Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, besucht mit Soldaten die vom Krieg betroffene Region Donezk im Osten der Ukraine. (Archivbild: 14.10.21) | dpa

Eskalation in der Ostukraine Der Krieg droht erneut voll auszubrechen

Stand: 27.10.2021 13:44 Uhr

Trotz eines Verbots hat die Ukraine im Osten des Landes erstmals eine Kampfdrohne eingesetzt. Ziel sei es gewesen, den schweren Beschuss von Seiten der pro-russischen Separatisten zu stoppen, hieß es.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Es ist eine neue Eskalationsstufe im Ostukraine-Konflikt: Zum ersten Mal hat die ukrainische Armee eine türkische Kampfdrohne vom Typ Bayraktar eingesetzt - trotz eines Verbots, auf das sich die Konfliktparteien bereits 2014 verständigt hatten. Das ukrainische Verteidigungsministerium veröffentlichte Aufnahmen des Angriffs, bei dem, wie es hieß, ein großkalibriges Geschütz zerstört worden sei. Ob es bei dem Angriff auch Opfer gab, ist unklar.

Christina Nagel ARD-Studio Moskau

Beschuss der Separatisten stoppen

Ziel sei es gewesen, den Beschuss von Seiten der Separatisten auf Armeestellungen im Gebiet Hranitne zu stoppen, bei dem ein Soldat getötet und ein weiterer verletzt worden seien, teilten die ukrainischen Streitkräfte mit.  

Bewohner des Ortes berichteten im ukrainischen Fernsehen von heftigem Artilleriebeschuss. Zehn Häuser seien beschädigt worden. Der Strom sei ausgefallen.

Maryna Nebera ist Sekretärin der Schule in Hranitne, sie berichtete: "Der erste Beschuss begann um zehn Uhr am Abend. Es hörte die ganze Nacht über nicht auf. Fenster und Türen bebten. Die Hälfte der Schulmitarbeiter ist aus Angst nicht zur Arbeit erschienen. Und jetzt wird wieder geschossen. Mein Gott, es ist furchtbar."

Zerstörte Häuser, viele Gebäude ohne Strom

Das russische Fernsehen zeigte seinerseits Bilder von zerstörten Häusern auf dem Gebiet der selbsternannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk. Ein Umspannwerk sei getroffen, eine Pumpstation beschossen worden.

Der stellvertretende Kommandeur der Miliz der selbsternannten Volksrepublik Donezk, Eduard Basurin, sagte: "Es gibt Schäden an sozialen Einrichtungen. Schulen, Krankenhäuser, Kindergärten sind ohne Strom. Wohnhäuser und Industrieanlagen wurden beschädigt."

Gebiete zurückerobern? Kiew dementiert

Die ukrainische Armee, so hieß es, versuche, Gebiete zurückzuerobern. Kiew aber dementiert dies. Der Krieg im Osten der Ukraine - davor zumindest wird einstimmig gewarnt - droht erneut voll auszubrechen. Es ist höchste Zeit für die Vermittler, mehr zu tun, als nur an die Konfliktparteien zu appellieren, sich an den Minsker Vertrag zu halten, der längst zu einem Frieden in der Region hätte führen sollen.

Seit 2014 wird im Osten der Ukraine gekämpft. UN-Schätzungen zufolge kamen in dem Konflikt bereits mehr als 13.000 Menschen ums Leben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Oktober 2021 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.