Boote liegen im ausgetrockneten Binnenhafen Chisi Island im Osten Malawis. (Archivbild 2018) | AFP

UN-Report Ärmere Länder brauchen weitere Klimahilfen

Stand: 04.11.2021 18:13 Uhr

Die Entwicklungsländer benötigen zum Schutz vor den Folgen des Klimawandels nach UN-Angaben bis zu zehnmal höhere Finanzhilfen als vorgesehen. Das Geld fließe zu langsam - und der Anteil zur Anpassung an Klimafolgen sei zu gering.

Die weltweiten Finanzmittel für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels sind einer Untersuchung zufolge zu niedrig. Die geschätzten Kosten für die Klimaanpassung, die Entwicklungsländer zu tragen haben, seien fünf- bis zehnmal höher als die Mittel, über die sie derzeit verfügen, heißt es im "Adaptation Gap Report 2021" des UN-Umweltprogramms UNEP. Demnach benötigten allein die Entwicklungsländer bis 2030 bis zu 300 Milliarden Dollar pro Jahr für Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und bis zu 500 Milliarden Dollar jährlich bis 2050.

"Selbst wenn wir heute den Hahn für die Treibhausgasemissionen zudrehen sollten, werden uns die Folgen des Klimawandels für viele Jahrzehnte begleiten", sagte UNEP-Chefin Inger Andersen am Rande der Klimakonferenz in Glasgow. Um die Schäden und Verluste durch den Klimawandel deutlich zu verringern, forderte Andersen einen Durchbruch bei den Anpassungsmaßnahmen und mehr Ehrgeiz bei den Finanzhilfen. "Das Geld fließt immer noch nicht so, wie es fließen sollte", sagte sie.

Zwar stehe die Anpassung an Klimafolgen wie Stürme, Starkregen oder Hitzewellen immer häufiger auf der politischen Agenda, so Andersen. Aber insgesamt sei das Budget zu klein.

Geber-Länder verfehlen Finanzziel

Ursprünglich hatten sich die Industriestaaten vorgenommen, bis zum Jahr 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für den Klimaschutz und die Klimaanpassung in ärmeren Staaten bereitzustellen. Kurz vor Beginn des Klimagipfels hatten Industriestaaten eingestanden, ihr Ziel für jährliche Klimahilfen an ärmere Länder verfehlt zu haben. Nun soll das Ziel nach Angaben der Geber-Länder erst ab 2023 erreicht sein.

Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegt die bislang erreichte Summe bei rund 80 Milliarden Dollar pro Jahr. Ein Großteil der Summe ist jedoch für die Verringerung der Treibhausgasemissionen vorgesehen. Den Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels wurde bislang weniger Gewicht beigemessen. Der Anteil, der hierfür reserviert ist, liegt nach UN-Angaben bei lediglich 25 Prozent.

"Wenn ich Klimawandel habe, hast auch du Klimawandel"

Die Staaten des globalen Südens und Umweltorganisationen fordern, dass der Anteil für Anpassungsmaßnahmen an die Folgen des Klimawandels auf 50 Prozent erhöht wird. Sie sind noch stärker von Stürmen, Überschwemmungen und Dürren betroffenen als die Industrienationen.

Die Folgen des Klimawandels würden aber jeden treffen, so UNEP-Chefin Andersen. "Kein Land ist isoliert. Wenn ich Klimawandel habe, hast auch du Klimawandel", sagte sie. Die Corona-Pandemie habe die Situation weiter verschärft, vor allem für die ärmsten Staaten. "Wir müssen die Klimaanpassungsmittel hochschrauben", sagte auch der Präsident der Klimakonferenz, Alok Sharma.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. November 2021 um 09:08 Uhr.