Protest vor Gericht in Antwerpen. Iranischer Diplomat verurteilt für versuchten Terroranschlag | AFP

Versuchter Terroranschlag 20 Jahre Haft für iranischen Diplomaten

Stand: 04.02.2021 13:44 Uhr

Assadollah A. ist verantwortlich für einen Terrorplan gegen eine Großveranstaltung - dafür hat ein belgisches Gericht den Iraner mit Diplomatenpass verurteilt. Protest aus Teheran ist vorprogrammiert.

Im Prozess um einen vereitelten Sprengstoffanschlag auf eine Großkundgebung von iranischen Exil-Oppositionellen in Frankreich ist der Hauptangeklagte wegen versuchten Mordes und Beteiligung an einer terroristischen Organisation zu 20 Jahren Haft verurteilt worden.

Ein Gericht im belgischen Antwerpen sah es als erwiesen an, dass der 49 Jahre alte iranische Diplomat Assadollah A. für den Terrorplan gegen die Veranstaltung mit Tausenden Teilnehmern verantwortlich ist.

Im Juni 2018 hatten sich iranische Exil-Oppositionelle in der Nähe von Paris getroffen. Zugleich hatte die im Iran verbotene Oppositionsgruppe Nationale Widerstandsrat (NWRI) im 18 Kilometer entferten Villepinte eine Großkundgebung mit Tausenden Teilnehmern organisiert. An ihr hatten auch zahlreiche westliche Unterstützer teilgenommen, darunter der Anwalt des damaligen US-Präsidenten Donald Trump, Rudy Giuliani.

Assadollah A. arbeitet für den iranischen Geheimdienst

Auf diese Kundgebung sollte ein Sprengstoffanschlag verübt werden, den französische, belgische und deutsche Ermittler nach eigenen Angaben vereiteln konnten. Laut dem nun gesprochenen Urteil gehörten nicht nur Assadollah A., sondern weitere Geheimdienst-Mitarbeiter zu der Terrorgruppe, die das Attentat plante.

Brisant ist das Urteil, weil Assadollah A. den Ermittlungen zufolge Mitarbeiter des iranischen Geheimdienstes MOIS ist, zu dessen Aufgaben die Beobachtung und Bekämpfung oppositioneller Gruppierungen innerhalb und außerhalb des Irans gehört. Es gilt deswegen als möglich, dass den Anschlagsplänen ein direkter staatlicher Auftrag zugrunde lag.

Diese These vertritt auch die im Iran verbotene Oppositionsgruppe NWRI. Die Regierung in Teheran weist die Vorwürfe vehement zurück und behauptet, dass die Terrorplanungen von Regimegegnern inszeniert worden seien.

"Heute ist ein historischer Tag"

Es ist das erste Mal seit der Islamischen Revolution im Iran 1979, dass ein iranischer Offizieller in der Europäischen Union wegen mutmaßlichem Terrorismus vor Gericht stand und verurteilt wurde. "Heute ist ein historischer Tag", sagte ein Vertreter der belgischen Anklage nach der Urteilsverkündung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Februar 2021 um 15:00 Uhr.