Manfred Weber  | dpa

Verteidigungspolitik EVP-Chef Weber will schnelle EU-Eingreiftruppe

Stand: 12.09.2021 08:09 Uhr

Der Vorsitzende der Christdemokraten im EU-Parlament, Weber, hat sich für eine schnelle EU-Eingreiftruppe und eine Cyberabwehr-Brigade ausgesprochen. Die Amerikaner seien "nicht mehr bereit, der Weltpolizist zu sein".

Der CSU-Europapolitiker Manfred Weber fordert, den Aufbau gemeinsamer militärischer Kapazitäten in der EU schnell voranzubringen. Man dürfe nicht auf die nächste Krise warten, sagte der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) im EU-Parlament den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Ich will die europäische Armee langfristig. Wir erreichen sie aber nicht mit irgendwelchen Wunschträumen, sondern wenn wir jetzt Schritt für Schritt vorangehen."

Debatte durch Debakel in Kabul angestoßen

Die militärische Abhängigkeit von den USA beim Evakuierungseinsatz in Afghanistan hatte in der EU die Diskussion über den Aufbau einer schnell einsatzfähigen Eingreiftruppe mit mindestens 5000 Soldaten befeuert. "Die nationalen Armeen bleiben natürlich weiter die Hauptpfeiler der Verteidigung. Aber wir brauchen schrittweise europäische Kapazitäten: eine europäische Eingreiftruppe mit einigen Tausend Mann. Und außerdem eine Cyberabwehr-Brigade", so der CSU-Vize.

Angriffe auf digitale europäische Infrastruktur seien mittlerweile ein "täglich stattfindender Krieg im Netz". "Bei dieser Dimension ist ein nationaler Ansatz allein nicht ausreichend." "Wir haben Hunderttausende Soldaten unter Waffen. Wir haben kein Problem mit der Masse, aber mit den Fähigkeiten und Strukturen. Wir schaffen es nicht, in Kabul den Flughafen zu sichern. Das ist eine Frage von Willen, von Kommando und von Durchsetzung", sagte Weber weiter.

Europa stehe an einem Wendepunkt. Die USA seien "nicht mehr bereit, der Weltpolizist zu sein". "Belarus, Ukraine, Nordafrika, Naher Osten - diese Probleme werden die Amerikaner nicht für uns lösen", sagte Weber. "Wir müssen jetzt endlich Verantwortung übernehmen und eigenständig handeln." Eine stärkere Zusammenarbeit spare "Milliarden an Kosten". Zudem werde die NATO gestärkt, "wenn Europa einen größeren Beitrag liefert."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. September 2021 um 05:00 Uhr in den Nachrichten.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Mass Effect 12.09.2021 • 14:20 Uhr

13:57 von Sausevind 13:14 von Mass Effect

Beim Unterstellen sind sie ja wohl absolute Nummer 1. Einer Diskussion weichen sie wegen fehlender Argumente immer aus.