Menschen, die kurz zuvor evakuiert wurden, erhalten am Bahnhof von Uzhhorod in der Westukraine eine warme Mahlzeit. | picture alliance/dpa/Ukrinform

Welternährungsprogramm Wachsende Versorgungsnot in der Ukraine

Stand: 05.03.2022 10:34 Uhr

Das Welternährungsprogramm warnt vor der zunehmend schwierigeren Lebensmittelversorgung vor allem in ukrainischen Städten. Doch auch international droht der Krieg die Hungerkrise in anderen Staaten zu verschärfen.

Das zu den Vereinten Nationen zählende Welternährungsprogramm (WFP) warnt vor einer zunehmend schwierigeren Versorgung der ukrainischen Bevölkerung mit Lebensmitteln. Langfristig könnte der Krieg in dem Land aber auch die Hungerkrise in anderen Staaten verschärfen.

Mit Blick auf die Ukraine würden dem WFP zufolge vor allem aus den Städten Kiew und Charkiw Engpässe gemeldet, sagte der Direktor der Organisation in Deutschland, Martin Frick, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Lebensmittel und Trinkwasser würden knapp. Zudem müssten die Bewohnerinnen und Bewohner in Kellern Schutz suchen und könnten nur unter größter Gefahr Besorgungen machen. 

Hilfe als "Wettlauf gegen die Zeit"

Darum habe es jetzt höchste Priorität, Versorgungswege in die Epizentren des Kriegslandes zu schaffen. Ein internationales Team des WFP sei in der Ukraine und versuche, die Versorgung in Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten zu koordinieren. Laut Frick sind derzeit beispielsweise Lkw aus der Türkei unterwegs, um 400 Tonnen Lebensmittel in die Ukraine zu bringen.

Doch das Bemühen um eine Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Hilfsgütern bezeichnete Frick als "Wettlauf gegen die Zeit". Kampfhandlungen und die wachsende Fluchtbewegung aus der Ukraine heraus erschwerten den Hilfskräften ihren Einsatz. Die Lage werde zunehmend unübersichtlich.

Die "Brotkammer der Welt" liefert nicht mehr

Der Krieg in der Ukraine gefährdet aber auch die Versorgung in anderen Ländern - vor allem mit Weizen. Russland und die Ukraine gelten als die "Kornkammer" der Welt: Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums sind beide Länder zusammen für mehr als ein Viertel der globalen Weizenexporte verantwortlich. Von denen hängen vor allem Länder im arabischen Raum ab, darunter etwa Tunesien, der Libanon oder der Jemen. Auch afrikanische Länder wie Kenia beziehen das Getreide.

Weizenpreis bereits vor Kriegsbeginn drastisch gestiegen

Doch durch den Krieg können Felder in der Ukraine nicht bestellt werden, zudem unterliegt Russland zahlreichen internationalen Sanktionen. Damit drohen die Exporte einzubrechen - was sich auch auf den Preis für Weizen auswirken könnte. Der ist laut WFP im Vergleich zum Vorjahr bereits um 60 Prozent gestiegen und droht sich nun noch weiter zu erhöhen. Schon jetzt geben in vielen der am wenigsten entwickelten Länder Familien mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Essen aus, betonte Frick. Steigende Lebensmittelpreise könnten auch politische Konflikte in anderen Ländern weiter verschärfen. "Der Brotpreis ist immer ein politischer Preis", warnte Frick.

Lebensmittelpreise auf Allzeithoch

Im vergangenen Monat sind die Lebensmittelpreise insgesamt weltweit auf ein Allzeithoch gestiegen. Das teilte die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) mit. Insgesamt lag der Preisindex für Nahrungsmittel im Februar bei durchschnittlich 140,7 Punkten und damit 3,9 Prozent höher als im Januar.

Am stärksten legten demnach die Preise für Pflanzenöle und Milchprodukte zu: Im Vergleich zu den Preisen im Januar verzeichnete die FAO hier ein Plus von 8,5 Prozent und 6,4 Prozent. Auch Getreide wurde im Durchschnitt um drei Prozent teurer. Bei Mais lag die Zunahme sogar bei 5,1 Prozent.

Auch für die Hilfsorganisationen wird der höhere Preis für Nahrung zum Problem. Denn je teurer die Lebensmittel, desto weniger können die Hilfskräfte kaufen und in die Krisengebiete liefern.

Über dieses Thema berichteten am 05. März 2022 die tagesschau u.a. um 09:00 Uhr und tagesschau24 um 09:55 Uhr.