Natalija Sarizka | dpa

"Frauen aus Stahl" Ukrainerinnen fordern Freilassung Gefangener

Stand: 30.05.2022 20:17 Uhr

Russland nahm Tausende ukrainische Kämpfer in Kriegsgefangenschaft - auch die Verteidiger von Mariupol aus dem Asow-Stahlwerk. In Kiew meldeten sich nun deren Ehefrauen, Mütter und Schwestern zu Wort.

Nach der Gefangennahme Hunderter ukrainischer Kämpfer des Asow-Regiments in der Hafenstadt Mariupol haben die Schwestern, Ehefrauen und Mütter Russland zur Freilassung der Männer aufgefordert. Die Verteidiger von Mariupol hätten heldenhaft und auf Befehl die Stadt gegen die russischen Angriffe verteidigt.

"Sie sind Helden und dürfen nicht in Vergessenheit geraten und müssen nach Hause zurückkehren", sagte Natalija Sarizka in Kiew vor Journalisten. Sie ist Initiatorin der neuen Organisation "Frauen aus Stahl" in Anlehnung an die Männer, die wochenlang in dem Asow-Stahlwerk in Mariupol die Stellung gehalten hatten, bis sich die letzten von ihnen am 20. Mai in Gefangenschaft begaben.

Sarizka und weitere Frauen forderten die internationale Gemeinschaft auf, alles für die Freilassung der Männer zu tun. Auch Kriegsgefangene hätten Rechte, sagte Sarizka. Sie hat zu ihrem Mann seit dem 17. Mai keinen Kontakt mehr. Dabei stünden ihm etwa zwei Telefonate pro Woche zu. "Wir stehen als Frauen zusammen. Unsere Stärke ist der Zusammenhalt", sagte sie.

Putin verspricht rechtmäßige Behandlung

Nach russischen Angaben kamen etwa 2500 Kämpfer in Gefangenschaft. Hunderte hatten sich zwischen dem 16. und 20. Mai ergeben, nachdem sie wochenlang in den unterirdischen Tunnels des Asow-Stahlwerks ausgeharrt hatten. Unklar ist, wo sie festgehalten werden. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte den Vereinten Nationen und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz zugesichert, dass die Männer gemäß den internationalen Rechtsstandards behandelt würden. Sie sollten auch medizinisch versorgt werden.

"Dieses Versprechen ist die einzige Hoffnung, dass er zumindest das hält", sagte Sandra Krotewytsch über den Kremlchef. Ihr Bruder Bohdan Krotewytsch (29) sei stellvertretender Kommandeur des Asow-Regiments gewesen. "Ich weiß nicht, wo er ist, wie es um seine Gesundheit steht. Ihm drohen Folter und Misshandlungen in russischer Gefangenschaft", sagte sie der Nachrichtenagentur dpa in Kiew. Sie hoffe, dass er über ein Drittland in die Ukraine zurückkehren könne.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Separatisten: Gefangenen droht Todesstrafe

Den Gefangenen droht nach den Worten eines führenden Vertreters der pro-russischen Separatisten die Todesstrafe. Die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti zitierte Jurij Sirowatko, den Justizminister der selbsternannten Volksrepublik Donezk, mit der Aussage, für die "Straftaten", die den Kämpfern vorgeworfen würden, "haben wir die schwerste Strafe: die Todesstrafe".

Alle "Kriegsgefangenen" befänden sich auf dem "Gebiet der DNR", also der selbsternannten Volksrepublik. Darunter seien 2300 Kämpfer aus dem Asow-Stahlwerk. Sirowatko ergänzte, das Asow-Regiment werde "als terroristische Organisation betrachtet", gegen alle ihm angehörigen Kämpfer werde "strafrechtlich ermittelt".

Die Regierung in Kiew hat mehrfach erklärt, die Asow-Kämpfer gegen russische Kriegsgefangene austauschen zu wollen. Moskau erklärte hingegen, die ukrainischen Kämpfer sollten vor Gericht gestellt werden. Am Samstag hatten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und der französische Präsident Emmanuel Macron in einem Telefonat mit Putin die Freilassung der gefangenen Kämpfer aus dem Stahlwerk gefordert.