Ukrainische Flüchtlinge in einem Bahnhof im polnisch-ukrainischen Grenzgebiet (Archivbild). | REUTERS

Ukrainische Frauen Vergewaltigung als Waffe

Stand: 12.04.2022 03:16 Uhr

Vor dem UN-Sicherheitsrat haben Hilfsorganisationen und Aktivistinnen eindringlich das Leid der ukrainischen Zivilbevölkerung beschrieben. Neben Kindern sind es besonders Frauen, die zur Zielscheibe werden.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

In den 40 Jahren seiner Arbeit habe er nicht solch ein Ausmaß von Zerstörung gesehen wie seit dem russischen Einmarsch in der Ukraine. Der Direktor des UNICEF-Nothilfeprogramms Manuel Fontaine warnt vor dem UN-Sicherheitsrat nach seiner Rückkehr von dort: "Jeden Tag, den dieser Krieg andauert, leiden Kinder."

Antje Passenheim ARD-Studio New York

142 Mädchen und Jungen seien bisher nach offiziellen UN-Informationen in diesem Krieg ums Leben gekommen - weit mehr wurden verletzt. Etwa der kleine Vlad, den Fontaine auf der Intensivstation einer Klinik traf.

Dem Vierjährigen ist zweimal in den Bauch geschossen worden, als er mit seiner Familie aus einer Kampfzone fliehen wollte. Obwohl er noch bewusstlos ist, wird er überleben - nicht so viele andere.

In vielen ukrainischen Orten würden Kinder mit ihren Familien angegriffen. Knapp zwei Drittel aller Kinder seien seit dem Beginn der russischen Invasion aus ihrem Zuhause geflohen. Die Hälfte der rund drei Millionen Kinder, die noch im Land zurückgeblieben seien, hätte nicht genug zu essen. In Städten wie Mariupol und Cherson im Süden der Ukraine sei die Lage schlimmer. Dort müssten Menschen seit Wochen ohne fließendes Wasser, Sanitärversorgung und regelmäßige Essenslieferungen auskommen.

Sorge vor Menschenhandel und Verschleppungen

Mit den Kindern sind vor allem Frauen die Hauptbetroffenen dieses Kriegs, mahnte die Exekutivdirektorin der Frauenorganisation UN Women, Sima Bahous. "Die Kombination von Massenvertreibung und der Brutalität gegen ukrainische Zivilisten hat alle roten Flaggen aktiviert."

Rund 59.000 Ukrainer seien ins Nachbarland Moldawien geflüchtet. Bahous habe dort viele traumatisierte Gewaltopfer getroffen. Busladungen voller erschöpfter und verängstigter Frauen und Kinder. Gezeichnet von schlimmster Gewalt. Durch die Vertreibungen wachse die Gefahr des Menschenhandels. Bahous rief alle an die Ukraine angrenzenden Länder zu Maßnahmen auf, um Mädchen und Frauen vor solcher Verschleppung zu schützen.

Frauen im öffentlichen Leben besonders im Visier

Zum ersten Mal seit der russischen Invasion sprach eine zugeschaltete ukrainische Aktivistin vor dem Sicherheitsrat über die Lage der Frauen dort.

"Gewalt und Vergewaltigung wird von den russischen Invasoren als Waffe eingesetzt", sagte Kateryna Cherepakha. Sie berichtete von Frauen und Mädchen die mehrfach vergewaltigt wurden. Verschleppt, getötet. Im Visier der russischen Soldaten seien besonders Aktivistinnen, Journalistinnen und Funktionsträgerinnen.

Eine Kindergartenleiterin wurde von den Besatzern wegen ihres Berufs ermordet. Sie sagten: 'Du sollst keine Nazis erziehen.'

UN-Women-Chefin Bahous betonte: 80 Prozent aller medizinischen und sozialen Hilfskräfte in der Ukraine seien Frauen. Trotz aller Gefahren verließen sie ihre Gemeinden, um den Geflüchteten im eigenen Land und jenseits der Grenzen zu helfen. Sie wollten nicht nur als Opfer gelten sondern aktiv zu Lösungen beitragen. Die Frauen müssten mit Blick auf die Zukunft stark politisch eingebunden werden.

Über dieses Thema berichtete das Morgenmagazin im Ersten am 12. April 2022 um 08:13 Uhr.