Blick auf den leeren Petersplatz und die Gebäude des Vatikan | AP

Gleichgeschlechtliche Paare Vatikan lehnt Segnung ausdrücklich ab

Stand: 15.03.2021 17:35 Uhr

Der Papst sprach sich in einem Interview kürzlich für rechtlichen Schutz gleichgeschlechtlicher Paare aus. Nun stellt der Vatikan klar: Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare lehnt die katholische Kirche weiter ab.

Die katholische Kirche lehnt die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ausdrücklich ab. Gott "kann Sünde nicht segnen", heißt es in einer formalen Antwort der vatikanischen Glaubenskongregation auf die Frage, ob Geistliche gleichgeschlechtlichen Partnerschaften den Segen zusprechen könnten.

"Negativ", lautet die Entgegnung in der zwei Seiten umfassenden, von Papst Franziskus gebilligten Erklärung. Darin wird zwischen dem Segnen von homosexuellen Menschen und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften unterschieden. Denn Letzteres anzuerkennen, könne den Eindruck einer gewissen Entsprechung der Ehe vermitteln. "Dies wäre falsch und irreführend", heißt es in einem Artikel, der dem Dokument beigefügt wurde.

"Gott segnet den sündigen Menschen"

In dem Dekret steht weiter, Homosexuelle seien mit Würde und Respekt zu behandeln. Allerdings seien homosexuelle Handlungen "intrinsisch gestört". Die katholische Lehre betrachte die Ehe als lebenslange Verbindung zwischen Mann und Frau und als Teil von Gottes Plan, der zum Ziel habe, neues Leben hervorzubringen.

Da gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht dazu bestimmt seien, Teil dieses Plans zu sein, könnten sie auch nicht von der Kirche gesegnet werden. Gott "segnet Sünde nicht und kann es nicht: Er segnet den sündigen Menschen, auf dass er anerkennen möge, dass er Teil seines Plans der Liebe ist und es zulässt, sich von ihm verändern zu lassen", steht in dem Dokument.

Interview mit Papst Franziskus sorgte für Diskussionen

In einem Interview des mexikanischen TV-Senders Televisa von 2019 hatte sich Papst Franziskus für rechtlichen Schutz für homosexuelle Paare ausgesprochen, allerdings mit Bezug auf die zivilrechtliche Sphäre, nicht auf das Kirchenrecht. Seine Worte ließ der Vatikan damals herausschneiden, bis sie in einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Dokumentation auftauchten und für Wirbel sorgten.

Wörtlich sagte der Papst in dem Interview mit "Televisa": "Homosexuelle Menschen haben das Recht darauf, in einer Familie zu sein. Sie sind Kinder Gottes. Man kann niemanden deswegen aus einer Familie werfen oder das Leben vermiesen. Was wir brauchen, ist ein Gesetz zur eingetragenen Partnerschaft; dadurch sind sie rechtlich abgesichert."

In dem Dokument und dem beigefügten Artikel schrieb der Vatikan, dass in vergangenen Jahren Fragen über die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften aufgekommen seien. Aufgeworfen worden seien sie auch nach Franziskus' Mahnungen, dass Schwule und Lesben in der Kirche besser willkommen geheißen und begleitet werden müssten. Im Artikel zieht der Vatikan eine "fundamentale und klare" Grenze zwischen homosexuellen Einzelpersonen und homosexuellen Verbindungen. "Das negative Urteil über die Segnung von Partnerschaften von Personen des gleichen Geschlechts impliziert keine Verurteilung von Personen."

Bischof Bätzing kann sich Segnung vorstellen

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, hat zurückhaltend auf das Nein der Glaubenskongregation zur Segnung homosexueller Paare reagiert und sich offen gezeigt für eine Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre bei diesem Thema. "Die Glaubenskongregation gibt dabei den Stand der kirchlichen Lehre wieder, wie er sich in mehreren römischen Dokumenten spiegelt", sagte Bätzing.

Bätzing hat als Limburger Bischof mehrfach deutlich gemacht, dass er sich eine kirchliche Segnung für Paare vorstellen kann, die nicht kirchlich heiraten dürfen - auch für homosexuelle Paare. "Wir brauchen hierfür Lösungen, die nicht nur im Privaten greifen, sondern auch eine öffentliche Sichtbarkeit haben - aber deutlich machen, dass keine Ehe gestiftet wird", sagte er Ende Dezember im Interview der "Herder Korrespondenz".

Katholische Frauen kritisieren Vatikan

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) kritisierte das Nein des Vatikans zur Segnung homosexueller Paare. "Wir lehnen die heute veröffentlichte Haltung aus Rom klar ab, auch wenn wir um die Spannung zwischen kirchlicher Lehre und der Lebenswirklichkeit der Menschen wissen", erklärte der kfd-Bundesverband in Düsseldorf. "Wir setzen uns weiter für die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare ein. Menschen dürfen nicht aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und Lebensformen diskriminiert werden."

Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) reagierte enttäuscht. Nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern werde über die Segnung gleichgeschlechtlicher Paarbeziehungen diskutiert, erklärte ZdK-Präsident Thomas Sternberg. Es müsse eine Weiterentwicklung der Lehre mit tragfähigen Argumenten geben. Der Bezug allein auf die Formulierungen des Katechismus reiche nicht aus.

Sternberg sprach von einer Zäsur. Die Stellungnahme aus Rom reihe sich ein in "eine Folge von Störungen des Synodalen Weges". Auf diesem gemeinsamen Weg der katholischen deutschen Bischöfe und des ZdK werde die Segnung von Menschen weiter ein Thema sein, unterstrich der ZdK-Präsident.

Fixierung auf Geschlechtsakt "unangemessen"

ZdK-Vollversammlungen hatten sich in den vergangenen Jahren mehrfach dafür ausgesprochen, auch gleichgeschlechtlichen Paaren kirchlichen Segen zuzusprechen und kirchliche Segensfeiern zu ermöglichen. Die Kirche sei dazu berufen, Menschen zu segnen. Sie sei nicht dazu berufen, Menschen, die darum bitten, den Segen Gottes vorzuenthalten, betonte Sternberg.

Er verwies auch darauf, dass homosexuelle Einzelpersonen laut Vatikan-Stellungnahme gesegnet werden könnten, wenn sie "den Willen bekunden, in Treue zu den geoffenbarten Plänen Gottes zu leben, wie sie in der kirchlichen Lehre vorgelegt werden". Dies geschehe durch den Verzicht auf sexuelle Handlungen, betonte der ZdK-Präsident. Diese Fixierung auf den Geschlechtsakt sei "verkürzend, unangemessen" und werde von den Gläubigen nicht mehr verstanden, so Sternberg.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. März 2021 um 13:25 Uhr.