Menschen stehen an einem Bus in der Region Rostow am Don, nachdem sie aus Donezk, einem von prorussischen Kämpfern kontrollierten Gebiet in der Ostukraine, evakuiert wurden. | dpa

Ukraine-Konflikt Separatistenführer ordnen Generalmobilmachung an

Stand: 19.02.2022 08:45 Uhr

Die Situation im Osten der Ukraine spitzt sich weiter zu: Die pro-russischen Separatisten in Donezk und Luhansk haben eine vollständige militärische Mobilmachung angeordnet. Zudem laufen die Evakuierungen der Städte und Dörfer fort.

Der Chef der pro-russischen Rebellen der selbst ernannten "Volksrepublik" Donezk in der Ostukraine hat zur "Generalmobilmachung" aufgerufen. "Heute habe ich ein Dekret über die Generalmobilmachung unterzeichnet", sagte Denis Puschilin in einer veröffentlichten Video-Botschaft. Er rief die Bürger, die Reservisten seien, auf, "in die Einschreibebüros des Militärs zu kommen". "Ich appelliere an alle Männer der Republik, die in der Lage sind, eine Waffe in der Hand zu halten, sich für ihre Familien, ihre Kinder, ihre Frauen, ihre Mütter einzusetzen."

Auch der Chef der pro-russischen Rebellen in der selbst ernannten "Volksrepublik" Luhansk hat eine "Generalmobilmachung" angeordnet. Leonid Pasetschnik unterzeichnete ebenfalls ein entsprechendes "Dekret".

Evakuierungen fortgesetzt

Unterdessen liefen die Evakuierungen der Städte und Dörfer in den Regionen Luhansk und Donezk weiter. Nach Angaben der Donezker Separatisten wurden bereits mehr als 6000 Menschen in Sicherheit gebracht, darunter 2400 Kinder. In der südrussischen Region Rostow stehen für diese Menschen Unterkünfte bereit.

Die Separatistenführungen hatten am Freitag zur Flucht aufgerufen und den Appell mit einem drohenden Angriff durch ukrainische Regierungstruppen begründet. Das ukrainische Militär hatte betont, keine Offensive gegen die Region zu planen.

OSZE: Verstöße gegen Waffenstillstand nehmen zu

Im Zuge der massiven Spannungen zwischen Russland und der Ukraine gab es nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zuletzt eine "dramatische Zunahme" der Angriffe entlang der Frontlinie in der Ostukraine. Am Donnerstag wurden demnach in Donezk 222 Verstöße gegen den Waffenstillstand gezählt, darunter 135 Explosionen. Am Mittwoch waren es laut OSZE noch 189 solcher Vorfälle gewesen, am Dienstag 24.

Die zunehmende Gewalt in der Ostukraine nährt die Furcht vor einem russischen Einmarsch in die Ukraine weiter. US-Präsident Joe Biden sagte am Freitag, er sei "überzeugt", dass Kreml-Chef Wladimir Putin die Entscheidung für den Angriff auf das Nachbarland bereits "getroffen hat". Er rechne mit der Invasion in den "kommenden Tagen". 

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, es könne "keinen Zweifel geben, dass wir nun die größte Konzentration militärischer Streitkräfte in Europa seit dem Ende des Kalten Krieges erleben".

Russland kündigt für heute Großmanöver an

Ein massiver russischer Truppenaufmarsch mit nach westlichen Angaben inzwischen rund 150.000 Soldaten schürt seit Wochen Befürchtungen vor einem Einmarsch Russlands in die Ukraine. Moskau bestreitet jegliche Angriffspläne und führt seinerseits an, sich von der NATO bedroht zu fühlen.

Für heute setzte Russland ein Großmanöver seiner Armee an, das von Putin selbst beaufsichtigt wird. Dabei sollen strategische Truppen sowie ballistische Raketen einbezogen werden, wie das Verteidigungsministerium in Moskau ankündigte. Beteiligt sein sollen die Luftwaffe, Armeeeinheiten aus dem südlichen Militärbezirk sowie die Schwarzmeer- und die Nordmeer-Flotte.

Seit 2014 kämpfen in den ostukrainischen Gebieten Donezk und Luhansk unweit der russischen Grenze vom Westen unterstützte Regierungstruppen gegen von Russland unterstützte Separatisten. UN-Schätzungen zufolge sind bereits mehr als 14.000 Menschen getötet worden, zumeist im Separatistengebiet. Ein Friedensplan von 2015 unter deutsch-französischer Vermittlung wird nicht umgesetzt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Februar 2022 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.