Peter Marki-Zay | AFP

Kandidat Marki-Zay Anziehend für Opposition und Orban-Wähler

Stand: 18.10.2021 12:41 Uhr

Mit Peter Marki-Zay tritt in Ungarn ein Oppositionskandidat an, der Orban gefährlich werden kann: Als Ökonom mit Großfamilie holt er auch konservative Wähler ab - und er siegte schon einmal gegen Orbans Partei.

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Peter Marki-Zay, Sieger der Vorwahl des ungarischen Oppositionsbündnisses, trat am späten Abend vor seine Anhänger. Seine Botschaft ist klar: Nach der Vorwahl muss die Opposition zusammenhalten und alte Gräben zuschütten. "Es ist nur eine Frage geblieben: Fidesz oder kein Fidesz? Es ist die einzige Frage bis zur nächsten Wahl!", sagt er. Selbst für die Anhänger der Regierungspartei sei es besser, wenn sie im April 2022 in die Opposition wechsle.

Srdjan Govedarica ARD-Studio Wien

Ein Bündnis von Linksliberal bis Konservativ

Marki-Zay wird den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban und seine Partei Fidesz bei den Parlamentswahlen im Frühjahr als Kandidat der Opposition herausfordern. Denn er hat die zweite Runde der Vorwahl der ungarischen Oppositionsparteien zur Kür eines gemeinsamen Spitzenkandidaten deutlich gewonnen.

Um nicht erneut gegen die Regierungspartei Fidesz von Ministerpräsident Orban zu verlieren, will die ungarische Opposition dieses Mal einen gemeinsamen Kandidaten in den Wahlkampf schicken. Sechs Parteien - von linksliberal bis konservativ - gehören zu dem Bündnis. Gergely Karacsony, grün-liberaler Bürgermeister von Budapest, hatte selbst gute Chancen, Spitzenkandidat der Opposition zu werden. Doch auf den letzten Metern zog Karacsony seine Kandidatur zurück und gab eine Wahlempfehlung für Marki-Zay ab.

Am Wahlabend sieht er einen Grund zum Jubeln: "Wir haben gewonnen! Wir alle zehn Millionen haben gewonnen", rief er den Ungarn zu. "Dieser Tag hat nur einen Verlierer. Nur ein Mensch hat Grund traurig zu sein. Nur einer hat einen Grund, seine Sachen zu packen und vor der Zukunft zu zittern. Er heißt Viktor Orban."

Anziehungskraft auf junge Wähler?

Der 49-Jährige Wirtschaftswissenschaftler Peter Marki-Zay vertritt ein klassisch-konservatives Familienbild und war selbst auch mal Fidesz-Sympathisant, wandte sich dann aber ab. Einen Sieg bei den Vorwahlen der Opposition hatte ihm kaum jemand zugetraut. Nun gilt er als der Kandidat, mit dem sowohl enttäuschte Orban-Wähler als auch einige Oppositionsanhänger leben können.

"Er hat eine ernstzunehmende Anziehungskraft. Insbesondere unter jungen Menschen", attestiert ihm Politikwissenschaftler Gabor Török von der Corvinus-Universität in Budapest. "Man konnte sehen, dass er in der Kampagne neue Wähler involvieren konnte."

Dass es mit vereinten Kräften funktionieren kann, hat Marki-Zay schon 2018 bewiesen: Damals gewann er völlig überraschend das Bürgermeisteramt in der Fidesz-Hochburg Hodmezövasarhely - mit einem starken Oppositionsbündnis im Rücken.

"Fidesz darauf nicht vorbereitet"

Nun also auf der großen Bühne gegen Orban. Auch hier ist der gläubige, siebenfache Familienvater Marky-Zay ein ernst zu nehmender Gegner, der zum Problem für Orbans Partei werden könnte, meint Törok: "Wir dürfen nicht vergessen, dass die Fidesz auf so etwas nicht vorbereitet ist. Der Plan war anders. Meiner Meinung nach ist die Unsicherheit aus Sicht der Fidesz deutlich größer geworden."

Durchgesetzt hat sich Marki-Zay gegen die Sozialdemokratin Klara Dobrev von der Partei Demokratische Koalition. Bei der Vorwahl hatten binnen sechs Tagen 662.000 Wählerinnen und Wähler abgestimmt.

Eine hohe Zahl, die die Erwartungen der Organisatoren übertroffen hat und auch in der Fidesz-Parteizentrale nicht unbemerkt geblieben ist. "Ich bin sicher, dass ab Montagmorgen die Propagandamaschinerie der Fidesz anspringen wird", warnt Anna Orosz, die Parteichefin der oppositionellen Momentum-Bewegung. "Und sie werden alles dafür tun, dass die oppositionellen Parteien, die oppositionellen Wähler, die oppositionelle Politiker aufeinander losgehen. Das dürfen wir nicht zulassen!"

Über dieses Thema berichtete BR24 aktuell am 18. Oktober 2021 um 13:20 Uhr.