Geflüchtete aus der Ukraine in Ungarn. | dpa

Krieg gegen die Ukraine 1,25 Millionen Menschen auf der Flucht

Stand: 04.03.2022 14:32 Uhr

Eine gute Woche nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine sind nach UN-Angaben bereits 1,25 Millionen Flüchtlinge unterwegs. Deutschland möchte "unbürokratisch" helfen.

Die Zahl der Flüchtlinge aus der Ukraine beläuft sich nach Angaben der UN-Organisation für Migration (IOM) inzwischen auf 1,25 Millionen Menschen. Davon seien allein etwa 672.000 Menschen nach Polen geflohen, rund 194.000 nach Moldau und etwa 133.000 nach Ungarn, sagte ein IOM-Sprecher. Unter den Geflüchteten seien 78.800 Menschen, die nicht aus der Ukraine, sondern aus 138 verschiedenen anderen Ländern stammten, sagte der Sprecher weiter.

Dutzende Länder hätten die IOM um Hilfe gebeten, um ihre Landsleute aus der Ukraine oder umliegenden Ländern in die Heimat zu holen. Die Organisation untersuche Berichte, wonach Ausländern medizinische Hilfe verweigert worden sei. Solches Verhalten sei völlig inakzeptabel, betonte der Sprecher.

Karte Geflüchtete Ukraine

Vorbereitungen in Deutschland nach EU-Einigung

Die Zahl der in Deutschland registrierten Flüchtlinge aus der Ukraine verdoppelte sich innerhalb eines Tages auf gut 18.000. Die tatsächliche Zahl der Geflüchteten dürfte aber höher liegen. An den Grenzen kontrolliere die Bundespolizei zwar verstärkt, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Es seien aber nur einzelne Kontrollen und keine regulären. 

Bundeskanzler Olaf Scholz kündigte eine intensive Vorbereitung auf die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen an. Die Regierung biete den Geflohenen aus der Ukraine "unbürokratisch" Schutz, sagte Scholz.

Die EU-Länder hatten sich am Donnerstag auf einen gemeinsamen Schutzstatus für Flüchtlinge aus der Ukraine verständigt. Die Geflohenen können damit auch ohne Asylantrag für bis zu drei Jahre in der EU bleiben. Alle EU-Länder begännen nun damit, diese Regelung umzusetzen, sagte Scholz.

Flüchtlinge sollen auch arbeiten können

Flüchtlinge sollen in Deutschland für ihren Unterhalt ähnliche Leistungen wie Asylbewerber erhalten und somit keinen direkten Anspruch auf Hartz IV haben. Darauf laufe eine Einigung zwischen dem Bundesinnenministerium und dem Arbeitsministerium hinaus, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Anders als Asylsuchende sollten sie aber sofort Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt haben. Ihre Aufenthaltserlaubnis beinhalte das Recht, eine Erwerbstätigkeit auszuüben.

Der Deutsche Städtetag fordert rasche Entscheidungen, wie genau die Versorgung der vielen Flüchtenden aus der Ukraine organisiert und bezahlt wird. "Die deutschen Städte plädieren dafür, den aus der Ukraine flüchtenden Menschen einen Zugang in die Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch II zu ermöglichen", sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der Nachrichtenagentur dpa. "Damit wären viele Fragen zur sozialen Sicherung und Gesundheitsversorgung geklärt." Die Kosten der Grundsicherung trägt zum Großteil der Bund.

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey forderte erneut ein enges Zusammenwirken von Bund und Ländern bei der Aufnahme der Ukraine-Flüchtlinge. "Viele kommen in Berlin an, aber wir brauchen eine bundesweite Verteilung der Geflüchteten, um das bewältigen zu können", schrieb die SPD-Politikerin auf ihrer Facebook-Seite.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. März 2022 um 11:26 Uhr und 12:22 Uhr.