Ein nach einem Raketenangriff auf die ukrainische Stadt Mariupol beschädigtes Wohnhaus (Archivbild). | dpa

Krieg in der Ukraine Metropolen stehen unter Dauerbeschuss

Stand: 03.03.2022 03:47 Uhr

Die Angriffe auf die großen Städte der Ukraine halten an. Mariupol kann nicht mehr die Stromversorgung aufrecht erhalten - in Kiew wurde offenbar ein Marschflugkörper abgeschossen. Russische Soldaten haben inzwischen Cherson eingenommen.

Auch nach sieben Tagen Krieg nimmt die russische Armee weiter die großen Städte der Ukraine unter Feuer. Besonders die strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol steht nach Angaben ihres Bürgermeisters Wadym Boitschenko unter Dauerbeschuss. Die Stadt sei über 14 Stunden ununterbrochen angegriffen worden, sagte er in einer Ansprache. "Heute war der härteste aller sieben Kriegstage."

Nach den jüngsten Luftangriffen sei die Stadt mit rund 440.000 Einwohnern ohne Licht, ohne Wasser, ohne Heizung, schilderte er. "Unsere Stadtwerke werden darangehen, die kritische Infrastruktur wiederherzustellen." Den Behörden zufolge sind in Mariupol bei Luftangriffen mittlerweile mehr als 130 Menschen verletzt worden. Die Angaben ließen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen.

Neben dem Hafen wurden nach Angaben von Behördenvertretern auch zivile Ziele angegriffen, darunter eine Entbindungsstation und eine Schule. Es gebe Angriffe auf Gebiete, in denen es "keine militärische Infrastruktur" gebe, sagte der Chef der regionalen Militärverwaltung, Pawlo Kyrylenko. Boitschenko warf der russischen Armee vor, Zivilisten am Verlassen der Stadt hindern zu wollen.  Die russische Armee rückt derzeit von zwei Seiten entlang der Küste am Asowschen Meer vor - von der annektierten Halbinsel Krim und von der russischen Grenze aus. Die Einnahme von Mariupol würde einen Zusammenschluss der russischen Truppen erleichtern.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Explosion am Kiewer Bahnhof

Auch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist es zu neuen Luftangriffen gekommen. Laut dem ukrainischen Innenministerium sei ein russischer Marschflugkörper abgeschossen worden. Herabstürzende Trümmer verursachten demnach Detonationen am Hauptbahnhof. "Das Bahnhofsgebäude hielt stand und wurde leicht beschädigt", hieß es in einer Mitteilung des staatseigenen Bahnunternehmens Ukrsalisnyzja. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt.

Ein in sozialen Medien veröffentlichtes Video zeigte Rauch in der Nähe der Gleise aufsteigen. Der Zugverkehr gehe weiter, teilte Ukrsalisnyzja mit. In der Nähe des Bahnhofs liegt das Verteidigungsministerium. In Kiew wie auch in vielen anderen Städten des Landes wurde Luftalarm ausgelöst. Die Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb im Nachrichtenkanal Telegram: "Die Lage ist kompliziert." In der Millionenstadt seien mehrere Explosionen zu hören gewesen. "Mehrere Autos fingen Feuer." Zudem sei eine Polizeistation beschädigt worden. Kämpfe habe es in nördlichen Vororten gegeben.

Einmarsch in Cherson bestätigt

Die ostukrainische Millionenstadt Charkiw erlebte ebenfalls erneut Angriffe. Die Ukraine fordert Russland zu einer Feuerpause in den ostukrainischen Regionen Charkiw und Sumy auf, um Zivilisten in Sicherheit bringen zu können. Die russische Seite werde gebeten, "ihre Feindseligkeiten in Charkiw und Sumy unverzüglich einzustellen, damit wir die Evakuierung der Zivilbevölkerung, einschließlich ausländischer Studenten, in sicherere ukrainische Städte arrangieren können", heißt es in einer Mitteilung des ukrainischen Außenministeriums.

Die ukrainischen Behörden bestätigten inzwischen, dass die russische Armee die Hafenstadt Cherson im Süden eingenommen hat. Regionalverwaltungschef Gennady Lakhuta schrieb im Mitteilungsdienst Telegram, russische "Besatzer" seien in allen Stadtteilen und "sehr gefährlich". Cherson ist die erste Großstadt, die Russland seit dem Einmarsch in die Ukraine vor einer Woche erobert hat. Die russische Armee hatte die Einnahme von Cherson bereits gestern gemeldet. 

Chersons Bürgermeister Igor Kolychajew schrieb auf Facebook, er habe den Russen "keine Versprechungen gemacht" und sie "aufgefordert, nicht auf Menschen zu schießen". Kolychajew rief eine Ausgangssperre aus und verhängte Beschränkungen über den Fahrzeugverkehr. Die Regierung in Kiew hatte zuvor Berichte zurückgewiesen, wonach die Stadt von der russischen Armee eingenommen worden sei. Die Kämpfe in der Hafenstadt würden weiter andauern.

Karte: Ukraine mit Kiew, Charkiw, Mariupol, Cherson, Schytomyr, AKW Saporischschja und Separatistengebiet

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. März 2022 um 05:30 Uhr.