Wolodymyr Selenskyj  | dpa

Ukrainischer Präsident "Russische Ultimaten nicht akzeptabel"

Stand: 21.03.2022 20:42 Uhr

Die Ukraine will sich laut Präsident Selenskyj keinen Ultimaten aus Russland beugen. Kompromisse mit Russland könnten nur nach einem Referendum umgesetzt werden. Unterdessen gehen die Angriffe auf Städte wie Kiew und Odessa weiter.

Die Ukraine will sich Russland trotz fortgesetzter Angriffe und der sich verschärfenden humanitären Lage nicht beugen. Russland habe ein Ende des Krieges in Aussicht gestellt, falls die Ukraine eine Reihe von Bedingungen erfülle, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj dem Sender Suspilne. Die Ukraine werde auf solche Ultimaten aber nicht eingehen. Selenskyj fügte hinzu, Kompromisse mit Russland könnten nur nach einem Referendum umgesetzt werden. Welche Fragen das konkret betreffen könnte, führte er nicht aus.

Ziel Russlands sei es, die Ukraine zu zerstören, sagte Selenskyj. Moskau wolle unter anderem die "Übergabe" der Städte Mariupol, Charkiw und Kiew durch die Ukraine erreichen. Dem könnten aber "weder die Menschen in Charkiw noch die in Mariupol oder Kiew noch ich, der Präsident", nachkommen.

Unerfüllbare Forderungen

Moskaus Maximalforderungen beinhalten die Neutralität der Ukraine sowie eine Entmilitarisierung des Nachbarlandes. Außerdem fordert Russland die Anerkennung der Krim als russisches Staatsgebiet sowie die Unabhängigkeit der abtrünnigen sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk.

Mit Blick auf die Kämpfe hatte Russland am Sonntag die ukrainischen Truppen in der belagerten Hafenstadt Mariupol aufgefordert, die Waffen niederzulegen und die Stadt am Montagvormittag zu verlassen. Eine solche Kapitulation lehnte die ukrainische Führung kategorisch ab. "Es wird keine Kapitulation, kein Niederlegen der Waffen geben", sagte Vize-Regierungschefin Irina Wereschtschuk. Das Ultimatum ließen die Ukrainer verstreichen.

Angriffe auf Odessa und Kiew

Unterdessen gehen die Kämpfe in der Ukraine weiter. Nun wurden nach Behördenangaben erstmals Teile von Odessa beschossen. Die Hafenstadt ist die drittgrößte der Ukraine und strategisch wichtig - die Stadt am schwarzen Meer hat den größten Hafen des Landes und ist somit die wichtigste Verbindung für den ukrainischen Handel.

Der Vormarsch der russischen Truppen auf Kiew ist offenbar ins Stocken geraten. Allerdings setzte Russland den Beschuss der ukrainischen Hauptstadt und anderer Städte am Montag fort. Bei einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in Kiew wurden nach Behördenangaben mindestens acht Menschen getötet. Bei einer Evakuierungsaktion in Saporischschja sollen nach ukrainischen Angaben mehrere Menschen verletzt worden sein, darunter vier Kinder. Offenbar wurden Busse beschossen, in denen sich Flüchtlinge befanden.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Ukraine: Russland betreibt Staatsterrorismus

Auch in der von ihr besetzten Stadt Cherson hat die russische Armee nach ukrainischen Angaben auf unbewaffnete Demonstranten geschossen. "In Cherson haben russische Kriegsverbrecher das Feuer auf unbewaffnete Menschen eröffnet, die friedlich gegen die Invasoren protestierten", schrieb der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba auf Twitter. "Dies ist das hässliche Gesicht Russlands, eine Schande für die Menschheit." 

Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksii Reznikov sagte bei einem Besuch in London, seit dem Einmarsch Russlands seien 150 ukrainische Kinder getötet worden, mehr als 400 Schulen und Kindergärten und mehr als 110 Krankenhäuser zerstört worden. "Das ist Staatsterrorismus. Deshalb muss der Kreml gestoppt werden, weil er weiter gehen wird. Er wird andere Länder angreifen", sagte Reznikov. Belege für seine Behauptung führte er nicht an. Russland bestreitet Angriffe auf Zivilisten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. März 2022 um 16:00 Uhr.