Das von der belarussischen Staatsagentur BelTA verbreitete und von AP zur Verfügung gestellte Bild zeigt Oleksij Resnikow (l), Verteidigungsminister der Ukraine, David Arachamija (2.v.l), Fraktionsvorsitzende der ukrainischen Diener des Volkes, Mychajlo Podoljak (3.v.l), Präsidentenberater, Boris Gryslow (4.v.r, verdeckt), Botschafter von Russland in Belarus, Leonid Slutsky (3.v.r), Vorsitzender des Ausschusses für internationale Angelegenheiten der russischen Staatsduma, Alexander Fomin (2.v.r), Vize-Verteidigungsminister von Russland, und Andrej Rudenko, Vize-Außenminister von Russland begrüßen sich vor den Gesprächen nahe der polnisch-belarussischen Grenze. | dpa

Verhandlungen zu Ukraine-Krieg Einigung über Schaffung humanitärer Korridore

Stand: 04.03.2022 02:12 Uhr

Am achten Tag des Krieges haben sich die Ukraine und Russland auf die Schaffung humanitärer Korridore geeinigt. Russlands Präsident Putin erneuerte derweil seine Forderung nach einer Demilitarisierung der Ukraine.

Eine Woche nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine haben sich Kiew und Moskau nach ukrainischen Angaben auf die Schaffung humanitärer Korridore verständigt, um Zivilisten aus besonders umkämpften Kriegsgebieten herausholen zu können.

Das sagten Vertreter beider Seiten nach einem zweiten Treffen, das im polnisch-belarusischen Grenzgebiet stattgefunden hatte. Der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak betonte zugleich, dass bei dem Treffen im belarussisch-polnischen Grenzgebiet einige erhoffte Ergebnisse nicht erreicht worden seien.

Der russische Delegationsleiter Wladimir Medinski sprach von einer "möglichen vorübergehenden Einstellung der Feindseligkeiten" in den entsprechenden Gebieten für den Zeitraum der Evakuierung. Podoljak sagte, die "humanitären Korridore" sollten auch genutzt werden, um die Bevölkerung mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen.

Eine flächendeckende Waffenruhe - wie von Kiew zuvor gefordert - ist offenbar nicht geplant. "Das heißt, nicht überall, aber an den Orten, an denen es diese humanitären Korridore geben wird, wird es möglicherweise für die Dauer der Durchführung dieser Operation eine Feuerpause geben", sagte Podoljak. Zunächst war nicht klar, um welche Gebiete es sich handeln soll.

Podoljak zeigte sich mit dem Gesprächsverlauf grundsätzlich unzufrieden. "Zu unserem großen Bedauern haben wir nicht die Ergebnisse erreicht, auf die wir gehofft hatten", sagte er. "Wir haben vereinbart, die Verhandlungen in allernächster Zeit fortzusetzen."

Russland fordert Demilitarisierung der Ukraine

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte vor den Verhandlungen in einem Telefonat mit seinem französischen Kollegen Emmanuel Macron die Forderungen seines Landes bekräftigt. Zuvorderst gehe es um die Demilitarisierung der Ukraine und deren neutralen Status. Zugleich drohte der Kreml: "Versuche, Zeit zu gewinnen, indem die Verhandlungen in die Länge gezogen werden, führen nur zu zusätzlichen Forderungen an Kiew in unserer Verhandlungsposition." Russland hatte auf Befehl von Putin vor einer Woche den Angriff aufs Nachbarland Ukraine begonnen.

Nach dem Telefonat gab sich Macron pessimistisch. Man glaube, in dem Krieg stünde das Schlimmste noch bevor, so der Élyséepalast. Wie es in Paris weiter hieß, ist es Putins klares Ziel, die gesamte Ukraine unter seine Kontrolle zu bringen. Nach französischen Angaben ging die Initiative für das Telefonat von Putin aus. Im Anschluss telefonierte Macron mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Vor Beginn der zweiten Verhandlungsrunde hatte die Regierung in Kiew betont, sie werde keine "Ultimaten" Moskaus akzeptieren.

Stattdessen forderte Selenskyj Putin zu direkten Gesprächen auf. "Wenn Du nicht (mit Deinen Truppen aus der Ukraine) abhauen willst, setz Dich zu mir an den Verhandlungstisch, ich habe Zeit", sagte Selenskyj vor Journalisten. "Aber nicht auf 30 Meter Abstand wie mit (dem französischen Präsidenten Emmanuel) Macron, (Bundeskanzler Olaf) Scholz - ich bin doch ein Nachbar", sagte Selenskyj. "Ich beiße nicht. Ich bin ein ganz normaler Typ. Setz Dich zu mir, sag mir, wovor Du Angst hast."

Putin: Russlands "Militär-Operation" in Ukraine läuft nach Plan

Eine Woche nach dem Einmarsch ins Nachbarland Ukraine zeigte sich Putin in Moskau derweil demonstrativ mit dem Einsatz zufrieden gezeigt. "Ich möchte sagen, dass die militärische Spezial-Operation streng nach Zeitplan und nach Plan verläuft", sagte Putin bei einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats, deren Beginn im Staatsfernsehen gezeigt wurde. "Alle gesetzten Aufgaben werden erfolgreich gelöst."

Putin sprach den Angehörigen der in der Ukraine getöteten russischen Soldaten sein Beileid aus und legte eine Schweigeminute ein. Am Mittwoch hatte das Verteidigungsministerium in Moskau mitgeteilt, dass 498 Russen getötet worden seien. Die Familien der getöteten Soldaten erhielten jeweils rund 12,4 Millionen Rubel (rund 105 000 Euro), sagte Putin. Auch Verwundete sollten Entschädigungszahlungen erhalten.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. März 2022 um 17:00 Uhr.