Mitglieder der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) bei der Inspektion des Kernkraftwerks Saporischschja. | dpa

AKW Saporischschja Doch keine dauerhafte Präsenz der IAEA?

Stand: 04.09.2022 16:53 Uhr

Von russischer Seite wird infrage gestellt, dass die IAEA-Vertreter länger im besetzten AKW Saporischschja sein werden. In der Ukraine glauben viele ohnehin nicht an einen Erfolg der Mission. Die Kämpfe gehen an vielen Frontabschnitten weiter.

Von Stephan Laack, WDR Köln, für das ARD-Studio Moskau

Es sei ein Unterschied wie Tag und Nacht hatte der Leiter der Internationalen Atomenergieagentur IAEA, Rafel Grossi, gesagt - jetzt, da sich unabhängige Experten in dem von Russland besetzten ukrainischen AKW befänden, bekäme man eigene Informationen zur Lage in dem Atommeiler.

Stephan Laack ARD-Studio Moskau

Doch wie lange diese Mission dauern wird, ist noch nicht ganz klar. Grossi hatte den dauerhaften Verbleib von Experten ins Spiel gebracht. Wladimir Rogow, Vertreter der russischen Besatzungsverwaltung vor Ort, sagte heute dem Radiosender der russischen Zeitung "Komsomolskaja Prawda", das Team würde übermorgen abreisen, so die vorläufige Planung.

Nachdem das AKW Saporischschja am Samstag wieder wegen Beschuss vom ukrainischen Stromnetz getrennt worden war, hieß es in einer Mitteilung der IAEA, die Anlage liefere weiterhin Strom über eine Reserveleitung. Ein Reaktor arbeite noch und produziere Strom für Kühlung und andere wesentliche Sicherheitsfunktionen der Anlage.

IAEA-Bericht kommende Woche erwartet

Anfang der kommenden Woche wollen die Inspekteure ihren Bericht zur Sicherheit des Kernkraftwerks vorstellen. Die Ukraine fordert, der Atommeiler müsse entmilitarisiert werden, um die Sicherheit dort wirklich gewährleisten zu können. Den Abzug russischer Soldaten lehnt Russland ab. Insofern glauben viele in Kiew nicht an einen Erfolg der IAEA-Mission.

Pavlo Kazarin, ein Journalist, der momentan bei den ukrainischen Streitkräften im Einsatz ist, meinte in einer Talkrunde im ukrainischen Fernsehen :

Ich glaube nicht, dass irgendeine diplomatische Maßnahme den heutigen Kreml, das heutige Russland, zu irgendetwas zwingen kann. Auch nicht beim besetzten ukrainischen Kernkraftwerk. Vielleicht ist der Besuch internationaler Organisationen in den besetzten Gebieten eher der Versuch, diesen Organisationen und ihrem Leiter jegliche Illusionen zum russischen Vorgehen und ihrem Verhandlungswillen zu nehmen.

Kämpfe an allen Frontabschnitten

Nach russischen Angaben war die Situation um das AKW bis zum Sonntagnachmittag relativ ruhig. Dafür gehen russische Angriffe im Osten und Süden des Landes weiter. In seiner täglichen Videobotschaft sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj:

Heftige Kämpfe gibt es an vielen Frontabschnitten: Im Gebiet Charkiw, im Donbass und im Süden des Landes. Russische Truppen griffen die Region Mykolajiw an, das Gebiet Saporischschja, die Region Dniporpetrowsk und Charkiw. Leider gibt es Opfer - darunter auch Kinder." Details zu den Opferzahlen gibt es nicht.
Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/03.09.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/03.09.2022

Getreidesilo soll getroffen worden sein

Die ukrainische Hafenstadt Otschakow im Gebiet Mykolajiw wurde ebenfalls beschossen. Der stellvertretende Bürgermeister Olkesij Waskow über die Schäden des russischen Luftangriffs:

Das Getreidesilo in Otschakow wurde zerstört. Mehrere tausend Tonnen Getreide wurden vernichtet. Unsere kommunalen Dienste sind jetzt dabei, die Trümmer zu beseitigen. Dutzende von Häusern wurden ebenfalls beschädigt, glücklicherweise gab es keine Verletzten.

Derweil hofft die Ukraine auf weitere Unterstützung der EU. Der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal ist heute zu Gesprächen in Berlin. Über Telegram teilte er mit, er rechne damit, dass sein Land in der kommenden Woche fünf Milliarden Euro von der EU erhalte - damit solle unter anderem die Wirtschaft und die Armee unterstützt werden.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 04. September 2022 um 18:07 Uhr.