Katrin Jakobsdóttir | AP

Parlamentswahl in Island Links-Rechts-Koalition behauptet Mehrheit

Stand: 26.09.2021 22:52 Uhr

Die Regierungskoalition Islands hat bei der Parlamentswahl ihre Mehrheit verteidigt. Doch die Partei der Regierungschefin Jakobsdóttir muss Verluste hinnehmen - die Machtverhältnisse innerhalb der Koalition verschieben sich deutlich.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Die derzeitige Regierungskoalition konnte zwei Sitze hinzugewinnen. Auch wenn es auf den ersten Blick aussieht wie eine Bestätigung des Bündnisses - die Machtverhältnisse innerhalb der Koalition haben sich verschoben. Die linksgrüne Partei der amtierenden Ministerpräsidentin Katrin Jakobsdottir hat rund vier Prozentpunkte verloren, damit erhalten die Linksgrünen noch 12,6 Prozent.

Sofie Donges ARD-Studio Stockholm

"Es ist ein sehr gutes Ergebnis"

Trotzdem wertet Jakobsdóttir das Ergebnis als Erfolg. "Es ist ein sehr gutes Ergebnis, denn es war eine sehr ereignisreiche Amtszeit," sagte sie. "Viel hat uns zu schaffen gemacht. Wir haben den Kampf gegen die Pandemie geführt. Ich habe die Regierung geleitet, die erste Drei-Parteien-Koalition, wir haben die Amtszeit überstanden und die Mehrheit gehalten."

Damit spielt Jakobsdóttir darauf an, dass in den zehn Jahren vor ihrer Amtszeit wegen mehrerer Skandale insgesamt fünf Mal gewählt werden musste. Das seit 2017 amtierende Links-Rechts-Bündnis ist eine ungewöhnliche Koalition über die politische Mitte hinweg: Linksgrüne gemeinsam mit der liberal-bäuerlichen Fortschrittspartei und der konservativen Unabhängigkeitspartei. Letztere ist stärkste Kraft im Parlament mit 24,4 Prozent der Stimmen.

Frauen sind im neuen Parlament in der Minderheit

Die bäuerlich-liberale Fortschrittspartei wiederum gilt als Wahlsieger und konnte ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Wahl deutlich steigern. Sie landet nun bei 17,3 Prozent. Ihr Vorsitzender Sigurdur Ingi Johannson zeigte sich hoch zufrieden: "Ich denke, dass die Regierung gute Arbeit geleistet hat, und das kann man auch betonen. Ich weise darauf hin, dass unsere Minister in der Regierung nicht an letzter Stelle standen und viel erreicht haben. Wir haben eine klare Vision für das, was in der nächsten Amtszeit passieren muss."

Wie diese nächste Amtszeit aussehen wird, ist unklar. Vor der Wahl hatten alle drei Parteien signalisiert, das Bündnis fortsetzen zu wollen. Ob die neuen Machtverhältnisse innerhalb der Koalition zu Veränderungen führen, werden die nächsten Tage zeigen. Eine Ernüchterung gab es bereits am Sonntagabend: Eine nachträgliche Neuauszählung eines Wahlkreises hat ergeben, dass Frauen doch nicht die Mehrheit im Parlament haben. Davon war man bislang ausgegangen.

Ministerpräsidentin Jakobsdóttir hatte bereits stolz verkündet, dass es sich um ein historisches Ergebnis handele und das ein Beweis dafür sei, dass Island an der Spitze in Sachen Gleichstellung stehe. Nun sind doch 33 Männer im Parlament vertreten - und nur 30 Frauen.

Hinweis: Zunächst hatte es geheißen, dass erstmals mehr Frauen als Männer im Parlament vertreten sein werden. Dann wurde ein Wahlkreis erneut ausgezählt und einige Mandate mussten korrigiert werden. Wir haben die Meldung entsprechend aktualisiert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. September 2021 um 18:30 Uhr.