Ein Mann trägt einen Sack mit lebensmitteln des Welternährungsprogramms der UN | REUTERS

Drohende Hungerkatastrophen UN-Organisation bittet Reiche um Hilfe

Stand: 09.12.2020 15:01 Uhr

Die Corona-Pandemie könnte zur schwersten humanitären Krise in der Geschichte führen, warnt der Chef des Welternährungsprogramms WFP. Er ruft Superreiche zu Spenden auf.

Die Corona-Pandemie verschärft die weltweiten Hungerkrisen, warnt WFP-Direktor Beasley in der Wochenzeitung "Die Zeit" - und 2021 werde für die Betroffenen noch härter, denn die Folgen der Krise wirkten sich jetzt erst richtig aus. Die Zahl der Menschen, die akut vor dem Verhungern stehen, könnte sich auf 270 Millionen weltweit verdoppeln - gleichzeitig gebe es 2.200 Milliardäre auf der Welt, mit einem Nettovermögen von etwa zehn Billionen US-Dollar.

Bei diesen Zahlen sollte niemand hungern, so der WFP-Chef. "Nun stehen wir vor einer nie da gewesenen Krise. Und alles, was ich brauche, sind fünf Milliarden Dollar, um eine Hungersnot zu verhindern." Das sei wohl nicht zu viel verlangt. "Ich meine: Come on! Milliardäre, zeigt der Welt, dass sie euch nicht egal ist!"

David Beasley vom Welternährungsprogramm | AP

David Beasley vom Welternährungsprogramm Bild: AP

Zahl der Hungernden wächst rasant

Schon vor der Pandemie sind laut Beasley 30 Millionen Menschen auf der Welt komplett auf die Hilfe des WFP angewiesen gewesen. Sie zu versorgen, habe etwa fünf Milliarden Dollar im Jahr gekostet, das Budget habe bei acht Milliarden gelegen. 2021 sei fast doppelt so viel Unterstützung nötig, also etwa im Umfang von 15 Milliarden Dollar. "Mindestens aber brauche ich zwölf Milliarden, um Hungerkatastrophen zu verhindern", sagte Beasley.

Essenausgabe für Hungernde in Gauhati/Indien | AP

Essenausgabe für Hungernde in Gauhati/Indien. Millionen Inder bleiben auf Unterstützung durch Hilfsorganisationen angewiesen. Bild: AP

Klimawandel verschärft das Problem

An das selbst gesteckte Ziel, Hunger bis 2030 zu beenden, glaubt der 63-Jährige nicht nur wegen der verschärften Corona-Lage nicht. "Würden wir sofort alle bewaffneten Konflikte beenden, könnten wir das Ziel erreichen, sogar schon vor 2030. Doch wir haben all die Kriege, dazu den Klimawandel."

Das norwegische Nobelkomitee hatte am 9. Oktober verkündet, dass der diesjährige Friedensnobelpreis an das Welternährungsprogramm geht. Die UN-Organisation wird damit unter anderem für ihre Bemühungen im Kampf gegen den Hunger sowie ihren Beitrag zur Verbesserung der Friedensbedingungen in Konfliktgebieten ausgezeichnet. Überreicht wird der Preis normalerweise am 10. Dezember in Oslo. Beasley wird wegen der Corona-Pandemie dazu aber nicht wie ursprünglich geplant nach Norwegen reisen. Der Preis wird bei einer Online-Zeremonie in Rom überreicht.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. Dezember 2020 um 15:17 Uhr.