Ukrainische Soldaten sind an der Front.  | picture alliance/dpa/AP

Präsidentenberater zum Krieg Ukraine meldet Erfolge bei Gegenoffensive

Stand: 07.09.2022 14:42 Uhr

Die ukrainische Armee greift einem Präsidentenberater zufolge im Süden und im Osten an. Die Situation am Atomkraftwerk Saporischschja bleibt derweil kritisch.

Von Stephan Laack, WDR Köln, für das ARD-Studio Moskau

Das ukrainische Militär sei an zwei Orten gleichzeitig mit ernsthaften Gegenoffensiven beschäftigt - sowohl im Osten als auch im Süden, sagte der ukrainische Präsidentenberater Olexij Arestowytsch: "Unsere Truppen drücken, sie drücken sehr stark, deshalb ist das russische Kommando natürlich verwirrt. Warum an zwei Orten? Weil wir ihnen nicht erlauben wollen, Reserven zu nutzen, indem sie Kräfte hin und her schieben."

Stephan Laack ARD-Studio Moskau

Mehr Informationen wollte er nicht geben. Das sei Sache des Generalstabs, so Arestowytsch. Im Lagebericht des ukrainischen Militärs heißt es heute, man habe Angriffe auf sieben russische Kommandoposten durchgeführt und zudem noch 13 Objekte attackiert, an denen russische Streitkräfte konzentriert sind.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Keine Ortsangaben, kaum überprüfbar

Ortsangaben gab es nicht. Die Regierung in Kiew möchte sich offensichtlich nicht in die Karten schauen lassen. Unabhängig überprüfbar sind derart vage Angaben ohnehin nicht.

Ungewöhnlich offen erklärte der ranghohe pro-russische Separatist Danijl Bessonow, die Ukraine habe die Stadt Balakliia im Gebiet Charkiw angegriffen. Sollte sie zurückerobert werden, würden die russischen Streitkräfte an ihrer Nordwestflanke verwundbarer. Die Stadt liegt zwischen der umkämpften Millionenmetropole Charkiw und dem russisch-besetzten Isjum, wo sich ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt für den russischen Nachschub befindet.

Atomkraftwerk Saporischschja weiter im Fokus

Das Hauptthema ist jedoch nach wie vor die Lage am AKW Saporischschja und der Bericht der internationalen Atomenergiebehörde IAEA, in dem die Experten eine Sicherheitszone rund um das Kernkraftwerk fordern. Russlands Außenminister Lawrow verlangte heute von der IAEA Klarstellungen zum Bericht - ohne zu sagen, um welche Punkte es geht.

Die Experten der IAEA hatten unter anderem gefordert, die Bombardements der Anlage und der Umgebung müssten eingestellt werden. Außerdem müsse militärische Ausrüstung entfernt werden. Der Bericht lässt offen, von wem der Beschuss kommt und wem die Ausrüstung gehört.

Mitarbeitende der IAEA vor dem AKW in Saporischschja. | dpa

Mitarbeitende der internationalen Atomenergiebehörde IAEA vor dem Kernkraftwerk in Saporischschja. Bild: dpa

Selenskyj würde entmilitarisierte Schutzzone unterstützen

Für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj stärkt der Bericht die Position der Ukraine. Sie fordert schon seit Langem den Abzug russischer Soldaten und die Rückgabe des Atomkraftwerks. Selenskyj machte klar, dass sein Land die Einrichtung einer Schutzzone unterstützen würde, wenn das Ziel sei, das Territorium des Kraftwerks zu entmilitarisieren: "Das wäre logisch, denn es war die russische Militärpräsenz, die die Station Saporischschja an den Rand einer Strahlenkatastrophe gebracht hat."

Indessen bleibt die Situation am Kraftwerk äußerst kritisch. Der einzige noch in Betrieb befindliche Reaktor müsse schnellstmöglich wieder an das Stromnetz angeschlossen werden, mahnte der Chef des ukrainischen Betreibers Enerhoatom, Petro Kotin.

"Keine Erfahrungen mit der Situation"

Die Situation ist laut Kotin gefährlich: "Im Moment haben wir eine Einheit, die den Eigenbedarf der Station deckt. Aber wenn diese Situation anhält und wir nicht in der Lage sein sollten, die Versorgung in den kommenden Tagen durch das externe Stromnetz der Ukraine zu erneuern, könnte es dort eine negative Entwicklung der Ereignisse geben."

Kotin sagte, es handele sich derzeit um eine Situation die es so noch nie gegeben habe und die auch nicht vorgesehen sei. Man habe keinerlei Erfahrungen damit. Wenn im Ernstfall die Diesel-Notstromaggregate versagten und die Kühlung in den Reaktorblöcken ausfalle, dauere es nur kurze Zeit bis zu einer Kernschmelze.

Dieser Beitrag lief am 07. September 2022 um 14:21 Uhr auf BR 24.