umfang.

Vorteil auch für Unternehmen

Personalchefin Mathilda Lundin sagt dazu: "Bei unseren Mitarbeitern gibt es eine große Nachfrage. Aber auch für uns als Unternehmen gibt es einen Vorteil: Wir wollen zufriedene Mitarbeiter, und wenn wir Voraussetzungen schaffen, dass sie dort arbeiten, wo sie das am besten können, dann profitiert sowohl der einzelne Mitarbeiter als auch das Unternehmen davon."

Vor allem Frauen bewerten dabei die Vorteile des Arbeitens von zu Hause deutlich höher als ihre männlichen Kollegen, zeigt die Umfrage des Gewerkschafts-Dachverbands TCO.

Homeoffice als "Karrierekiller"?

Dessen Gleichberechtigungsbeauftragte Åsa Forsell warnt aber: Das Homeoffice könne zum "Karrierekiller" werden. "Frauen passen sich mehr an, damit Arbeit und Familie funktionieren", meint Forsell. "Sie nehmen länger Elternzeit, sie bleiben öfter mit kranken Kindern zu Hause, sie wählen einen Job, der näher am Wohnort ist. Männer passen hingegen oft das Familienleben an die Arbeit an. Es ist also gut möglich, dass Frauen eher dazu neigen, sich für Arbeit im Homeoffice zu entscheiden, um alles unter einen Hut zu bekommen, statt dass sich die Geschlechterrollen verändern."

Fortbildungen für Führungskräfte

Obendrauf kommt dann noch: Wer viel im Homeoffice ist, wird in der Firma möglicherweise übersehen. Darauf deuten laut Forsell zumindest Untersuchungen aus der Zeit vor der Pandemie hin.

Bei der Stockholmer Hörspielproduktionsfirma Storytel wollen sie genau das vermeiden. Personalchefin Lundin erklärt: "Eine der wichtigsten Aufgaben für Chefs ist es, dass sie ihre Mitarbeiter sehen, unabhängig davon, wo diese sich befinden. Unser Unternehmen setzt deshalb auf Fortbildungen für Führungskräfte. Wir haben jährliche Kurse zu Fragen des Arbeitsumfelds, in denen wir jetzt die Führung auf Distanz als einen Teil der Ausbildung hinzugefügt haben."

Eher ein Vorteil für berufstätige Mütter

Grundsätzlich muss Homeoffice nämlich nichts Schlechtes für die Chancengleichheit sein - im Gegenteil. Gewerkschafterin Forsell sagt: "Sollten Frauen, die bisher Teilzeit gearbeitet haben, durch Homeoffice ganztags arbeiten können, so dass sie ein volles Gehalt verdienen, wäre das natürlich positiv für sie und würde den Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen verringern."

Mutter Lina aus Dalarna wünscht sich eine kombinierte Lösung aus Arbeit im Büro und Homeoffice: "Im Herbst konnten wir schon mal ausprobieren, wie es ist, zwei Tage im Büro und drei Tage im Homeoffice zu arbeiten, und für mich funktioniert das gut."

Genau das kann sie jetzt auch machen. Ihr Arbeitgeber hat entschieden, dass die Angestellten wie Lina im Homeoffice bleiben dürfen, wenn sie das wünschen.

Über dieses Thema berichteten am 08. März 2022 BR24 um 13:21 Uhr und Deutschlandfunk um 13:49 Uhr.