Frische Gräber auf einem Friedhof in Mariupol  | AFP

Russische Invasion Ukraine meldet 10.000 getötete Soldaten

Stand: 11.06.2022 07:42 Uhr

Nach Angaben von Präsidentenberater Arestowytsch wurden bislang etwa 10.000 ukrainische Soldaten getötet. In Mariupol ist dem Bürgermeister zufolge Cholera ausgebrochen, Leichen verwesten in den Straßen.

Seit der russischen Invasion im Februar sind nach Angaben eines Beraters des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj etwa 10.000 ukrainische Soldaten getötet worden. Die Zahl fiel in einem der regelmäßigen YouTube-Videointerviews des Präsidenten-Vertrauen Olexij Arestowytsch mit dem russischen Oppositionellen Mark Feygin. Zuvor hatte der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow gesagt, dass aktuell täglich bis zu 100 ukrainische Soldaten getötet würden.

Arestowytsch sagte darüber hinaus, dass auf ukrainischer Seite auch zu Beginn des Krieges etwa 100 Militärangehörige pro Tag gestorben seien. Auf die Frage, ob man also von etwa 10.000 getöteten Soldaten insgesamt ausgehen könne, antwortete er: "Ja, so in etwa." Laut Arestowytsch werden aber dauerhaft mehr russische als ukrainische Soldaten getötet.

Weder von der Ukraine noch von Russland gab es bisher erschöpfende Angaben zu den Verlusten in dem am 24. Februar begonnenen Krieg. Selenskyj hatte zuletzt Mitte April in einem CNN-Interview von bis zu 3000 getöteten Soldaten gesprochen.

"Russland will jede Stadt im Donbass zerstören"

In der Ostukraine gehen unterdessen die Kämpfe ohne große Veränderungen des Frontverlaufs weiter. Die ukrainische Seite spricht von Erfolgen ihrer Artillerie dank westlicher Munition - und appelliert, das Tempo der Waffenlieferungen zu erhöhen. Die Schlagkraft der ukrainischen Streitkräfte sei abhängig von der Lieferung westlicher Waffen, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Die Truppen täten alles, um die russische Offensive zu stoppen, solange es ausreichend schwere Waffen und Artillerie gebe.

"Russland will jede Stadt im Donbass zerstören, 'jede' ist keine Übertreibung. Wie Wolnowacha, wie Mariupol", so Selenskyj. "All diese Ruinen einst glücklicher Städte, die schwarzen Spuren von Bränden, die Krater von Explosionen: Das ist alles, was Russland seinen Nachbarn, Europa, der Welt geben kann."

Offenbar Cholera in Mariupol

Der Bürgermeister der von russischen Truppen kontrollierten südukrainischen Stadt Mariupol hat die Vereinten Nationen und das Internationale Rote Kreuz aufgefordert, sich für die Einrichtung eines Fluchtkorridors einzusetzen, damit die verbliebenen Einwohnerinnen und Einwohner die Stadt verlassen können. Es sei die Cholera ausgebrochen. "Es gibt einen Ausbruch von Dysenterie und Cholera", sagte er im ukrainischen Fernsehen. "Der Krieg, der mehr als 20.000 Menschen das Leben gekostet hat, wird mit diesen Infektionsausbrüchen leider die Leben weiterer Tausender von Menschen in Mariupol fordern." Die sanitären Anlagen seien zerstört worden. Leichen verwesten in den Straßen.

Bürgermeister: Russen reißen Häuser mit Toten ab

Außerdem warf er den Besatzern vor, in der Stadt Mehrfamilienhäuser abzureißen, ohne zuvor die Leichen getöteter Bewohner zu bergen. Die Toten würden mit dem Schutt abtransportiert, schrieb Boitschenko im Nachrichtendienst Telegram.

In der wochenlang von russischen Truppen belagerten Hafenstadt seien 1300 Gebäude zerstört worden und unter den mehrstöckigen Häusern würden jeweils 50 bis 100 Tote vermutet. Die Angaben können nicht unabhängig überprüft werden. Ukrainische Behörden schätzten die Zahl der in Mariupol getöteten Zivilisten noch vor der Eroberung durch russische Truppen auf bis zu 20.000.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Russland händigt in ukrainischem Gebiet Pässe aus

Derweil setzt Russland seine Versuche fort, besetzte ukrainische Gebiete enger an sich zu binden. Von heute an sollen in den von russischen Truppen kontrollierten Teilen der Region Saporischschja russische Pässe ausgehändigt werden. Die Empfänger würden danach als vollwertige Bürger Russlands betrachtet, sagte ein Mitglied der Besatzungsbehörden, Wladimir Rogow, dem Fernsehsender Rossija-24. Ihm zufolge haben dort mehr als 70.000 Menschen Anträge gestellt.

Präsident Wladimir Putin hatte im Mai das Verfahren für den Erhalt russischer Pässe vereinfacht. Russland verteilt sie auch in anderen besetzen Gebieten und führt dort auch den Rubel als Zahlungsmittel ein. Ukrainische Behörden werfen den Besatzern vor, Menschen in die russische Staatsbürgerschaft zu drängen und befürchten eine Annexion der besetzten Gebiete.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Juni 2022 um 12:00 Uhr.