Rauch steigt nach einer Explosionen aus Richtung eines russischen Militärflugplatzes in der Nähe von Novofedorivka (Krim, Ukraine) in den Himmel. | REUTERS

Krieg gegen die Ukraine Explosionen auf der Krim - wer war es?

Stand: 10.08.2022 14:33 Uhr

Nach den Explosionen auf der annektierten Halbinsel Krim stellt sich die Frage: Wer trägt die Schuld? Einige Beobachter glauben an einen ukrainischen Angriff, aber Kiew bestreitet das. Und auch Moskau dementiert.

Von Marius Reichert, WDR

Die ersten Meldungen und Videos verbreiteten sich wie ein Lauffeuer im Messengerdienst Telegram. Die Videos zeigten Menschen, die am Strand liegen, plötzlich Explosionen, Rauchwolken. Es herrscht Aufregung. Mittlerweile ist klar: Es gab Explosionen auf einem Militärflughafen, im Südwesten der von Russland annektierten Halbinsel Krim. Laut ukrainischen Medien sind die Landebahn des Militärflughafens und ein Munitionslager betroffen. Es soll sich dabei um einen Flughafen handeln, von dem ausschließlich Flugzeuge mit Raketen Richtung Südukraine starten sollen.

War es die Ukraine?

War es ein ukrainischer Angriff? Die Ukraine selbst sagt nein. Präsident Wolodymyr Selenskyi nahm in seiner nächtlichen Videoansprache Bezug auf die Krim, blieb in seiner Rhetorik aber auffällig zurückhaltend: "Dieser russische Krieg gegen die Ukraine und gegen das gesamte freie Europa hat mit der Krim begonnen und muss mit der Krim enden - mit ihrer Befreiung. Heute ist es unmöglich zu sagen, wann dies geschehen wird. Aber wir fügen der Formel für die Befreiung der Krim ständig die notwendigen Komponenten hinzu."

Übt er möglicherweise Zurückhaltung, weil es doch ein ukrainischer Angriff war? Es gibt zumindest mehrere Quellen, unter anderem die "New York Times", die davon sprechen. Demnach sei eine von der Ukraine selbst entwickelte Waffe eingesetzt worden, zitierte die Zeitung einen ranghohen ukrainischen Militär. Nähere Angaben wurden nicht gemacht.

"Natürlich nicht" - sagt die Ukraine

Bei einer Pressekonferenz wird Selenskyis Berater, Michail Podoljak gefragt, ob Kiew jetzt offiziell die Verantwortung für die Explosionen auf der Krim übernimmt. "Natürlich nicht", sagt Podoljak. "Was haben wir damit zu tun? Vielleicht ist das einfach noch der Versuch, das schlechte Management innerhalb der Streitkräfte der Russischen Föderation auszugleichen. Das ist alles. Es war eine Munitionsexplosion."

Zuletzt hatte der militärische Geheimdienst der Ukraine mitgeteilt, dass Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte sowie Militärtechnik auf der Krim Ziele seien, die die Ukraine mit westlichen Artilleriesystemen zerstören wolle.

Russland: Kein Angriff

Sollte tatsächlich die Ukraine für die Explosionen gestern verantwortlich sein, wäre es der erste schwere Schlag auf dem Gebiet der annektierten Halbinsel - über 200 Kilometer hinter der Frontlinie. Russland bestreitet das. Aus dem Verteidigungsministerium hieß es, Munition für Kampfflugzeuge sei explodiert, dabei sei ein Mensch ums Leben gekommen. Als Ursache werden Verstöße gegen den Brandschutz vermutet.

Im Osten und Süden des Landes gehen die Kämpfe derweil weiter. Bei Angriffen im Gebiet Dnipropetrowsk im Süden der Ukraine soll es nach ukrainischen Angaben mindestens elf Tote und mehr als 13 Verletzte gegeben haben. Getroffen wurden den Angaben zufolge ein mehrgeschossiges Wohnhaus, eine Oper, Schulen und ein Wohnheim.

Sorge um AKW Saporischschja

Die Region Dnipropetrowsk liegt nicht weit entfernt vom Atomkraftwerk Saporischschja. Das wurde zuletzt mehrfach beschossen und nährte weltweit die Sorge vor einer atomaren Katastrophe.

Die ukrainischen Behörden vor Ort bleiben in Alarmbereitschaft, und geben sich kämpferisch. Pawlo Kyrylenko, Leiter der Militärverwaltung Donezk sagt: "Der Feind hört nicht auf zu versuchen, unsere Verteidigungsstellungen anzugreifen. Aber es gelingt ihm nicht, er erleidet Verluste und geht. Und auch in Richtung Bakhmut versucht er, die Verteidigung zu durchbrechen, aber die Fähigkeiten der russischen Streitkräfte, das habe ich immer betont, reichen dafür nicht aus."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. August 2022 um 13:03 Uhr.