Ein M142 High Mobility Artillery Rocket System (HIMARS) wird an einem unbekannten Ort in der Ukraine abgefeuert | VIA PAVLO NAROZHNYY via REUTERS

Raketenwerfer und Munition Neue US-Lieferungen für die Ukraine

Stand: 09.07.2022 12:18 Uhr

Die russische Artillerieüberlegenheit stellt die ukrainische Armee vor große Probleme. Die Lieferung weiterer US-Raketenwerfer kommt für Kiew zur richtigen Zeit. Erstmals stellen die USA zudem präzisere Granaten zur Verfügung.

Die US-Regierung beliefert die ukrainische Armee nach eigenen Angaben mit weiteren Waffensystemen und Munition. Demnach hat das neue Paket einen Wert von etwa 400 Millionen Dollar.

Die Ukraine erhält unter anderem vier weitere HIMARS-Mehrfachraketenwerfer mit passender Munition, Radargeräte zur Artillerieaufklärung, Fahrzeuge und Ersatzteile, sagte eine hochrangige Vertreterin des US-Verteidigungsministeriums.

Dazu kommen 1000 "besonders präzise" 155-Millimeter-Artilleriegranaten. Es sei das erste Mal, dass die USA diese Munition an die Ukraine lieferten, so das Pentagon. Details wurden nicht genannt. Dabei könnte es sich um das LR-PG-Kit (Long Range Precision Guidance) handeln, das nicht nur genauer, sondern auch gegen elektronische Störversuche gewappnet sein soll. Möglich wäre auch die Lieferung von Excalibur-Munition, die auch von der Panzerhaubitze 2000 verschossen werden kann.

Ukrainische Soldaten feuern aus einer Haubitze M777 in der ostukrainischen Region Donezk. | dpa

Die Ukraine setzt große Hoffnungen auf Haubitzenlieferungen aus dem Westen. Bild: dpa

Wurden HIMARS-Werfer zerstört?

Die USA wiesen gleichzeitig russische Angaben zurück, dass zwei HIMARS-Werfer in der Ukraine zerstört worden seien. Alle gelieferten HIMARS-Systeme seien weiterhin im Einsatz.

Die USA sind ein wichtiger Verbündeter und Waffenlieferant der Ukraine. Nach eigenen Angaben haben die Vereinigten Staaten Waffen und Ausrüstung im Wert von rund 7,3 Milliarden Dollar zugesagt oder bereits geliefert.

Training in Großbritannien

Ein enger Verbündeter ist auch Großbritannien. Dort hat nach Angaben der Regierung in London die Ausbildung ukrainischer Soldaten auf vier Stützpunkten begonnen. Das Training beinhaltet den Umgang mit Waffen, Erste Hilfe auf dem Schlachtfeld, Patrouillentaktiken und Kriegsrecht. Alle vier Monate könnten bis zu 10.000 Ukrainer ausgebildet werden.

Großbritannien hat speziell für die Kurse AK-Sturmgewehre angeschafft, damit die ukrainischen Rekruten mit gewohnten Waffen trainieren können.

Das Verteidigungsministerium in London erwartet neue russische Angriffe im Donbass. Dafür würden Reserven aus ganz Russland zusammengezogen. Es handele sich um "Ad-hoc-Zusammenstellungen", die nur über veraltete Fahrzeuge verfügten, hieß es unter Berufung auf Geheimdienstinformationen.

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/08.07.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/08.07.2022

Neue russische Angriffe

Die russische Armee setzt ihre Angriffe aus Lyssytschansk in Richtung Westen fort. "Wir geben uns Mühe, die bewaffneten Gruppierungen der Russen auf ganzer Linie aufzuhalten", sagte der ukrainische Gouverneur von Luhansk, Serhij Hajdaj. Allerdings greifen sie Hajdaj zufolge von mehreren Seiten an. Durch russische Raketenangriffe und Artilleriebeschuss werde eine "echte Hölle" erzeugt.

Viele Experten rechnen mit einem Vormarsch auf die größeren Städte Slowjansk und Kramatorsk in der Region Donezk. In Kramatorsk liegt das regionale ukrainische Armeehauptquartier. Viele Bewohner sind bereits geflohen, in der Gegend haben Ukrainer Befestigungen errichtet.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Mit Gefechten rechnet die ukrainische Seite auch weiter im Süden des Landes. Die Vize-Regierungschefin Irina Wereschtschuk rief die Menschen in den besetzten Teilen der Region Saporischschja und im Gebiet Cherson auf, sich in Sicherheit zu bringen. In der Region Cherson gibt es seit Wochen Angriffe der Ukraine auf russische Stellungen.

Ukraine mit hohen Verlusten

Nach Einschätzung des österreichischen Bundesheeres verschiebt sich das Kräfteverhältnis zunehmend in Richtung der russischen Angreifer. Vor den schweren Kämpfen im Donbass vor etwa zwei Monaten sei man noch von einem Verhältnis von etwa 81 ukrainischen Bataillonsäquivalten zu 93 russischen taktischen Bataillonsgruppen ausgegangen, erläuterte Oberst Reisner, der Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung an der Theresianischen Militärakademie, in seinem neuesten YouTube-Video.

Inzwischen könne man eher von einem Verhältnis 60 zu 108 ausgehen. Während die russische Seite Verstärkungen heranführen könne, sei die ukrainische Armee zunehmend "abgenützt" - hat also Verluste erlitten. Es sei möglich, dass die Einheiten durch die Kämpfe jeweils nicht über die volle Stärke verfügten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Juli 2022 um 12:50 Uhr.