Ein ukrainischer Soldat hilft einem verwundeten Kameraden auf der Straße in dem befreiten Gebiet in der Region Charkiw, Ukraine.  | dpa

Krieg gegen die Ukraine US-Regierung sieht neue Dynamik

Stand: 14.09.2022 02:55 Uhr

Die USA sehen angesichts der ukrainischen Geländegewinne eine neue Dynamik im russischen Angriffskrieg. Gleichzeitig warnte Präsident Biden aber vor verfrühtem Optimismus.

Die US-Regierung sieht angesichts militärischer Erfolge der ukrainischen Truppen eine neue Dynamik im Krieg mit Russland. "Ich denke, was Sie sehen, ist sicherlich eine Verschiebung, ein Momentum der ukrainischen Streitkräfte, insbesondere im Norden", sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby. Er wolle es aber dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj überlassen, zu entscheiden, ob tatsächlich ein Wendepunkt erreicht sei.

US-Präsident Joe Biden entgegnete auf die Frage von Reportern, ob ein Wendepunkt in dem Krieg erreicht sei, dies sei schwer zu sagen. Zwar hätten die Ukrainer bedeutende Fortschritte gemacht, betonte Biden nach Angaben mitreisender Journalisten bei einem Besuch in Wilmington im Bundesstaat Delaware. Es werde aber ein langer Weg sein.

USA: Rückzug, nicht Neuausrichtung

Kirby sagte mit Blick auf die jüngste Entwicklung: "Ich möchte nicht für das ausländische Militär sprechen, aber ich meine, im Norden haben wir gesehen, wie die Russen ihre Verteidigungspositionen evakuiert und sich zurückgezogen haben."

Die russischen Truppen hätten ihre Kampfpositionen verlassen und ihre Vorräte zurückgelassen. "Sie nennen es eine Neupositionierung, aber es ist sicher, dass sie sich angesichts der ukrainischen Streitkräfte, die eindeutig in der Offensive sind, zurückgezogen haben." Kirby betonte gleichzeitig, dass Russland weiterhin große militärische Fähigkeiten habe.

Zusammenhang mit Konflikt im Kaukasus?

Mit Blick auf die Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan im Südkaukasus sagte Kirby, es sei schwierig, über eine Motivation für das erneute Aufflammen des Konflikts zu sprechen. Russland gilt traditionell als Schutzmacht Armeniens im Kaukasus. Die Kräfte des russischen Militärs sind wegen des seit einem halben Jahr laufenden Angriffskriegs in der Ukraine aber weitgehend gebunden.

Es sei daher möglich, dass einige Anführer der Meinung seien, dass Russland gerade anderweitig beschäftigt sei, sagte Kirby auf die Frage, ob Aserbaidschan dies aktuell ausnutze. "Aber auch hier sollten wir mit Spekulationen vorsichtig sein."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. September 2022 um 06:00 Uhr.