Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir in Kiew

Özdemir und Lauterbach in der Ukraine "Ein Zeichen der Solidarität"

Stand: 10.06.2022 12:28 Uhr

Agrarminister Özdemir und Gesundheitsminister Lauterbach sind zu Gesprächen in die Ukraine gereist. Özdemir sagte bei seinem Besuch in Kiew den ukrainischen Landwirten Unterstützung zu. Lauterbach will mehr medizinische Hilfe bieten.

Bundesagrarminister Cem Özdemir ist in der ukrainischen Hauptstadt Kiew zu Gesprächen mit seinem Amtskollegen Mykola Solskyj zusammengekommen. Özdemir werde mit Solskyj unter anderem über die globale Ernährungssicherheit sprechen, teilte ein Ministeriumssprecher mit. Dafür suche man nach sicheren Wegen für Agrarexporte, hieß es. Deutschland setzt sich außerdem dafür ein, ukrainische Getreideexporte auf anderen Wegen zu ermöglichen, da übliche Ausfuhren über Schwarzmeerhäfen vorerst blockiert sind.

Anschließend will der Grünen-Politiker auch Landwirtschaftsbetriebe besuchen, um sich ein Bild von der Lage auf den Höfen und dem aktuellen Bedarf der ukrainischen Agrarbranche zu machen. "Wir wollen darüber sprechen, wie wir der ukrainischen Landwirtschaft helfen können, aber es geht natürlich auch um ein Zeichen der Solidarität", sagte Özdemir. 

"Landwirte leisten Übermenschliches"

Vor seiner Reise hatte Özdemir der "Rheinischen Post" gesagt, bei seinem Besuch gehe es ihm "um die Anerkennung der ukrainischen Landwirte. Sie leisten Übermenschliches, indem sie ihr Land verteidigen und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Ukraine und die Welt mit Lebensmitteln versorgt werden". Persönlich sei es ihm ein Anliegen, Solidarität mit den Ukrainern in schwieriger Zeit zu zeigen. Man müsse dafür sorgen, dass die Ukraine nach dem Krieg schnell wieder Tritt fasse, so Özdemir.

"Der Kampf, den die Menschen der Ukraine austragen, den tragen sie stellvertretend aus für all die Menschen, die in der Welt an Demokratie, an Menschenrechte glauben und nicht daran glauben, dass die Zukunft von autoritären Herrschern wie Herrn Putin bestimmt wird", fügte der Grünen-Politiker hinzu. "Und dann geht es natürlich auch darum zu zeigen, die Ukraine lebt, die Ukraine wird leben."

Der Krieg hat zu weltweit angespannten Agrarmärkten sowie steigenden Preisen geführt und löst auch Sorgen um die Ernährungssicherung in einigen Ländern aus. Denn die Ukraine ist ein großer Exporteur unter anderem von Weizen vor allem nach Nordafrika und Asien. Nach Angaben der Regierung in Kiew können wegen Blockaden von Schwarzmeerhäfen durch Russland mehr als 23 Millionen Tonnen Getreide und Ölsaaten nicht exportiert werden.

Lauterbach sagt Hilfe zu

Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist in die Ukraine gereist, nach Lwiw im Westen des Landes. Dort sagte er der Ukraine Unterstützung bei der Versorgung Schwerverletzter zu. "Die Ukraine braucht humanitäre Hilfe genauso dringend wie unsere militärische Unterstützung", sagte Lauterbach laut einer Mitteilung seines Ministeriums. Lauterbach wurde von seinem ukrainischen Amtskollegen Viktor Ljaschko empfangen.

Bei seinem Besuch nahm der Minister demnach auch an einer Geberkonferenz für den Aufbau eines Reha-Zentrums für Kriegsversehrte teil. Zudem wollte er mehrere Krankenhäuser besuchen. Ziel sei es, die Ukraine beim Aufbau von Traumazentren für Verletzte, bei der Versorgung mit Prothesen und beim Einsatz von deutschen Ärztinnen und Ärzten zu unterstützen.

"Kinder treten auf Minen, verlieren Gliedmaßen", erklärte der Minister. "Wohnblocks werden beschossen, auch unschuldige Zivilisten und Kinder schwer verletzt. Die humanitären Folgen dieses barbarischen Angriffskrieges gegen die Menschen in der Ukraine sind unermesslich." Deshalb helfe Deutschland auch gezielt bei der Gesundheitsversorgung der Menschen, "die starke Verbrennungen erlitten haben, die Beine oder Arme verloren haben und die wichtige Medikamente benötigen".

Karl Lauterbach an einem Konferentisch | picture alliance / photothek

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und seine Delegation treffen sich mit dem ukrainischen Gesundheitsminister Wiktor Ljaschko und seinen Mitarbeitern Bild: picture alliance / photothek

Gefechte in Sjewjerodonezk gehen weiter

Die erbitterten Kämpfe um die ostukrainische Region des Donbass gehen derweil weiter. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach gestern in seiner abendlichen Videobotschaft von einigen positive Nachrichten aus der südöstlichen Region Saporischschja. Dort sei es ukrainischen Streitkräften gelungen, russische Truppen abzuwehren. Außerdem rücke das ukrainische Militär in der Region Charkiw vor. Ein Schwerpunkt der Gefechte liegt noch immer in der Stadt Sjewjerodonezk. Dort liefern sich ukrainische und russische Soldaten erbitterte Häuserkämpfe.

Die ukrainische Armee soll zudem die benachbarte Stadt Lyssytschansk weiter befestigen. Die Region ist der letzte Teil der Region Luhansk, die noch nicht von Russland kontrolliert wird.

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/09.06.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/09.06.2022

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Juni 2022 um 11:00 Uhr.