Zwei Männer versuchen einem Wal, der sich in der Themse verirrt hat, zu helfen. | via REUTERS

London Hoffnungen für Wal in der Themse schwinden

Stand: 10.05.2021 20:28 Uhr

Ein junger Minkwal hat sich verirrt und ist in der Themse bis nach London geschwommen. Dort wurde er in einer Schleuse entdeckt. Doch die Überlebenschancen für das rund vier Meter lange Tier stehen schlecht.

Der Zustand des in der Themse nahe London festsitzenden jungen Minkwals hat sich deutlich verschlechtert. Einsatzkräfte, die sich um das verirrte Tier bemühen, erklärten, der Wal werde bei einsetzender Ebbe bei Teddington stranden. Dann stehe ein Team von Tierärzten bereit, um ihn einzuschläfern und sein Leiden zu beenden.

Das verletzte Tier hätte nach Einschätzung der Taucher der Britischen Organisation zur Rettung von Meeressäugern (BDMLR) selbst dann Probleme zu schwimmen, wenn es ihm gelingen sollte, wieder tieferes Wasser zu erreichen. Helfer hatten sich zuvor stundenlang bemüht, den Wal aus einer Schleuse flussabwärts bei Richmond zu befreien. Als er zu einer Untersuchung auf einen aufblasbaren Ponton gehoben werden sollte, rutschte er zurück ins Wasser.

Wal muss durch Innenstadt geschwommen sein

Der Wal sei völlig verirrt, sagte Martin Garside, Sprecher der Londoner Hafenbehörde. "Als ob man ein Kamel am Nordpol sähe." Noch nie sei ein Wal in der Themse so weit flussaufwärts gesehen worden, 150 Kilometer von der Mündung entfernt. Der etwa vier Meter lange Minkwal war am Wochenende an der Schleuse bei Richmond entdeckt worden. Hunderte Menschen hatten dort bei Einbruch der Dunkelheit die Rettungsbemühungen verfolgt.

Wieso das Tier, das normalerweise im Nordatlantik zu Hause ist, fast 90 Kilometer weit die Themse hoch schwamm, war zunächst unklar. Möglicherweise folgte es Fischen aus der Nordsee in den Fluss und verirrte sich. "Es ist überraschend, dass niemand den Wal auf seinem Weg zur Richmond-Schleuse gesehen hat", sagte Julia Cable von der Hilfsorganisation BDMLR dem Sender "Sky News".

Die Schleuse in Richmond ist die am weitesten flussabwärts gelegene, an der noch die Nordsee-Gezeiten zu spüren sind. Um von der Themsemündung dorthin zu gelangen, muss der Wal auch durch die Innenstadt entlang des Parlaments geschwommen sein. Ein Handyvideo zeigt das Tier wenige Stunden, bevor es stecken blieb, auf Höhe der Barnes-Brücke im Südwesten Londons.

2006 konnte "Willy" nicht gerettet werden

Minkwale werden auch Zwergwale genannt. Sie können bis zu zwölf Meter lang und bis zu 50 Jahre alt werden. Laut WWF wurde ihre Zahl durch den Walfang deutlich verringert. Trotz inzwischen wieder leicht ansteigenden Bestandszahlen stuft sie die Weltnaturschutzunion IUCN unter der Kategorie "Gefährdung anzunehmen" ein.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich ein Wal in die Themse verirrt. Berühmt wurde der "Willy" genannte "River Thames Whale", ein Nördlicher Entenwal, der im Januar 2006 in dem Fluss entdeckt wurde, aber nicht gerettet werden konnte. 2019 wurden innerhalb kurzer Zeit gleich zwei tote Wale in der Themse entdeckt, allerdings deutlich näher an der Mündung.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Mai 2021 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Shantuma 10.05.2021 • 18:18 Uhr

Solche Nachrichten kann ...

die TS von mir aus den ganzen Tag bringen. Durch die positiven Gedanken lebt alle Menschen gesünder. *thumbs up*