Niederlande: Ein Wähler gibt seine Stimme in einem Wahllokal in Eindhoven ab. | dpa

Parlamentswahlen in den Niederlanden Rutte steuert auf weitere Amtszeit zu

Stand: 17.03.2021 13:57 Uhr

Die Niederländer wählen ein neues Parlament. Die konservativ-liberale Partei unter Premier Rutte ist klarer Favorit. Aus dem Duell um Platz zwei zwischen den Rechtspopulisten und den Christdemokraten scheint nun aber ein Dreikampf zu werden.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Studio Den Haag

Die ersten Wahllokale öffneten bereits um Mitternacht ihre Türen. Wie auch im Archäologischen Museum von Castricum an der Nordseeküste, wo die Wähler zwischen Fossilien und menschlichen Skeletten ihre Stimme abgeben konnten.

Ludger Kazmierczak ARD-Studio Den Haag

"Wählen ist ein Fest für die Demokratie. Und dadurch, dass hier schon um Mitternacht geöffnet wurde, ist es wirklich ein Fest. Da bin ich gerne dabei", sagt eine Wähler. "Wählen ist an sich ja schon eine schöne Sache, und jetzt um Mitternacht trotz Ausgangssperre noch unterwegs zu sein, das habe ich auch schon seit Monaten nicht mehr erlebt. Das ist schon was Besonderes", sagt ein Mann im Wahllokal.

Viele Wähler noch unentschlossen

Zwölf Prozent der rund 13 Millionen Wahlberechtigten hatten schon vor dem heutigen Tag ihre Stimme abgegeben. Wegen der Corona-Pandemie konnte in ausgewählten "stembureaus" nämlich schon am Montag und Dienstag gewählt werden. Vor vier Jahren lag die Wahlbeteiligung bei rund 82 Prozent. Und wie 2017 seien auch diesmal viele Wähler noch unentschlossen, sagt der Journalist Gijs Rademaker, der für das öffentlich-rechtliche Fernsehen die Meinungsumfragen präsentiert.

"Vor zwei Wochen war noch die Hälfte der Wähler unentschlossen. Jetzt ist es in Drittel. Also weniger, aber immer noch viele, die zögern. Und wenn wir vier Jahre zurückschauen, dann hat damals jeder achte Wähler seine Entscheidung erst auf dem Weg zum Wahllokal getroffen", so Rademaker.

In den Umfragen, die sich wochenlang kaum verändert hatten, ist in den letzten Tagen etwas Bewegung gekommen. Die konservativ-liberale VVD von Premierminister Mark Rutte hat verloren, bleibt aber mit deutlichem Abstand stärkste politische Kraft. Aus dem prophezeiten Duell um Platz zwei zwischen dem Rechtspopulisten Geert Wilders und den Christdemokraten scheint nun ein Dreikampf zu werden.

17 Parteien könnten ins Parlament einziehen

Denn die linksliberale Partei D66 mit ihrer Spitzenkandidaten Sigrid Kaag, einer erfahrenen UN-Diplomatin, mischt jetzt vorne mit, so Rademaker: "Sie ist sowohl als mögliche Ministerpräsidentin als auch als Rednerin in den Fernsehdebatten in allen Umfragen in die Höhe geschossen. Sie hat ihre Umfragewerte sogar verdoppelt und ist mittlerweile sogar an den Christdemokraten vorbeigezogen."

Egal, wie das Rennen ausgeht: Die Niederlande stehen vermutlich vor zähen Koalitionsverhandlungen, denn von den 37 antretenden Parteien haben 16, vielleicht sogar 17 gute Chancen, ins Parlament einzuziehen. Das wäre ein neuer Rekord, macht das Schmieden eines Regierungsbündnisses aber nicht leichter.  

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. März 2021 um 12:00 Uhr.