Eine Luftaufnahme ziegt verbrannte Bäume bei Pefki auf der griechischen Insel Euböa.

Waldbrände Dramatische Lage auf Euböa

Stand: 09.08.2021 17:32 Uhr

Südeuropa, Sibirien, Kalifornien: Seit Wochen toben in verschiedenen Regionen der Welt Waldbrände. In Russland und den USA breiten sich die Brände aus. Auf Euböa wird das Feuer teils nur gestoppt, weil bereits alles verbrannt ist.

Die Lage in den Waldbrandgebieten in Südeuropa ist nach wie vor angespannt. In Teilen Griechenlands ist das Feuer weiterhin außer Kontrolle. Satellitenbilder des Erdbeobachtungsprogramms der EU zeigen Großgebiete, die den Flammen zum Opfer fielen. Zahlreiche Menschen kamen ums Leben. Ganze Regionen mussten evakuiert werden. Auch in der Türkei und Italien brennt es vielerorts weiter, auch wenn lokale Behörden teils von einer Entspannung der Situation berichten.

Ein Blick auf den Waldbrand-Monitor der US-Raumfahrtbehörde NASA zeigt: Nicht nur in Südeuropa haben Waldbrände riesige Ausmaße angenommen. Unter anderem in Sibirien und dem US-Bundesstaat Kalifornien breiten sich die Brände weiter aus.

Griechenland

In Europa ist die Situation nach wie vor auf der griechischen Insel Euböa besonders bedrohlich, nach Kreta die zweitgrößte griechische Insel. In einigen hügeligen und bewaldeten Regionen brennt es immer noch stark. Zahlreiche Dörfer sind von der Zerstörung bedroht, Dutzende Ortschaften wurden bereits evakuiert.

Im Norden der Insel sei jedoch mittlerweile so viel Wald verbrannt, dass die Feuer langsam nachließen, weil kein brennendes Material mehr vorhanden sei, berichteten griechische Medien. Andere Feuer hätten die Küste erreicht und deshalb automatisch ein Ende gefunden, sagte der Bürgermeister eines Dorfes.

Das Feuer auf Euböa ist der heftigste von Dutzenden Waldbränden, die vergangene Woche inmitten der schlimmsten Hitzewelle seit 30 Jahren in ganz Griechenland ausgebrochen sind. Die Temperaturen lagen über Tage hinweg mancherorts bei 45 Grad. Andere große Feuer wüten in der südgriechischen Region Peloponnes. Auch im Norden Athens, um den Feuerwehr und Rettungskräfte tagelang kämpften, schwelt das Feuer weiter. Rund 10.000 Haushalte sind dort Medienberichten zufolge derzeit ohne Strom.

Der griechische Zivilschutz richtete ein Warnsystem für Einwohner und Urlauber im ganzen Land ein. Mehr als Tausend Feuerwehrleute versuchen, die Flammen von Wohngebieten fernzuhalten. Sie werden von Freiwilligen und Soldaten unterstützt. Ausländische Helfer aus rund 20 Ländern unterstützen die griechischen Kräfte. Auch aus Deutschland ist Hilfe unterwegs - die 221 Rettungskräfte sollen jedoch erst am Donnerstag einsatzbereit sein.

Türkei

In den von Waldbränden betroffenen Küstenregionen der Türkei entspannte sich lokalen Behörden zufolge die Lage. Der Sprecher der stark betroffenen Gemeinde Milas, Umut Öztürk, sagte der Nachrichtenagentur dpa, in der Region seien die Brände weitestgehend unter Kontrolle. "Die Einsatzkräfte sind dabei, das Gelände abzukühlen."

Gebannt ist die Brandgefahr angesichts der anhaltenden Hitzewelle und Trockenheit aber noch nicht. "Bis zum Oktober besteht das Risiko weiterer Brände", warnte Doganay Tolunay, Forstingenieur an der Istanbul-Universität. Bei den aktuellen Bränden seien schätzungsweise 1500 Quadratkilometer Land zerstört worden - eine Fläche fast drei mal so groß wie der Bodensee. Zur Brandursache wird weiter ermittelt. Mindestens acht Menschen starben bisher bei den Waldbränden in der Türkei.

Italien

In Italien wurden an der Adria-Küste Hunderte Menschen wegen Bränden evakuiert. Die Behörden evakuierten Hotels, Campingplätze und Wohnhäuser im Ortsteil Campomarino Lido am Meer. Die italienische Zivilschutzbehörde entsendete außerdem Verstärkung in die stark von Waldbränden betroffene Region Kalabrien. Dort brannte es unter anderem im Nationalpark Aspromonte.

Das Wetter könnte die Situation in den kommenden Tagen wieder verschärfen: Eine neue Hitzewelle sorgt vielerorts für Temperaturen von mehr als 40 Grad.

Russland

In Sibirien breiteten sich die seit Wochen anhaltenden Waldbrände weiter aus. Vor allem in Jakutien, einer der am schwersten betroffenen Regionen, nahmen die Zahl der Waldbrände und ihr Ausmaß zu, wie der russische Wetterdienst Rosgidromet meldete. Nach seinen Angaben stehen dort rund 3,4 Millionen Hektar Waldgebiet in Flammen. Laut der US-Raumfahrtbehörde NASA hat der Rauch der Brände in Jakutien inzwischen den 3000 Kilometer entfernten Nordpol erreicht - zum ersten Mal seit Beginn der Aufzeichnungen. Auf ihren Satellitenaufnahmen sei zu sehen, wie dichter Rauch "den größten Teil Russlands" bedecke.

Nach Berechnungen des russischen Greenpeace-Experten Alexej Jaroschenko haben die Waldbrände in Russland seit Jahresanfang bereits eine Fläche von 14,96 Millionen Hektar verwüstet. 2021 sei somit das schlimmste Jahr nach 2012.

USA

Auch das seit Mitte Juli in Nordkalifornien wütende "Dixie Fire" breitet sich immer weiter aus. Tausende Menschen flohen vor den Flammen, mehr als 400 Häuser und Gebäude wurden zerstört, die historische Goldgräberstadt Greenville ist komplett abgebrannt. Mit einer verbrannten Fläche von mehr als 198.000 Hektar ist das "Dixie Fire" inzwischen das zweitgrößte in der Geschichte Kaliforniens, wie die Behörden mitteilten. Laut Feuerwehr dürfte es noch rund zwei Wochen dauern, bis es gelöscht ist. 

Das "Dixie Fire" ist derzeit der größte aktive Waldbrand in den USA und einer von elf größeren Bränden allein in Kalifornien. Waldbrände sind in Kalifornien keine Seltenheit. Eine lang anhaltende Dürreperiode sowie fortwährende Hitze, die laut Experten auf den Klimawandel zurückzuführen ist, hat große Teile des Westens der USA in diesem Jahr aber besonders anfällig für Waldbrände gemacht. Bis Ende Juli wurden in Kalifornien bereits 250 Prozent mehr Fläche durch Brände zerstört als 2020. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. August 2021 um 16:00 Uhr.