Ein Junge steht neben einem Autowrack vor einem Wohnhaus, das während des Ukraine-Russland-Konflikts in der südlichen Hafenstadt Mariupol beschädigt wurde | REUTERS

Krieg gegen die Ukraine Bahnhöfe und eine Raffinerie beschossen

Stand: 25.04.2022 12:48 Uhr

Auf die ukrainische Infrastruktur hat es mehrere russische Angriffe gegeben: Fünf Bahnhöfe wurden mit Raketen beschossen. Nahe der Stadt Krementschuk schlugen Raketen in eine Raffinerie und ein Treibstofflager ein.

In den letztem Tagen hatten sich die russischen Angriffe in der Ukraine vor allem auf den Osten und den Süden des Landes konzentriert. Heute sind offenbar auch in der West- und Zentralukraine mehrere Raketen eingeschlagen. Dabei seien auch fünf Eisenbahnstationen getroffen worden, teilte der Chef der ukrainischen Eisenbahn, Olexander Kamyschin, auf dem Telegram-Kanal des Unternehmens mit. Kamyschin zufolge ereigneten sich die Angriffe innerhalb einer Stunde. Einzelheiten würden geprüft.

"Die russischen Streitkräfte zerstören weiter systematisch die Infrastruktur der Eisenbahn", so Kamyschin. Seinen Angaben nach mussten aus Sicherheitsgründen die Route und der Fahrplan von mehreren Zügen geändert werden. Zu möglichen Verletzten gibt es widersprüchliche Angaben. Über Raketenangriffe hatten auch die Behörden des westukrainischen Gebiets Lwiw und von Winnyzja, südwestlich von Kiew, berichtet.

Der Gouverneur der Region Lwiw, Maksym Kosyzkyj, teilte mit, eine russische Rakete habe am Morgen eine Bahneinrichtung in Krasne, 40 Kilometer östlich von Lwiw, getroffen und ein Feuer ausgelöst.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Raketenangriff auf Raffinerie bei Krementschuk

Nahe der zentralukrainischen Stadt Krementschuk beschossen russische Streitkräfte eine Raffinerie und ein Treibstofflager. "Hochpräzise Langstreckenwaffen zerstörten Treibstoffproduktionsanlagen in einer Ölraffinerie am nördlichen Stadtrand von Krementschuk sowie Lagerstätten für Erdölprodukte, die militärische Ausrüstung für ukrainische Truppen betankten", teilte das russische Verteidigungsministerium mit.

Nach Angaben der ukrainische Militärverwaltung sind neun Raketen in der Raffinerie und dem Heizkraftwerk von Krementschuk eingeschlagen. Es gebe erheblichen Schaden an Gebäuden, die entstandenen Brände seien aber eingedämmt worden, schrieb Verwaltungschef Dmytro Lunin auf Telegram. Ein Mensch sei getötet, sieben weitere seien verletzt worden.

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/24.04.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/24.04.2022

19 weitere russische Angriffe gegen militärische Ziele

19 weitere Raketenangriffe richteten sich in der Nacht gegen militärische Ziele in der Ukraine, meldete der Moskauer Militärbericht. Die russischen Streitkräfte nahmen dabei für sich in Anspruch, jedes dieser Ziele auch zerstört zu haben. Durch Raketenabschüsse von Flugzeugen aus seien sechs militärische Ziele im ostukrainischen Gebiet Charkiw zerstört worden. Seit Sonntag habe die russische Artillerie fast 970 Ziele unter Feuer genommen. Überprüfbar sind diese Moskauer Angaben zum Kriegsgeschehen nicht.

Angriffsversuche Richtung Kramatorsk

Im Osten des Landes wehrte das ukrainische Militär nach eigenen Angaben mehrere russische Angriffe ab. "In Richtung Isjum - Barwinkowe und Isjum - Kramatorsk hat der Feind Sturmversuche unternommen, aber keinen Erfolg gehabt, dabei hat er die Ortschaften Welika Komyschuwacha, Wirnopillja und Nowa Dmytriwka beschossen", teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht mit.

Im Bereich Donezk und weiter südlich beschränkten sich die russischen Kampfhandlungen demnach vor allem auf starkes Artilleriefeuer auf die ukrainischen Stellungen. Einzig in der seit Wochen umkämpften Kleinstadt Popasna habe es weitere Sturmversuche gegeben.

In der Stadt Mariupol sei das Stahlwerk Azovstal mit Bomben und Raketen beschossen worden, heißt es weiter. Zu eigenen Verlusten machte der Generalstab dabei keine Angaben. Die russische Seite soll 13 Panzer und darüber hinaus weitere Militärtechnik verloren haben. Die Regierung in Moskau kündigte eine Feuerpause für das Gebiet um das Stahlwerk an. Die russischen Truppen würden ab 13.00 Uhr (MESZ) "alle Feindseligkeiten einstellen, ihre Einheiten auf eine sichere Entfernung zurückziehen und den Rückzug" der Zivilistinnen und Zivilisten sicherstellen, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Vorherige Evakuierungsversuche waren immer wieder gescheitert.

Krywyj Rih rechnet mit baldiger Offensive

Der südukrainische Ort Krywyj Rih bereitet sich auf einen baldigen Angriff russischer Truppen vor. Die ukrainischen Streitkräfte rechneten mit einer Offensive in den kommenden Tagen, schrieb der örtliche Militärchef Oleksandr Wilkul bei Telegram. Man habe mehrstufige Verteidigungslinien aufgebaut und versuche, Zivilisten aus gefährdeten Gebieten zu bringen. Krywyj Rih ist unter anderem dank der Eisenerzförderung ein wichtiges Industriezentrum für die Ukraine. In den vergangenen Wochen wurde die Stadt wiederholt Ziel von Raketenangriffen.

Moskau dementiert Pläne zu Abspaltungsreferendum

Das russische Außenministerium dementierte derweil Pläne, wonach Moskau ein Referendum über die Abspaltung des südukrainischen Gebiets Cherson plane. "Davon habe ich nichts gehört", sagte der stellvertretende Außenminister Andrej Rudenko in Moskau. Spekulationen über die Vorbereitung eines solchen Referendums wie auf der Halbinsel Krim 2014 oder in den Separatistenrepubliken im Donbass hatten sich zuletzt verstärkt. Unter anderem sollen in der Region Cherson Flugblätter mit entsprechenden Aufrufen aufgetaucht sein.

Durch den vor gut zwei Monaten begonnenen russischen Angriffskrieg sind nach ukrainischen Angaben mindestens 3818 Zivilisten getötet worden. "Verletzte: mehr als 4000", teilte die ukrainische Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine mit. Die Statistik sei jedoch unvollständig, da die Behörden zu vielen Orten, darunter zur blockierten Hafenstadt Mariupol, keinen Zugang hätten. Aktuell geht die Staatsanwaltschaft dabei von mindestens 215 getöteten und 391 verletzten Kindern aus. Die Vereinten Nationen haben bisher rund 2500 zivile Tote erfasst, gehen aber ebenso wie Kiew von weitaus höheren zivilen Opferzahlen aus.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. April 2022 um 10:00 Uhr.