Blick über einige Wohnhäuser in der Stadt Mariupol.  | picture alliance/dpa/AP

Krieg in der Ukraine Mariupol offenbar eingekesselt

Stand: 03.03.2022 13:50 Uhr

Nach russischen Angaben haben Truppen die Hafenstadt Mariupol vollständig umzingelt. Die Behörden vor Ort melden heftigen Beschuss. Der Militärkonvoi auf Kiew ist dagegen offenbar ins Stocken geraten.

Im Krieg gegen die Ukraine sind prorussische Separatisten nach russischen Angaben weiter vorgestoßen. Die strategisch wichtige südukrainische Hafenstadt Mariupol sei nun eingeschlossen, sagte der Sprecher des Moskauer Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, russischen Agenturen zufolge.

Der Bevölkerung war am Vortag ein Abzug nach Osten, also in Richtung der Separatistengebiete angeboten worden. Mariupol am Asowschen Meer hat fast 450.000 Einwohner. Die Einnahme der Stadt würde einen Zusammenschluss der russischen Truppen erleichtern.

Ohne Strom, Heizung und Wasser

Schon seit Tagen gibt es heftige Kämpfe um die Stadt. Die Folge: Nach Luftangriffen ist die Versorgung mit Wasser, Heizungswärme und Strom laut Bürgermeister Wadym Bojtschenko zusammengebrochen.

Bei den Bombardements sollen mehr als 130 Menschen verletzt worden sein. So wurden nach Angaben von Behördenvertretern auch zivile Ziele angegriffen, darunter eine Entbindungsstation und eine Schule. Die Stadt sei aber weiter in ukrainischer Hand.

Prorussische Separatisten unterstützen Armee

Auch andernorts meldet Moskau Eroberungen: Im Osten hätten Separatisten mit Unterstützung der russischen Armee die Stadt Balaklija südostlich der Millionenstadt Charkiw sowie mehrere Siedlungen erobert, sagte Konaschenkow.

In der umkämpften Siedlung Borodjanka gut 50 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kiew sei der "friedlichen Bevölkerung" ein "humanitärer Korridor" angeboten worden, sagte Konaschenkow. Das russische Militär werde einen Abzug nicht behindern. Das Angebot gilt oft als Vorbote eines russischen Großangriffs.

Offenbar Großstadt Cherson eingenommen

Mittlerweile ist offenbar auch die erste Großstadt in der Hand Russlands. Russische Besatzer seien in allen Stadtteilen der südlichen Hafenstadt Cherson, erklärten die dortigen Behörden. Bürgermeister Igor Kolychajew schrieb auf Facebook, russische Soldaten seien in der Stadtverwaltung im Zentrum Chersons gewesen, es wehe aber weiter die ukrainische Flagge über dem Gebäude. Er habe sie "aufgefordert, nicht auf Menschen zu schießen".

Karte der Ukraine | ISW/ 02.03.2022

Die russische Armee ist in zahlreiche Gebiete der Ukraine vorgedrungen. Bild: ISW/ 02.03.2022

Russischer Konvoi auf Kiew steckt fest

Beim russischen Vormarsch auf andere Metropolen gibt es indes offenbar Schwierigkeiten. Ein großer russischer Militärkonvoi kommt nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums auf dem Weg nach Kiew kaum voran. Die Militärkolonne habe in den vergangenen drei Tagen "wenig erkennbare Fortschritte" gemacht und stehe nach wie vor etwa 30 Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt entfernt, hieß es. Das Fortkommen des Konvois wurde durch ukrainischen Widerstand, Pannen und blockierte Straßen verzögert, erklärte das Ministerium.

In Kiew kam es in der Nacht zu mehreren schweren Explosionen. Der Agentur Unian zufolge wurde Luftalarm ausgelöst. Die Bewohner seien aufgerufen worden, sofort Schutz zu suchen, hieß es. Bis zu 15.000 Menschen würden sich zurzeit vor Angriffen in der U-Bahn verstecken, schrieb der Leiter der Kiewer Metro.

Kämpfe in Vororten

Ukrainische Medien berichteten zudem über Kämpfe in Vororten der Millionenstadt. Dabei soll ein russisches Flugzeug abgeschossen worden sein. Die Angaben sind nicht unabhängig zu prüfen. Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb im Nachrichtenkanal Telegram: "Der Feind versucht, in die Hauptstadt durchzubrechen."

Heftiger Beschuss von Charkiw

Trotz schweren russischen Beschusses seien auch die Städte Charkiw und Tschernihiw weiter in ukrainischer Hand, hieß es. Die Ukraine fordert Russland zu einer Feuerpause in den Regionen Charkiw und Sumy auf, um Zivilisten in Sicherheit bringen zu können.

In Charkiw drängte sich nach tagelangem Beschuss durch russische Artillerie und Bomben eine große Menschenmenge am Bahnhof. Offenbar wollen sie die Stadt aus Angst Richtung Westen verlassen.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. März 2022 um 09:00 Uhr.