Rettungskräfte und Anwohner vor den Trümmern eines Gebäudes in Lyssytschansk. | dpa

Nach russischen Angriffen Tote und Verletzte in Süd- und Ostukraine

Stand: 17.06.2022 18:22 Uhr

Im Osten der Ukraine sind nach russischen Bombardierungen aus Lyssytschansk viele Tote gemeldet worden. Auch bei einem Raketenangriff auf Mykolajiw im Süden des Landes soll es Tote und Verletzte gegeben haben.

Bei schweren Bombardierungen der ostukrainischen Stadt Lyssytschansk sollen viele Menschen getötet worden sein. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Bezug auf den Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj. Konkrete Zahlen wurden nicht genannt.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Sjewjerodonezk droht Einkesselung

Die Zwillingsstadt von Lyssytschansk auf der anderen Seite des Flusses - Sjewjerodonezk - ist den Angaben zufolge nicht vollständig von russischen Kräften eingenommen worden. Dort werde weiter gekämpft. Die Nachrichtenagentur dpa meldet, nach Einschätzung des britischen Geheimdienstes drohe nach wie vor eine Einkesselung der strategisch wichtigen Stadt.

Die russischen Truppen hätten ihre Bemühungen fortgesetzt, den Ring um Sjewjerodonezk zu schließen. "In den vergangenen 24 Stunden haben russische Kräfte wahrscheinlich weiterhin versucht, auf der Popasna-Achse die Oberhand zu bekommen, von der sie den Kessel von Sjewjerodonezk vom Süden her einkreisen wollen", heißt es im täglichen Update zum Ukraine-Krieg auf der Website des britischen Verteidigungsministeriums.

Stadtansicht von Sjewjerodonezk mit Rauchschwaden in der Luft | AFP

Stadtansicht von Sjewjerodonezk mit Rauchschwaden in der Luft. Bild: AFP

Chemiefabrik fast vollständig zerstört

In Sjewjerodonezk befindet sich auch die umkämpfte Asot-Chemiefabrik. Sie soll nach russischem Artellerie- und Raketenbeschuss fast vollständig zerstört sein. "Es gibt insgesamt auf dem Territorium des Chemiegiganten keine erhalten gebliebenen Verwaltungsgebäude mehr", so Militärgouverneur Hajdaj auf Telegram.

Dennoch halten sich laut ukrainischen Angaben auf dem Gelände weiter Soldaten und hunderte Zivilisten auf. Eine Evakuierung sei wegen des anhaltenden russischen Beschusses nicht möglich.

Angriff auf russisches Schiff im Schwarzen Meer

Im Schwarzen Meer sollen ukrainische Streitkräfte nach Behördenangaben einen Schlepper der russischen Marine mit Raketen getroffen haben. Das melden mehrere Nachrichtenagenturen. Eine Bestätigung der russischen Flotte liegt laut dpa bislang nicht vor.

Es handelt sich den Angaben zufolge um die "Wassili Beg". Das Schiff soll mit Soldaten, Waffen und Munition auf dem Weg zur seit Ende Februar von Russland besetzten Schlangeninsel südlich der Hafenstadt Odessa gewesen sein. Informationen dazu, ob und wie viele Menschen verletzt worden sind, gibt es bislang nicht. Laut ukrainischen Angaben wurde das Schiff schwer bestätigt.

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/15.06.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/15.06.2022

Tote und Verletzte in Mykolaiw

Einen weiteren russischen Raketenangriff soll es auch im Süden der Ukraine gegeben haben, auf die Stadt Mykolajiw. Dabei wurden laut Regionalgouverneur Witali Kim zwei Menschen getötet und 20 verletzt, darunter ein Kind. Vier Wohngebäude und eine Infrastruktureinrichtung seien beschädigt worden.

Das Hauptziel des von Russland so bezeichneten "militärischen Sondereinsatzes" in der Ukraine bleibt nach Angaben des russischen Präsidialamtes der "Schutz der Bevölkerung" im Donbass. Die Region müsse vor "barbarischen Angriffen" der ukrainischen Streitkräfte gerettet werden, sagte Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Juni 2022 um 17:00 Uhr.