Ein Ukrainer bei einer militärischen Übung in der Nähe von Kiew. | AP

Konflikt mit Russland Wer liefert Waffen an die Ukraine?

Stand: 08.02.2022 05:06 Uhr

Viele Staaten liefern dieser Tage Waffen an die Ukraine - allen voran die USA. Die Lieferungen haben aber wohl eher symbolische Wirkung. Denn, da sind sich Experten sicher, am Kräfteverhältnis mit Russland werden sie kurzfristig nichts ändern.

Von Helga Schmidt, ARD-Studio Brüssel

Der mit Abstand größte Waffenlieferant für die Ukraine sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Solange Barack Obama Präsident war, galt noch die Einschränkung, dass nur sogenannte nicht-letale Waffen geliefert wurden - Waffen, die Personen kampfunfähig machen, jedoch nicht direkt töten sollen.

Helga Schmidt ARD-Studio Brüssel

Unter Donald Trump hat sich das geändert. Seit 2018 liefern die USA auch Panzerabwehrraketen und die dazu passenden Abschussgeräte. Und das in einem finanziellen Umfang, der mit den Lieferungen anderer Nato-Länder kaum vergleichbar ist.

Polen leistet die meiste EU-Militärhilfe

Großbritannien leistet Unterstützung vor allem beim Aufbau der ukrainischen Marine. Aber innerhalb der Europäischen Union ist Polen das Land, aus dem die größte Militärhilfe für die Ukraine kommt. Das liegt an der gemeinsamen Vergangenheit: Beide Länder waren Mitglieder des Warschauer Pakts, und die Waffenbrüderschaft von damals, so der Militärexperte Gustav Gressel, wirke bis heute.

Für die Modernisierung der ukrainischen Armee sei der polnische Beitrag sehr wichtig gewesen. Waffen russischer Bauart habe man durch den Einbau moderner Technik weiterentwickelt.

Kräfteverhältnis bleibt bestehen

Die Zusagen für die Lieferung moderner westlicher Waffen kommen größtenteils aus Nord- und Osteuropa: aus den baltischen Ländern und Tschechien. Der Militärexperte Gustav Gressel untersucht seit vielen Jahren die Entwicklung der Armeen Osteuropas. Die jüngsten Waffenlieferungen, da ist er sicher, werden am Kräfteverhältnis und der russischen Überlegenheit nichts ändern.

Es ist natürlich so, dass es jetzt, in der kurzen Zeit, kein Waffensystem gibt, das jetzt die Lage dramatisch verändern kann. Man kann jetzt in zwei Wochen, bis zum vermeintlichen Angriffstermin, die ukrainische Armee nicht mit etwas ausstatten, was sie voll verteidigungsfähig gegen Russland machen würde.

Die russische Luftüberlegenheit sei zu offensichtlich. Waffenlieferungen an die Ukraine hätten daher eher eine symbolische Wirkung: "Sie signalisieren, dass die Europäer wirklich gewillt sind, die Ukraine zu unterstützen.“

Nato-Staaten verfolgen andere Strategie

Länder, die Waffen an die Ukraine liefern, setzen auch auf eine mögliche abschreckende Wirkung: Der Preis, den Russland für einen militärischen Erfolg zahlen müsste, soll ein hoher Preis sein. Es sind vor allem westeuropäische Nato-Länder, die bisher auf eine andere Strategie setzen. Sie wollen die Militärpräsenz im Osten der Allianz stärken, mehr Soldaten und mehr militärisches Gerät an die Grenze zu Russland und Belarus schicken.

Wenn Russland doch eigentlich weniger Nato-Truppen in Grenznähe wollte, sagt Generalsekretär Jens Stoltenberg, dann passiere jetzt das Gegenteil. So hat die Bundesregierung angekündigt, 350 zusätzliche Soldaten nach Litauen zu schicken. 600 Bundeswehrsoldaten sind schon dort, sie sind Teil der Kampftruppen im nordöstlichen Bündnisgebiet. Frankreich will Bodentruppen nach Rumänien entsenden, und die Niederlande haben angekündigt, Kampfjets in Bulgarien zu stationieren.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. Februar 2022 um 12:30 Uhr.