Feuerwehrleute kämpfen gegen einen Waldbrand in der russischen Region Jakutien (Juni 2021). | AP

Waldbrände in Russland Rauchschwaden bis nach Kasachstan

Stand: 14.08.2021 09:52 Uhr

Seit Monaten wüten Waldbrände in vielen Regionen Russlands. Umweltschützer sind besorgt und fordern eine Aufstockung der Mittel für Waldschutz. Auch in Italien kämpfen Einsatzkräfte weiter gegen die Feuer im Land.

Die Waldbrände in Russland könnten nach Einschätzung von Umweltschützern ein historisches Ausmaß annehmen. "Die Lage ist diesmal viel schlimmer als 2020 und im Jahr davor", sagte Grigori Kuksin von der Organisation Greenpeace der Nachrichtenagentur dpa. In der besonders schwer betroffenen Teilrepublik Jakutien im Osten Sibiriens "sprechen wir bereits von einem Rekord seit Beginn der Wetteraufzeichnung in Russland", so der Greenpeace-Brandschutzexperte.

In vielen Regionen des Landes wüten die Flammen bereits seit Monaten ungehindert. "Bis heute hat das Feuer eine Fläche von etwa 16,5 Millionen Hektar erfasst. Nicht alles davon ist Wald, nicht alles ist komplett abgestorben", sagte Kuksin. Er geht davon aus, dass bislang etwa sechs Millionen Hektar Wald vernichtet wurden.

Die Forstschutzbehörde dagegen spricht von aktuell etwa vier Millionen Hektar (40.000 Quadratkilometer) brennender Fläche. Das entspricht etwa der Größe der Schweiz. Den Negativrekord des Jahrhunderts gab es demnach 2012 mit einer von Feuern zerstörten Fläche von 16 Millionen Hektar.

Neuer Negativrekord ist möglich

Dieses Jahr könne ein neuer Höchststand erreicht werden, so Kuksin. "Das Ausmaß der Brände wird in den Regionen oft unterschätzt." Das habe zur Folge, dass Hilfe nicht immer rechtzeitig angefordert werde. In Jakutien kämpfen die Einsatzkräfte bis zur Erschöpfung um zu verhindern, dass die Flammen ganze Dörfer verschlingen.

Nicht immer gelingt das: In dem Ort Bjass-Kjuel waren zuletzt etwa 40 Häuser zerstört worden. Die Behörden versprachen nun, bis Oktober würden neue gebaut - bis der Winter in der Region vor der Tür steht. Ohnehin hoffen die vielen Helfer auf den Herbst: Mit einsetzendem Regen dürften dann die meisten Brände von allein ausgehen.

Brände als Folge des Klimawandels

Wer nicht direkt von den Feuern bedroht wird, leidet trotzdem: Hunderte Dörfer und Dutzende Städte in verschiedenen Landesteilen versinken im Rauch. Tausende Kilometer ist der Qualm schon nach Westen ins Landesinnere gezogen - und im Süden bis nach Kasachstan. Die Behörden empfehlen, möglichst im Haus zu bleiben.

Mittlerweile sind mehr als 9000 Helfer im Kampf gegen die Flammen im Einsatz. Präsident Wladimir Putin hatte angesichts der Katastrophe eine Aufstockung angeordnet. Er schickte zudem seinen Minister für Zivilschutz, Jewgeni Sinitschew, nach Jakutien, damit er dort persönlich die Einsätze koordiniert.

Die Behörden machen die Trockenheit als Folge des Klimawandels für die Brände verantwortlich. "Ohne eine Aufstockung der Mittel für den Waldschutz wird es nicht möglich sein, Brände unter den neuen Klimabedingungen zu bekämpfen", sagte Kuksin. Zudem müssten die Menschen mehr für die Gefahren sensibilisiert werden. "Die meisten Brände entstehen immer noch durch den Menschen." So sei es etwa üblich, dass Gras abgebrannt werde oder Zigarettenstummel einfach weggeworfen würden.

Feuer auch in Italien

Auch in Italien kämpft die Feuerwehr weiter gegen Waldbrände. In der Umgebung Hauptstadt Rom löschten die Einsatzkräfte die Feuer von zwei Fronten, wie die Feuerwehr mitteilte. Im Einsatz seien auch ein Löschflugzeug und zwei Helikopter. Die Flammen brannten im Naturschutzgebiet Monte Catillo nördlich von Tivoli.

Staatspräsident Sergio Mattarella begutachtete unterdessen die Lage auf Sardinien. Beim Besuch der Luftwaffe in Alghero überflog er auch das Waldbrandgebiet in der Provinz Oristano im Westen der Insel. "Die Verwüstung durch die Brände zu sehen, lässt einen das enorme Ausmaß der Schäden für das Leben der betroffenen Kommunen verstehen", sagte Mattarella. Extreme Hitze und anhaltende Trockenheit begünstigen seit Ende Juli die Flammen. Hinter vielen Feuern vermuten die Behörden Brandstiftung.

Weiterhin hohe Brandgefahr in Griechenland

Die Feuer in Griechenland sind derweil unter Kontrolle und weitgehend gelöscht, doch die Sicherheitskräfte bleiben in Alarmbereitschaft. Zuletzt waren nach Angaben der griechischen Feuerwehr erneut 51 Waldbrände ausgebrochen. Der griechische Zivilschutz gibt die Brandgefahr in weiten Teilen des Landes als "hoch" bis "sehr hoch" an. Sorgen bereiten unter anderem die örtlich starken Winde, die einen kleinen Brandherd zu einem großen Waldbrand anheizen können.

Vor allem in den zuvor stark betroffenen Gegenden im Norden Athens, auf der Insel Euböa und der Halbinsel Peloponnes sind deshalb weiterhin hunderte Feuerwehrleute in Alarmbereitschaft. Die Regionen werden auch aus der Luft überwacht, hieß es bei der Feuerwehr.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. August 2021 um 14:00 Uhr.