Ein Kind sitzt in einem Bus im ostukrainischen Sjewjerodonezk (Archivbild Februar 2022). | AP

Krieg gegen die Ukraine Zwei Drittel der Kinder auf der Flucht

Stand: 12.04.2022 11:06 Uhr

Fast zwei Drittel aller ukrainischen Kinder sind nach UN-Angaben seit Kriegsbeginn geflohen. Mindestens 142 Kinder starben bei den Kämpfen bislang. Nach ukrainischen Angaben wurden 121.000 Kinder zudem nach Russland gebracht.

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine mussten nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF fast zwei Drittel aller ukrainischen Kinder ihr Zuhause verlassen. Von den etwa 7,5 Millionen Kindern bis 18 Jahren seien 2,8 Millionen innerhalb des Landes vertrieben worden und zwei Millionen ins Ausland geflohen, sagte der Leiter der UNICEF-Nothilfeprogramme, Manuel Fontaine. "In sechs Wochen ist das einfach unglaublich", so Fontaine.

In 31 Jahren humanitärer Arbeit habe er noch nie eine so große Zahl an geflohenen Kindern in so kurzer Zeit erlebt, sagte Fontaine. Und von den ukrainischen Kindern, die noch nicht auf der Flucht sind, sei fast die Hälfte von Hunger bedroht. Am schlimmsten sei die Situation in Städten wie Mariupol und Cherson, "wo Kinder und ihre Familien seit Wochen ohne fließendes Wasser und sanitäre Einrichtungen, regelmäßige Lebensmittelversorgung und medizinische Versorgung leben".

UNICEF: Ukraine-Krieg ist "Alptraum für Kinder"

Die UN bestätigten bislang den Tod von 142 Kindern, wenngleich diese Zahl sicher viel höher sei, erklärte UNICEF. Die ukrainische Justiz selbst sprach zuletzt von mindestens 186 getöteten und 344 verletzten Kindern und Jugendlichen. UNICEF verwies auf die vielen Minderjährigen, die entweder mit ihren Familien geflüchtet seien oder weiter im Kriegsgebiet ausharrten. "Der Krieg ist weiter ein Alptraum für die Kinder der Ukraine", sagte Fontaine.

Mehr als 4,5 Millionen Menschen seien seit Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar ins Ausland geflohen, hieß es weiter. Davon seien etwa 90 Prozent Frauen und Kinder. Sieben Millionen weitere Menschen seien zudem innerhalb der Ukraine vertrieben worden.

Bericht über russische Adoptionsverfahren

Die Lage der Kinder und Frauen in der Ukraine stand auch im Mittelpunkt eines Treffens des UN-Sicherheitsrates. Vor dem Treffen beklagte die norwegische UN-Botschafterin Mona Juul, dass die allermeisten ukrainischen Kinder nicht mehr zur Schule gehen können. 5,7 Millionen Kinder seien von den landesweiten Schulschließungen betroffen, sagte Juul. "Schulen sind wichtig, nicht nur für die Bildung, sondern auch um Kinder vor Gewalt, sexuellem Missbrauch und sogar Menschenhandel zu schützen."

Der ukrainische UN-Botschafter Serhij Kyslyzja gab an, Russland habe mehr als 121.000 Kinder aus der Ukraine gebracht und Berichten zufolge einen Gesetzentwurf erarbeitet, der Adoptionsverfahren bei Waisen und selbst solchen Kindern, die Eltern und andere Angehörige haben, vereinfachen und beschleunigen soll. Die meisten Kinder wurden nach seinen Angaben aus der Hafenstadt Mariupol fortgebracht, in den Osten der Region Donezk und dann in die russische Stadt Taganrog.

Die UN-Frauenorganisation forderte unterdessen eine unabhängige Untersuchung zu sexueller Gewalt im Ukraine-Krieg. "Wir hören immer häufiger von Vergewaltigungen und sexueller Gewalt", sagte die Direktorin von UN Women, Sima Bahous. Diese Berichte müssten unabhängig untersucht werden, um für Gerechtigkeit zu sorgen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. April 2022 um 11:00 Uhr.