Alexander Lukaschenko | dpa

Lukaschenko zum Ukraine-Konflikt "Willst Du Frieden, bereite Dich auf Krieg vor"

Stand: 28.01.2022 14:06 Uhr

Einmal mehr hat der belarusische Machthaber Lukaschenko Moskau im Ukraine-Konflikt Unterstützung zugesichert. Werde es nötig, würde man Seite an Seite mit Russland kämpfen. Doch aus Moskau kommen beschwichtigende Töne.

Von Martha Wilczynski, ARD-Studio Moskau

Mit durchgedrücktem Rücken steht der belarusische Machthaber Alexander Lukaschenko auf der Bühne und blickt in den vollbesetzen Saal des Minsker Palastes der Republik. Auch die mehr als zweieinhalb Tausend Anwesenden haben sich zur Nationalhymne erhoben. Eine Maske trägt dabei kaum jemand. Belarus habe Corona gut unter Kontrolle, wird Lukaschenko später erklären.

Martha Wilczynski ARD-Studio Moskau

Krieg? Nur bei Angriff

Zunächst aber geht es in seiner Rede an das belarusische Volk und die Nationalversammlung um ein anderes, drängendes Thema: "Wird es Krieg geben oder nicht? Ja, es wird ihn geben. Aber nur in zwei Fällen: Wenn es zu einer direkten Aggression gegen Belarus kommt, also ein heißer Krieg gegen Belarus angefacht wird. Und im zweiten Fall, wenn unser Alliierter, die Russische Föderation, angegriffen und eine ähnliche Aggression gegen Russland durchgeführt wird."

Auch die Frage, ob es russische Truppen auf belarusischem Territorium geben werde, stellt und bejaht der Machthaber. Im Falle einer Aggression würden laut Lukaschenko Hunderttausende russische und belarusische Soldaten Seite an Seite kämpfen.

Gemeinsames Manöver: Russland und Belarus

Schon jetzt verlegt Russland Einheiten seines Luftabwehrsystems S-400 nach Belarus - für ein gemeinsames, für Mitte Februar angesetztes Manöver unter dem Namen: verbündete Entschlossenheit.

Bereits zu Beginn der Woche hatte das US-Außenministerium warnende Worte auch nach Minsk geschickt. Man werde "entschieden antworten", sollte sich Belarus an einem potentiellen russischen Einmarsch in die Ukraine beteiligen. Denn gerade auch mit Blick auf den südlichen Nachbarn eskaliert Lukaschenko - zumindest rhetorisch - immer häufiger.

"Wir werden Ukraine zurückholen"

"Für den Westen ist es wichtig, die russisch-ukrainische Bruderschaft, unsere slawische Bruderschaft in Blut zu ertränken", sagt Lukaschenko. "Aber die Bruderschaft ist wichtiger als gekünstelte Beleidigungen und politische Ambitionen. Auch wenn es einige nicht wollen: Wir werden unsere Ukraine in den Schoß unseres Slawentums zurückholen."

Botschaften wie diese formuliert Lukaschenko auch klar an den Westen gerichtet. Belarus wolle keinen Krieg, betont er immer wieder. Das belarusische Volk habe in der Vergangenheit genug gelitten. Doch folge man in Minsk der Regel: "Willst Du Frieden, bereite Dich auf den Krieg vor."

Lawrow: "Keine Angriffe auf unsere Interessen zulassen"

Ob es einen Krieg geben werde, will auch RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan im rund 700 Kilometer entfernten Moskau vom russischen Außenminister Sergej Lawrow wissen. Der Chefdiplomat hat mehrere Medien zum Interview geladen, nachdem die USA und NATO ihre Antworten auf Russlands Forderungen nach Sicherheitsgarantien vorgelegt und eine Absage für die aus Kreml-Sicht wichtigsten Punkte erteilt haben: ein grundsätzliches Beitrittsverbot der Ukraine werde es ebenso wenig geben wie den von Moskau geforderten Rückzug der NATO-Truppen.

Wenn es nach Russland gehe, werde es keinen Krieg geben, antwortet Lawrow: "Wir wollen keinen Krieg. Aber wir werden auch keine groben Angriffe auf unsere Interessen zulassen und dass unsere Interessen ignoriert werden."

Dennoch enthalte die Antwort der NATO und der USA Elemente, die einen weiteren Dialog zulassen und das sei "besser als nichts".

Die vorgelegten Dokumente würden nun von russischer Seite eingehend studiert und Antwortvorschläge vorbereitet. Die endgültige Entscheidung, so Lawrow, trifft aber der russische Präsident.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 28. Januar 2022 um 14:20 Uhr.