Weinlese in Kent/Großbritannien | REUTERS

Klimawandel Wird Großbritannien zur Weininsel?

Stand: 16.10.2021 13:36 Uhr

Infolge des Klimawandels ist die Durchschnittstemperatur in Großbritannien gestiegen. Den Winzern kommt das zugute: Die Qualität ihrer Produkte steigt. Britischer Sekt gewinnt sogar schon internationale Preise.

Von Imke Köhler, ARD-Studio London

Nick Baker spricht über das Wetter: Der August war schlecht, die Trauben konnten nicht richtig reifen, sagt er. Baker steht im Weinberg der Weinkellerei Black Chalk und erklärt interessierten Besuchern die vielen Schritte und Details der Weinproduktion. Black Chalk ist ein kleiner Familienbetrieb in der südenglischen Grafschaft Hampshire, der 12 Hektar Land bewirtschaftet und überwiegend "sparkling wine", also Sekt, herstellt. Die Weinkellerei kommt auf 25.000 bis 30.000 tausend Flaschen pro Jahr.

Baker lobt das südenglische Klima für den Anbau von Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier. Auch wenn der August zu nass war, grundsätzlich seien die Bedingungen perfekt: "Wir haben ähnliche Temperaturen wie die Champagne vor 30 oder 40 Jahren als sie dort einen der besten Champagner produziert haben", betont Baker. Jetzt würde es auf dem Kontinent aber zu heiß werden.

"Der Klimawandel kommt uns zugute"

England wittert offenkundig seine Chance, als Weinanbaugebiet zu reüssieren. James Matyear, Black Chalks Weinbauer und gerade mit der Weinlese beschäftigt, sagt über die sich verändernden Bedingungen: "Der Klimawandel ist deutlich spürbar und er kommt uns zugute, glaube ich. Der bringt mehr Wärme. Global gesehen ist das ein Problem, aber für jemanden, der Trauben anbaut in einem Klima, das vor 20 Jahren dafür nicht geeignet war, ist das großartig."

Die Früchte würden leichter eine gute Qualität erreichen, so Matyear. "Wir könnten allerdings auch mehr Regen bekommen. Also unterm Strich sind die Aussichten großartig, aber wir sind wachsam, was den Regen angeht, der mit dem Klimawandel kommt." 

"Wir haben darüber gelacht, englischen Wein zu kaufen"

Declan Conway vom Grantham Research Institute, einem Institut, das sich mit Klimawandel- und Umweltfragen befasst und derzeit besonders den Weinanbau untersucht, bestätigt, dass die Weinbauern in England eine gute Perspektive haben.

Der Anbau sei in den letzten zwei Jahrzehnten um fast 400 Prozent gewachsen: "Es ist nicht mehr der Witz, der es früher war. Auch wir haben ja darüber gelacht, englischen Wein zu kaufen. Man hat ihn nicht gekauft, weil man ihn gut trinken konnte, sondern weil es den Reiz des Neuen hatte. Aber das ist jetzt anders. Der Sekt gewinnt Preise bei internationalen Wettbewerben, der Ruf wird besser."

Durchschnittstemperatur in Großbritannien gestiegen

Auf dem Weingut Black Chalk hat inzwischen die Verkostung begonnen, an der auch Nicky und Tim teilnehmen. Ausgeschenkt wird der "2018 classic". Ein guter Sekt? Nicky mag ihn: "Das ist ein sehr reiner Geschmack, ziemlich dünn, aber wirklich erfrischend. Ich mag ihn sehr." Ehemann Tim findet, dass der Sekt tatsächlich nach Apfel schmeckt, was Nick Baker, der die Verkostung leitet, angekündigt hatte: "Er hat vom Apfel-Geschmack gesprochen, das passt genau."

Im Laufe der letzten 40 Jahre sei die Durchschnittstemperatur in Großbritannien um etwa ein Grad gestiegen, sagt Conway vom Grantham Research Institute, und die Erwärmung werde nicht nur weitergehen, sondern sich wahrscheinlich noch beschleunigen. "Durch die Erwärmung könnten die Bedingungen in nicht allzu ferner Zeit deutlich besser werden, um Trauben für Rotwein anzubauen. Das ist eine aufregende Chance für die Ausweitung des Weinanbaus in Großbritannien."

Über dieses Thema berichtete BR24 am 16. Oktober 2021 um 21:40 Uhr.

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KOMMENTARE

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fathaland slim 17.10.2021 • 00:01 Uhr

23:43, Kaneel

>>Man kann den Ebbelwoi auch sauer (mit Wasser) oder süß (mit Limonade) gespritzt bekommen. Zweiteres soll, so las ich, allerdings verpönt sein.<< Ich rate von beidem ab und trinke ihn ausschließlich pur.