Dieses vom Pressebüro des ukrainischen Präsidenten zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, während eines Interviews mit der Rundfunkanstalt BBC. | dpa

Krieg gegen die Ukraine Selenskyj droht Moskau mit Verhandlungsabbruch

Stand: 16.04.2022 21:34 Uhr

Sollte die russische Armee in Mariupol alle ukrainischen Soldaten "ausschalten", könne das das Ende der Verhandlungen bedeuten, so der ukrainische Präsident Selenskyj. Moskau will bereits alle gegnerischen Streitkräfte vertrieben haben.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland mit einem Ende der Friedensverhandlungen gedroht, falls die ukrainischen Kämpfer in der Hafenstadt Mariupol getötet werden sollten. Für beide Seiten wäre das eine "Sackgasse, denn wir verhandeln weder über unsere Territorien noch über unsere Leute", sagte Selenskyj der Nachrichten-Website Ukrainska Prawda.

"Kein Vertrauen in Verhandlungen"

Die Verhandlungen, die eine russische und eine ukrainische Delegation kurz nach Kriegsbeginn begonnen hatten, seien jedoch notwendig, um den ukrainischen Staat zu verteidigen und die Kämpfe zu beenden. Die Lage sei sehr schwierig", sagte Selenskyj. "Um ehrlich zu sein, haben wir kein Vertrauen in die Verhandlungen über Mariupol."

Die russischen Truppen verhielten sich gegenüber den verschiedenen ukrainischen Einheiten unterschiedlich, so Selenskyj. "Es gibt dort Militärs, welche sie absolut hassen, und ich glaube nicht, dass sie diese am Leben lassen", sagte er mit Blick auf das ultranationalistische Asow-Regiment.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Das russische Verteidigungsministerium meldete einem Medienbericht zufolge eine fast komplette Vertreibung der ukrainischen Streitkräfte aus Mariupol. Es seien noch einige Kämpfer in der Fabrik Asowstal eingeschlossen, zitiert die Nachrichtenagentur RIA einen Sprecher des Ministeriums.

Russen wollen Hafen bereits kontrollieren

Bereits Mitte der Woche hatte das Ministerium erklärt, dass die russischen Truppen die volle Kontrolle über den Hafen von Mariupol erlangt hätten. Die Stadt war Anfang März komplett von russischen Truppen eingeschlossen worden. Nach russischen Angaben sollen die Ukrainer mehr als 4000 Militärangehörige in der Stadt verloren haben. Die Angaben lassen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen.

Mariupol ist die größte Stadt zwischen der von Russland annektierten Krim-Halbinsel und den pro-russischen Separatistengebieten. Mit einer Eroberung der Hafenstadt würden die russischen Truppen eine Landverbindung zwischen den beiden Gebieten herstellen und die Ukraine vom Asowschen Meer abschneiden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 16. April 2022 um 23:25 Uhr.