Ein zerstörter Panzer in der Region Tschernihiw  | EPA

Krieg gegen die Ukraine Neue Angriffe und neue Währung

Stand: 28.04.2022 12:32 Uhr

Während russische Einheiten im Osten der Ukraine langsam vorrücken, wird immer deutlicher, dass Teile des Landes dauerhaft besetzt bleiben sollen. Der moskautreue Machthaber in Cherson kündigte die Einführung des Rubel an.

Die russische Armee verstärkt ihre Angriffe im Osten und Süden der Ukraine. Die "russischen Besatzer" würden praktisch von allen Seiten intensiv angreifen und Ziele unter Beschuss nehmen, teilte der Generalstab in Kiew mit. Moskau ziehe zusätzliche Kräfte in die Nähe von Isjum im Gebiet Charkiw zusammen - mit dem Ziel, die ukrainischen Einheiten weiter im Osten einzukreisen, hieß es weiter.

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/26.04.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/26.04.2022

Schwere Zerstörungen gemeldet

Der Gouverneur von Luhansk, Serhij Hajdaj, berichtete im Nachrichtenkanal Telegram von schweren Zerstörungen in den umkämpften Städten Lyssytschansk und Popasna. Vier Menschen seien bei russischen Angriffen im Gebiet Luhansk innerhalb eines Tages getötet und vier weitere verletzt worden. Die russische Armee habe bei Luftangriffen und Artilleriebeschuss Dutzende Male zivile Ziele beschossen, sagte Hajdaj.

Nach Darstellung des ukrainischen Generalstabs nutzen die russischen Streitkräfte weiterhin den Flughafen von Melitopol im Gebiet Saporischschja als Basis für ihre Kampfflugzeuge und -hubschrauber. Laut dem ukrainischen Präsidentenberater Oleksij Arestowitsch "konzentrieren sich die Bemühungen der russischen Invasoren auf Slawjansk, Kramatorsk und Mariupol".

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

"Rückkehr von Cherson ausgeschlossen"

Die Konzentration der russischen Angriffe auf den Süden und Osten der Ukraine zeigen, dass es Moskau wohl um eine dauerhafte Besetzung des Landes geht. Dies zeigen auch Äußerungen der von Russland eingesetzten Machthaber im südukrainischen Gebiet Cherson: "Die Frage einer Rückkehr des Gebiets Cherson in die nazistische Ukraine ist ausgeschlossen", sagte Kirill Stremoussow von der moskautreuen Verwaltung der russischen Staatsagentur Ria Nowosti.

Stremoussow sagte, dass es keine Volksabstimmung über den Status der Region geben werde. Die Regierung in Kiew hatte gewarnt, Russland plane im Gebiet Cherson ein Referendum über eine Unabhängigkeit nach dem Vorbild der ostukrainischen Separatistengebiete Donezk und Luhansk. Russland hat das Gebiet Cherson bereits seit Wochen fast vollständig besetzt. In der gleichnamigen Stadt Cherson kommt es immer wieder zu Protesten gegen die russischen Truppen.

Der moskautreue Machthaber kündigte zudem an, dass in dem Gebiet vom ersten Mai an der russische Rubel als Zahlungsmittel eingeführt werde. Während einer viermonatigen Übergangsphase könne auch noch die ukrainische Hrywna genutzt werden, sagte er. Dann gelte aber nur noch der Rubel.

Explosionen nahe des Fernsehturms

In der Nacht hatte es in der Stadt Cherson nach ukrainischen Angaben mehrere Explosionen gegeben. Demnach hätten sich die Detonationen unweit des Fernsehzentrums ereignet. Danach sei ein Feuer ausgebrochen. Die ukrainische Online-Zeitung "Ukrajinska Prawda" berichtete, durch die Raketenangriffe sei der Betrieb russischer Fernsehsender unterbrochen worden. Ria Nowosti zufolge wurde die Ausstrahlung des Programms später wieder aufgenommen.

Aus Russland hieß es hingegen, man habe mehrere Angriffe abgewehrt: Es seien unter anderem zwei ukrainische Raketen des Typs "Totschka-U" von Russlands Luftabwehr abgeschossen worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenkow. Auch ein Dutzend Geschosse aus Raketenwerfern seien vernichtet worden. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Mindestens drei Tote in Charkiw

Bei neuen Bombenangriffen in der Region Charkiw wurden ukrainischen Angaben zufolge mindestens drei Menschen getötet und sechs verletzt, darunter ein 14 Jahre altes Kind. Die örtliche Verwaltung machte Russland für die zivilen Opfer verantwortlich.

Kiew beobachtet Lage in Transnistrien aufmerksam

Nach Berichten über Explosionen in Transnistrien beobachtet die ukrainische Regierung die Lage in dem prorussischen Separatistengebiet in Moldau aufmerksam. "Wir haben Transnistrien immer als Brückenkopf betrachtet, von dem gewisse Risiken für uns ausgehen können", sagte Präsidentenberater Mychajlo Podoljak nach Angaben der Agentur Unian gestern Abend. Die ukrainische Führung sei sich der von Transnistrien ausgehenden Gefahren bewusst, weshalb in den ukrainischen Regionen Odessa und Winnyzja "unter dem Gesichtspunkt der Verteidigung alles gut durchdacht" sei.

Podoljak schätzte die Zahl der von Russland kommandierten Soldaten in Transnistrien auf 1500 bis 2000. "Von ihnen sind 500 bis 600 Russen und der Rest Einheimische." Die jüngsten Explosionen bezeichnete der Präsidentenberater als Versuch der Provokation.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. April 2022 um 12:00 Uhr.