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Videos von toten russischen Soldaten Ukraine nimmt Ermittlungen auf

Stand: 23.11.2022 10:17 Uhr

Vorgetäuschte Kapitulation oder Exekution feindlicher Soldaten? Sowohl die Ukraine als auch Russland sehen in Videos aus dem Internet Belege für Kriegsverbrechen. Jede Seite ermittelt nun zu den Hintergründen der Aufnahmen.

Nach dem Auftauchen von Videoaufnahmen im Internet, die den Tod russischer Soldaten in der Ukraine zeigen sollen, werfen sich Russland und die Ukraine gegenseitig erneut vor, Kriegsverbrechen begangen zu haben. Nun hat die Ukraine bekanntgegeben, die Hintergründe der Aufzeichnungen mittels eigener Ermittlungen aufklären zu wollen.

Die umstrittenen Aufnahmen sollen Mitte November im Ort Makijiwka im Gebiet Luhansk entstanden sein. Sowohl Recherchen der "New York Times" als auch des ARD-Faktenfinders ergaben Hinweise, dass es sich um authentische Aufnahmen handelt. Trotzdem sind die Umstände, unter welchen die Bilder entstanden, völlig unklar.

Das Video soll zeigen, wie ukrainische Soldaten ein Haus umstellt haben, in dem sich russische Streitkräfte verschanzt hatten. Einige der russischen Soldaten haben sich mutmaßlich ergeben und liegen auf dem Boden. Plötzlich taucht ein bewaffneter Mann auf und eröffnet das Feuer. Die Aufnahmen brechen ab.

Ukraine spricht von vorgetäuschter Kapitulation

Aus ukrainischer Sicht zeigen sie eine vorgetäuschte Kapitulation russischer Soldaten. Einige hätten sich zum Schein ergeben, andere Streitkräfte hätten dann das Feuer auf die ukrainischen Truppen eröffnet. Eine solche Tat würde nach internationalem Recht als Kriegsverbrechen zählen. Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft teilte nun mit, sie habe wegen des Vorwurfs einer vorgetäuschten Kapitulation Ermittlungen aufgenommen. Die ukrainischen Soldaten hätten sich lediglich selbst gegen feindlichen Beschuss verteidigt.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Auch Mychajlo Podoljak, ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, sieht in den auf dem Video gezeigten Vorgängen ein russisches Kriegsverbrechen. Es sei zwar tatsächlich zu sehen, dass russische Soldaten versuchten, zu kapitulieren. Aber auch, dass einige Soldaten das Feuer auf ukrainische Soldaten eröffnet hätten, die versucht hätten, die gegnerischen Soldaten gefangenzunehmen. Zwei russische Streitkräfte "kommen heraus und beginnen, auf Menschen zu schießen, auf ukrainische Militärangehörige", sagte Podoljak. Ihm zufolge sei die ukrainische Regierung im Besitz des vollständigen Videos, das bislang aber nicht veröffentlicht worden sei.

Die Ukraine betonte zudem, dass die eigenen Truppen angewiesen seien, so viele russische Gefangene wie möglich zu nehmen, um diese gegen ukrainische Kriegsgefangene in russischer Gewalt auszutauschen.

Russland wirft Ukraine "Exekution" vor

Nach russischer Darstellung haben ukrainische Einsatzkräfte russische Soldaten erschossen, als diese sich offensichtlich ergeben wollten. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, sprach von einer "Exekution" der landeseigenen Streitkräfte. Russland will die Vorfälle selbst strafrechtlich untersuchen und drängt zudem auf eine internationale Untersuchung der Ereignisse.

Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte zuvor bekanntgegeben, dass Russland selbst nach den aus seiner Sicht verantwortlichen ukrainischen Streitkräften suchen werde. "Sie müssen gefunden und bestraft werden", forderte Peskow.

Aus dem Menschenrechtsbüro der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf hieß es bereits, die Vorwürfe rund um die umstrittenen Videoaufnahmen sollten "umgehend, vollständig und wirksam untersucht und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden".

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. November 2022 um 09:11 Uhr.