EIn Bagger bei einem Feuer im Dorf Kamaria auf der Insel Evia, 189 Kilometer nördlich von Athen. | AP

Waldbrände in Griechenland "Wir kämpfen mit aller Kraft"

Stand: 09.08.2021 23:47 Uhr

Nach Entspannung sah es in den griechischen Waldbrandgebieten nur kurz aus. Immer wieder entstehen neue Feuer. Ministerpräsident Mitsotakis verspricht schnelle Hilfen und will den Zivilschutz neu organisieren.

Von Verena Schälter, ARD-Studio Athen

Kurz sah es so aus, als würde sich die Lage auf Euböa ein wenig entspannen. Der Wind hatte ein wenig nachgelassen, die Einsatzkräfte konnten das Feuer zwar noch nicht unter Kontrolle bringen, aber stellenweise zumindest ein wenig eindämmen. Doch schon am Nachmittag hat es in der Nähe des kleinen Örtchens Avgaria erneut angefangen zu brennen. Am Abend dann der Aufruf der Behörden: Avgaria und zwei weitere Ortschaften müssen evakuiert werden.

Verena Schälter

Strom und Wasserversorgung sind im gesamten Gebiet ausgefallen, die Feuerwehr muss das Wasser in Löschwagen anliefern. Freiwillige Helfer versuchten mit Zweigen die nahenden Flammen auszuschlagen.

Mitsotakis: "Naturkatastrophe beispiellosen Ausmaßes"

Etwa zeitgleich wandte sich Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis am Abend in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung. "Die letzten Tage waren für unser Land seit Jahrzehnten mit die schwierigsten. Wir kämpfen diesen Kampf mit aller Kraft, aber wir stehen vor einer Naturkatastrophe beispiellosen Ausmaßes." 

Er sicherte den Opfern der Brandkatastrophe rasche und unbürokratische Hilfen zu: Um die Schäden an Häusern und Natur zu beheben, will die Regierung einen Sonderhaushalt in Höhe von 500 Millionen Euro verabschieden.

Zivilschutz soll neu organisiert werden 

Außerdem kündigte Mitsotakis an, den griechischen Zivilschutz neu organisieren zu wollen. Künftig solle Prävention und nicht mehr Reaktion im Mittelpunkt stehen - und er entschuldigte sich für "mögliche Schwächen" der Regierung bei der Brandbekämpfung.

Vor allem auf der schwer betroffenen Insel Euböa wurden in den vergangenen Tagen immer wieder Vorwürfe laut, dass die Regierung zu spät Hilfe geschickt habe.

Klimawandel: Keine Entschuldigung, aber Grund

Mögliche Fehler würden untersucht und entsprechende Konsequenzen gezogen, so Mitsotakis. Ihm zufolge könne das verheerende Ausmaß der Brandkatastrophe aber nicht allein den Behörden angelastet werden. "Und ich sage es deutlich: Wir haben vielleicht alles Menschenmögliche getan, aber in vielen Fällen war es wohl nicht genug, im ungleichen Kampf mit der Natur."

Der Klimawandel sei keine Entschuldigung für Verlauf der Brände. Er sei aber sehr wohl der Grund für die schweren Brände.

Knapp 590 Brände ausgebrochen

In den vergangenen Tagen sind landesweit knapp 590 Brände ausgebrochen. 62 Orte mussten innerhalb der letzten 24 Stunden evakuiert werden. Weil die griechischen Einsatzkräfte seit über einer Woche im Dauereinsatz sind, hat die Regierung andere Länder um Hilfe gebeten.

Mehr als 20 Staaten sandten Löschflugzeuge, Hubschrauber, Fahrzeuge und Personal. Auch Deutschland schickt Unterstützung: Die ersten Einsatzkräfte sollen morgen im Laufe des Tages in Griechenland ankommen. 

    

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 09. August 2021 um 00:00 Uhr.